Dienstag, 20.11.2018
 

Im Gespräch | Beitrag vom 26.09.2018

Museums-Direktor Paul SpiesDer Niederländer und das Berliner Stadtmuseum

Moderation: Ulrike Timm

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Seitliches Porträt von Paul Spies. (picture alliance / Jens Kalaene / dpa)
Paul Spies, Direktor und Chef-Kurator vom Märkischen Museum, stellt die neue Dauerausstellung "BerlinZEIT - Geschichte kompakt" des Märkischen Museums vor. (picture alliance / Jens Kalaene / dpa)

Paul Spies weiß, wie man Menschen ins Museum bringt: Bevor er 2016 nach Berlin kam, schuf er mit "Amsterdam DNA" im dortigen Museum einen wahren Publikumsmagneten. Jetzt plant der Niederländer den Einzug des Berliner Stadtmuseums ins Humboldt-Forum.

Paul Spies ist Museumsdirektor aus Leidenschaft. Der Niederländer möchte das Publikum im Berliner Stadtmuseum gern mit seiner Begeisterung anstecken. Das Schlüsselwort dabei: Beteiligung. "Heutzutage möchten die Leute gerne mitmachen, nicht nur anhören", sagt Spies. Er will damit auch Menschen erreichen, die sonst eher nicht ins Museum gehen.

Und so realisierte der Fan des Fußballclubs Ajax Amsterdam im vergangenen Jahr eine Ausstellung zur 125-jährigen Geschichte von "Hertha BSC": "Fans, das sind teilweise nicht Museumsbesucher; die sind neu fürs Museum. Und das Museum ist neu für viele Fußball-Fans. Wir sind aber für alle da." Und die Hertha-Geschichte spiegele letztlich die Geschichte der Hauptstadt – und umgekehrt.

Begeisterung für versunkene Kulturen

Eigentlich wollte der Amsterdamer Archäologe werden. Schon als Kind begeisterte er sich auf Reisen für versunkene Kulturen. Doch dann gewann sein kunstgeschichtliches Interesse die Oberhand. Er gründete eine Agentur, die sich auf die Beratung von Museen spezialisierte und betrieb diese 21 Jahre lang. Dass er selbst Direktor eines Museums werden würde, hätte er sich nie träumen lassen.

Paul Spies lächelt in die Kamera (Michael Setzpfandt)Unser Gast: Paul Spies, der Direktor des Berliner Stadtmuseums. (Michael Setzpfandt)

Doch dann kam der Ruf aus Berlin: seit 2016 ist Paul Spies Direktor der Stiftung Berliner Stadtmuseum. Ihr gehören fünf verschiedene Häuser an, darunter das Märkische Museum und das Museum Ephraim Palais. Zwischen den Orten pendelt der sportliche Chef am liebsten mit dem Fahrrad. Aber auch ansonsten ist er dem Ruf der Holländer treu: Das Duzen falle ihm leichter als vielen Deutschen. Er bemühte sich von Anbeginn, Hierarchien abzubauen. 

Im Humboldt Forum will er Berlin und die Welt verbinden

"Ich glaube, ich bin in meinem Management ziemlich anders als meine Vorgänger. Ich liebe es, wenn die Leute Verantwortlichkeit übernehmen, und dass die Leitung eher begleitet, als dass sie leitet." Als Chef eine Richtung vorzugeben liege ihm ganz und gar nicht. "Das ist nur eine Richtung, und wenn man viele Richtungen zusammenbringen kann, dann gibt es auch viel Produktivität. Man ist der Eigner seiner eigenen Arbeit."

Der nächste Coup des umtriebigen Museumsmanagers: Paul Spies ist auch Chef-Kurator des Landes Berlin im Humboldt Forum. "Was wir tun können, ist Berlin und die Welt zu verbinden, denn die Welt ist in Berlin anwesend, und Berlin hat einen Einfluss genommen auf die Weltgeschichte."

Trotz seines prall gefüllten Terminkalenders nimmt sich Pauls Spies so oft wie möglich Zeit für seine Kinder, 11 und 14 Jahre alt. Sie dienen ihm auch als Testbesucher für seine Ausstellungen: "Wenn es den Kindern nicht gefällt, ist die Ausstellung nicht gelungen."

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