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Musikfeuilleton | Beitrag vom 27.11.2020

Musik in Zeiten von Pest und CholeraTotentanz und Liebeslust

Von Katalin Fischer

Auf einem Kirchenfresko tanzen Gerippe mit Mitgliedern unterschiedlicher Stände. (imago images / imagebroker / siepmann)
Die Totentanz-Fresken von Johannes von Kastaw, gemalt 1490, in der Wehrkirche Sv. Trojica (Heilige Dreifaltigkeit) in Hrastovlje. (imago images / imagebroker / siepmann)

In den Zeiten, als die Pest wütete, entstanden sogenannte Totentanz-Bilder: Skelette tanzen einen Reigen mit Menschen aus allen Schichten. Auch in der Musik hatten Pandemien ihre Begleiter: lebenstolle Tänze oder verhauchende Weisen.

Die Seuche wütet, der Tod steht vor der Tür. In diesen Zeiten entstanden vor allem in katholischen Kirchen besondere Bilderzyklen - sogenannte Totentänze. Der Lübecker Totentanz in der Marienkirche war ein berühmtes Beispiel, in der Wehrkirche Sv. Trojica in Hrastovlje oder in der Berliner St. Marien: in Seitenkapellen wurden Friese gemalt, die tanzende Skelette in einem langen Reigen zeigten. Die Tänzer gehören allen gesellschaftlichen Schichten an. Der Papst muss da mit dem Tod tanzen, genau so wie der Kaiser, der Ritter, der Bürgermeister. Zum Schluss reichen die Knochenmänner oft der Jungfrau und dem Kind die magere Hand.

Ein letzter Tanz

Seit dem 14. Jahrhundert gibt es solche Darstellungen von Totentänzen. Entsprechend entstanden musikalische Umsetzungen - in ambivalenter Weise: Einerseits herrschten Todessehnsucht und Ergebenheit, weil der Tod die Erlösung von allen Leiden brachte, andererseits galt er als lustvoller Höhepunkt, dem nichts mehr folgen kann. Pest, Cholera, spanische Grippe – sie alle hatten ihre musikalischen Begleiter. Denn wenn sich Normen und Werte im Angesicht des Todes plötzlich als fragwürdig erweisen, blüht die Musiklandschaft auf.

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