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Fazit | Beitrag vom 21.04.2020

Museumsarbeit nach CoronaDer Besucher als Ausstellungsmacher

Wilhelm Stratmann im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Portrait von Wilhelm Stratmann, Leiter des Historischen Museums Bielefeld (Historisches Museum Bielefeld)
Museumsleiter Wilhelm Stratmann glaubt, dass man dank des virtuellen Raums auch nach der Coronakrise eine größere Publikumsteilhabe erreichen kann. (Historisches Museum Bielefeld)

Im Historischen Museum Bielefeld möchte man den virtuellen Raum, der sich während der Coronakrise entwickelt hat, zu einem eigenständigen zweiten Standbein machen. Museumsleiter Wilhelm Stratmann sieht darin die Chance für mehr Publikumsbeteiligung.

Das Interesse an dem, was im Museum geschehe, sei auch nach der Corona bedingten Schließung geblieben, sagt Wilhelm Stratmann, Leiter des Historischen Museums Bielefeld. Neben virtuellen Einblicken in die Dauerausstellung und ausführlichen Vorstellungen einzelner Objekte sollen Kindermalwettbewerbe und Museumsführungen von Schauspielern besonders das jüngere Publikum fürs Museum interessieren und zum Mitmachen animieren.

In einen Positionspapier mit dem Titel "#CULTUREDOESNTSTOP" stellt das Museum die Frage nach dem Verhältnis zu seinem Publikum mit den Worten "Ist der Besucher als Zeuge ein bloßer Ereigniskonsument?".

"Das ist eigentlich das, woran Geschichtsmuseen schon länger denken. Das Stichwort 'Partizipation' wird ja im Augenblick ganz groß geschrieben. Also der Besucher soll aus der passiven Rolle in eine aktive Rolle kommen", erklärt Stratmann.

Besucher entwerfen eigene Ausstellung

Im Historischen Museum Bielefeld bedeutet das, dass der Besucher eine Ausstellung inzwischen selber entwerfen kann. Das Museum werde zum "Kulturvermittler", sagt der Museumsleiter:

"Wir haben einen Ausstellungsraum eröffnet, ein Forum, wo eben Menschen aus der Stadtgesellschaft selber Ausstellungen machen können. Wir sind dann eigentlich nur noch der Kulturvermittler, der technisch mit Rat und Tat zur Seite steht. Aber die Menschen, die zu uns kommen, sind dann eigentlich für die Ausstellung mehr oder weniger verantwortlich."

Online-Präsentation als neues Standbein

Aber die digitalen Neuerungen böten auch für das Museum eine größere Präsentationsfläche: "Da haben wir die Möglichkeit, durch die Digitalisierung unserer Sammlung einen eigenen Raum zu schaffen, wo wir eben die Objekte ins Netz stellen. Und wir sehen diese digitalen Auftritte, die wir jetzt im Zeichen von Corona entwickelt haben, als neues Standbein des Museums."

Objekte, die bisher im Verborgenen blieben wie beispielsweise eine Sammlung von Fahr- und Motorrädern, die in Bielefeld produziert wurden, könnten so auch ein interessiertes Publikum aus dem Ausland erreichen.

(kpa)


Das Museum Ludwig in Köln verzeichnet momentan mehr Follower also vor der Coronakrise. Hören Sie hier ein Interview mit Yilmaz Dziewior, dem Direktor des Museums:
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