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Aus der jüdischen Welt | Beitrag vom 06.08.2021

Musik im Jüdischen Museum BerlinJüdische Kreative stellen ihren "Jewish Soundtrack" vor

Von Miron Tenenberg

Der Musiker Daniel Kahn sitzt mit schwarzem Hemd, schwarzem Hut und einer Ukulele hinter einem Mikrofon. (picture alliance / Ralf Mueller)
"My Jewish Soundtrack": Bei der Veranstaltung des Jüdischen Museums Berlin stellte auch der Musiker Daniel Kahn seine jüdische Lieblingsmusik vor. (picture alliance / Ralf Mueller)

Ist Musik jüdischer Künstlerinnen und Künstler per se "jüdische Musik"? Oder muss diese immer etwas mit Judentum zu tun haben? Fünf Kreative stellen ihre jüdische Lieblingsmusik vor – von israelischen Klassikern bis zu amerikanischem und deutschem Rap.

Musik inspiriert viele Menschen. Manche sagen sogar, dass durch Musik die Präsenz Gottes spürbar gemacht werden könne. Soweit wollen wir uns hier nicht aus dem Fenster lehnen, aber wir können schauen, inwieweit jüdische Musik jüdische Kreative beeinflusst hat. Darum ging es in der vergangenen Woche im Garten des Jüdischen Museums in Berlin.

Unter anderem haben der Stararchitekt Daniel Libeskind, der jiddische Sänger Daniel Kahn, der Autor Dmitrij Kapitelman, der Veranstalter Roy Sinai und die Rapperin Sharon verraten, welche explizit jüdischen Songs ihnen am Herzen liegen.

Die Rapperin und Songwriterin Sharon steht mit schwarzer Lederjacke im Garten des Jüdischen Museums Berlin und streicht sich die langen braunen Locken aus dem Gesicht. (picture alliance / Ralf Müller)Der Rapperin und Songwriterin Sharon fiel es nicht ganz leicht, ihren "Jewish Soundtrack" zusammenzustellen. (picture alliance / Ralf Müller)

Dabei hat zumindest der Künstler Daniel Kahn lieber gar nicht so grundsätzlich werden wollen:

"Alle Fragen: ‚Was ist jüdische Musik?‘ Ich habe eine kurze Antwort: Jüdische Musik ist irgendeine Musik, die versucht, diese Frage zu beantworten. Deswegen ist auch diese Frage nicht so interessant für mich."

Wer so viel Kontakt zu allen möglichen musikalischen Stilrichtungen der jüdischen Musik hat, wie der 42-jährige Kahn, mag dieser profanen Frage einfach nicht viel abgewinnen können. Dennoch: An diesem Abend im Jüdischen Museum ging es um die eigenen "Jewish Soundtracks", also die jüdische Musik, welche die fünf Künstlerinnen und Künstler stark beeinflusst hat. Dabei waren sich alle auf der Bühne einig, dass sie eigentlich nicht wüssten, wo die ach so typischen jüdischen Einflüsse in ihrer Kunst zu finden seien.

Für den Musiker und Autor Dmitrij Kapitelman wäre typisch-jüdische Musik eigentlich ein rotes Tuch – doch während der Diskussion musste er eingestehen, dass da eben doch mehr dahinter steckt.

"Das kommt darauf an, wie sehr ich unintendiert das Jüdische verkörpere beim Musikmachen. Ich ertappe mich sehr oft dabei, dass ich sage, der Text, den du da geschrieben hast, das ist jüdischer Humor, und das ist extrem jüdische Musik, die du da fabrizierst, ob du willst oder nicht."

So kann man wahrscheinlich auch seinen aktuellen Lieblingstitel interpretieren: einen modernen Rapsong des jung verstorbenen Musikers Mac Miller "Small Worlds" – ohnehin ist Kapitelmans Soundtrack größtenteils von aktueller U-Musik geprägt.

"Jewish Soundtrack von Dmitrij Kapitelman"

Amy Winehouse "Love Is A Losing Game" Mac Miller "Small Worlds" 
Chilly Gonzales "Gentle Threat" 
Lil Dicky "Professional Rapper" 
George Gershwin "Rhapsody in Blue" 
Mayer Hawthorne "Green Eyed Love"

Danach haben die Zuschauenden unter dem Laubdach des kleinen Hains im Garten des Jüdischen Museums gespannt zugehört, als der international renommierte Architekt Daniel Libeskind seinen Lieblingstrack vorgestellt hat: einen Partisanenklassiker, einen Ghettosong, interpretiert von der israelischen Sängerin Chava Alberstein "Zog nit kayn’mol".

"A song that always asserts something positive. It's not a song that looks back to the irretrievable, but speaks about the blue sky at the end. So it's something very moving every time I hear it."

