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Im Gespräch | Beitrag vom 08.03.2019

Musiker Malakoff KowalskiDer Feuilleton-Liebling mit der Prinz-Heinrich-Mütze

Moderatorin: Katrin Heise

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Malakoff Kowalski trägt einen altmodische Mütze und ein weißes Hemd. Er blickt ernst in die Kamera. (Julija Goyd)
Zu Gast bei "Im Gespräch": der Musiker Malakoff Kowalski. (Julija Goyd)

Malakoff Kowalski hat Hip-Hop gemacht und Krautrock, heute füllt er bei Klavierabenden die Elbphilharmonie. Musik sei für ihn wie eine Liebesbeziehung, sagt er. Sein Plädoyer für Musikstreaming-Dienste kommt allerdings nicht überall gut an.

Der Musiker Malakoff Kowalski hofft, mit seinem ersten Album den größten Fehltritt seiner Karriere hingelegt zu haben. Was zunächst paradox klingt, bedeutet aber gleichzeitig eben auch: dass er eine solche Episode schon hinter sich hat. Tatsächlich erinnert heute nichts mehr an den jugendlichen Hip-Hop-Ausflug, den er mit Mitte Zwanzig mit dem Duo "Jansen & Kowalski" unternommen hat, und den er heute, mit mehr als einem Jahrzehnt Abstand, auch mit Humor betrachten kann.

Es habe dieses Album gebraucht, um zu erkennen, welche Musik er wirklich machen wolle. Seitdem hat Malakoff Kowalski, der mit bürgerlichem Namen Aram Pirmoradi heißt, mit Platten wie "Kill Your Babys", "I Love You" und "My First Piano" Publikum und Feuilleton gleichermaßen verzückt, sicher auf dem Grat zwischen Pop, Jazz und Klassik wandelnd.

Tränen in den Augen, wenn die Mutter Klavier spielte

Der Musiker, der 1979 in Boston geboren wurde, wohin seine Eltern vor dem Regime in Teheran Ende der 70er Jahre geflohen waren, wuchs in Hamburg auf und kam schon früh mit klassischer Musik in Berührung. Seine Mutter, eine Pianistin, unterrichtete ihren Sohn am Klavier.

"Ich weiß noch, wie ich als Kind weinen musste, wenn ich sie habe spielen hören. Den langsamen Satz der Sturm-Sonate von Beethoven zum Beispiel. Daran versuche ich anzuknüpfen. Das Gefühl, das ich heute zu Musik habe, soll eigentlich das Gleiche sein, das ich als Fünfjähriger hatte."

Kreatives Spazierengehen und Geschirrspülen

Für sein jüngstes Album begab Malakoff Kowalski sich auf die Suche nach dem Klavier seiner Kindheit, holte es zu sich nach Berlin und spielte darauf "My First Piano", eine Platte mit reinen Klavierstücken ein. Heute füllt er mit seinen Konzerten die Elbphilharmonie, er schreibt Filmmusik für den Münchner Regisseur Klaus Lemke und arbeitet mit Theaterregisseuren zusammen.

"Beim Spazierengehen und beim Geschirrspülen kommen mir die meisten Ideen. Kleine Fetzen eines Motivs, kleine Lösungsansätze, wenn man sich mit einem Problem beschäftigt. Man muss es dann ausarbeiten, aber der initiale Moment ist oft beim Spazierengehen nachts, wenn ich kleine Sachen vor mich hinpfeife. Ich könnte jetzt bei jeder Platte sagen, welcher Teil während eines Spaziergangs, auch sogar in welcher Stadt, in welchem Wald, an welchem Meer, an welchem Fluss entstanden ist."

Sein Outfit ist "irre praktisch"

Dass er immer schwarze, enge Anzughosen mit weißem Hemd, Prinz-Heinrich-Mütze und Stiefeln kombiniert, erklärt Malakoff Kowalski so:

"Das hat sich ergeben, weil es einfach irre praktisch ist. Ich kann damit morgens auf eine Beerdigung, mittags in einem schicken Restaurant essen, ich kann dann Fotos machen und ein Konzert in der Philharmonie spielen, dann in eine schmutzige Bar und dann noch in einen Techno-Club.  Und wenn es gut läuft, komme ich morgens noch in irgendein Hotel rein, um zu frühstücken und falle nicht weiter auf. Das geht alles mit dem Outfit."

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