Dieses Widerstandlied sei für Libeskind auch mit etwas Positivem verknüpft, da es nicht auf das Unwiederbringliche zurückblicke, sondern nach vorne schaue. Etwas, was den Architekten, der übrigens auch das Jüdische Museum selbst entworfen hat, immer wieder berühre. Ansonsten besteht sein "Jüdischer Soundtrack" aus einer Auswahl an jiddischen, klassischen und ein paar Soulliedern.

"Jewish Soundtrack von Daniel Libeskind"

Chava Alberstein "Zog nit kayn‘mol" 
Mordechai Gebirtig "Es brent!" 
Felix Mendelssohn "Lieder ohne Worte" 
Mordechai Gebirtig "Minutn fun bitokhn" 
Johann Sebastian Bach "Suiten für -Violincello solo (BWV 1007-1012)" 
Trad., Arr. Abraham Goldfaden "Rozhinkes mit Mandeln" 
Moyshe Nadir "Der Rebbe Elimelech" 
The Beatles "Fixing A Hole" 
Trad. "Płynie Wisła płynie" 
Otis Redding "(Sittin‘ On) The Dock Of The Bay" 
Bob Dylan "Highway 61 revisited"

Auf die Frage nach Daniel Kahns speziell jüdischen Songs hat der Künstler einfach selbst zur Ukulele gegriffen und zwei Strophen seines wohl prominentesten Liedes gespielt: ein Remake des "Halleluja" von Leonard Cohen:

Mit diesem Song gewinnt der jiddische Sänger Daniel Kahn eigentlich immer alle Herzen.

"Jewish Soundtrack von Daniel Kahn"

Daniel Kahn "Hallelujah"Daniel Kahn "The Jew In You"
Daniel Kahn "Mayne ‚Foterlender‘"
Daniel Kahn "Zeks Shures"
Adrienne Cooper, Frank London, Michael Wex "How The Jews Got To Europe"
Solomon Small "Dos Naye Rusland"
Beyle Schaechter-Gottesman "Der binyen"
Michael Alpert "Klaybt Zikh Tsunoyf or Berlin 1990" 
Georg Kreisler "Ich fühl mich nicht zu Hause"

Auch der israelische Berliner Veranstalter Roy Sinai hat einen klassischen Gassenhauer gewählt, den viele wahrscheinlich vor allem als italienisches Lied "Azzurro" von Adriano Celentano kennen, hier von Arik Einstein "Amru Lo".

Roy Sinai, der in Berlin die Partyreihe "Karneval de Purim" oder das "Hummus Festival" ausrichtet, ist in Israel im Umfeld einer stark aschkenasisch geprägten Kultur aufgewachsen, obwohl er selbst misrachischer Jude ist.

"Ich habe mich immer nicht so wohl in diesen Kreisen gefühlt und langsam hat sich eine andere, so eine Contra-Gruppe entwickelt. Wir waren halt die Bad Boys…" – die ihre Einflüsse in der damals marginalisierten misrachischen Kultur gefunden haben, also der Kultur der arabisch-stämmigen Jüdinnen und Juden. Doch richtig warm ist er damit auch nicht geworden.

Roy Sinais Soundtrack besteht eigentlich ausschließlich aus israelischen Songs verschiedener Jahrzehnte.

"Jewish Soundtrack von Roy Sinai"

Nira Gal "Od Hozer Hanigun" 
Chava Alberstein "Perach Halilach" 
Chava Alberstein "Adaber Itcha" 
HaHalonot HaGvohim "Kol Hashavua Lach"
Rockfour "Kol Kivan"
Hahaverim shel Natasha "Freddy al Haboker"
Girafot "Lechet"
Meir Ariel "Terminal Luminelt"
Hamechashefot "Hamechashefot"
Daniel Solomon "Adif"
Maschina "Anachnu Shnaiym"
Arik Einstein "Amru Lo"

Der jungen israelischen Rapperin Sharon ist die Zusammenstellung ihres "Jewish Soundtracks" auch nicht leicht gefallen.

"Anfangs wars ziemlich schwer, dachte ich, aber dann ging es doch. Als ich losgelegt habe, ist mir dann immer mehr eingefallen."

Herausgekommen sind dann aber nur sieben Tracks, die größtenteils von Idan Raichel stammen.

"Jewish Soundtrack von Sharon"

Yemen Blues "Trape La Verite" 
Margalit Tzanani "Ez Yarok Mi Plastik"
Idan Raichel "Sheriot Shel HaChaim" 
Idan Raichel "Chalomot Shel Acherim" 
Idan Raichel "Bo’ee" 
Idan Raichel "Mimaamakim" 
Naomi Shemer "Chorshat Ha’Ekaliptus"

Als Lieblingstrack hat sie dann aber eine israelische Schnulze aus dem Jahr 1963 gewählt.

Doch Sharon hat die Bühne nicht ohne ein anschließendes Konzert verlassen. Immerhin ist ihr aktuelles Album "Floetic" noch nicht lange draußen.

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