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Fazit | Beitrag vom 06.03.2021

Museum der Moderne "Ökologisch ein absoluter Super-GAU"

Nikolaus Bernau im Gespräch mit Britta Bürger

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Museumsentwurf mit großflächiger Verglasung. (Herzog & de Meuron)
Die Fassade zum Scharounplatz wird großflächig verglast. (Herzog & de Meuron)

Der Bau des Museums der Moderne ist zu teuer und unökologisch, kritisiert der Bundesrechnungshof. Für das Prestigeprojekt der Kulturstaatsministerin dürfte das kaum Konsequenzen haben. Ein Privatinvestor hätte den Bau längst gestoppt, so Nikolaus Bernau.

In Berlin stehen schon die Bagger bereit, um zwischen der Neuen Nationalgalerie und der Gemäldegalerie die Baugrube für das künftige Museum der Moderne auszuheben. Nun funkt allerdings ein überaus kritischer Bericht des Bundesrechnungshofs dazwischen und dämpft vermutlich die Euphorie von Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Hermann Parzinger, seines Zeichens Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Das geplante Projekt des Schweizer Architektenduos Herzog und de Meuron ist laut Bundesrechnungshof überteuert und unökologisch.

Blick auf den Scharounplatz von der Freitreppe aus. (Herzog & de Meuron)Die Freitreppe vor dem multifunktionalen Medienraum an der Nordfassade dient als separater Zugang und als Aufenthaltsort. (Herzog & de Meuron)

"Wenn es ein Privatinvestor wäre oder wenn es ein Museum wäre, das selber seine Finanzen regeln müsste, dann würde das Projekt gestoppt werden, weil es einfach zu teuer ist schlichtweg: Es ist zu teuer in Bezug auf die Quadratmeter, es ist zu teuer, was die ganze Frage der Ökologie angeht, und es ist zu teuer, was das Grundstück angeht", sagt unser Architekturkritiker Nikolaus Bernau.

Da es sich hier aber um ein Bundesprojekt handle und Politiker sich prinzipiell damit schwertäten, die Kosten für Kulturbauten zu kritisieren, um sich nicht dem Vorwurf der Kulturfeindlichkeit auszusetzen, werde der Bericht aller Voraussicht nach keine Folgen haben, so Bernau.

Fragwürdige Informationspolitik von Grütters und Parzinger

Ursprünglich sollte der Neubau 179 Millionen Euro kosten, doch nun soll er doppelt so teuer werden, aber nicht nur das. Diese Kostensteigerung sei zudem Grütters und Parzinger relativ lange bekannt gewesen, sagt Bernau, doch den Abgeordneten, die darüber im Bundestag zu entscheiden hatten, habe man diese Information zunächst vorenthalten.

Letztlich seien die Kosten pro Quadratmeter nun doppelt so hoch wie die des "praktisch funktionsgleichen Neubaus der Kunsthalle in Mannheim".

Die Fassade des Museums besteht aus einem Betonverbundelement mit eingelegten Klinkern und stellt dadurch einen Bezug zur benachbarten St. Matthäus-Kirche her. (Herzog & de Meuron)Die Fassade des Museums besteht aus einem Betonverbundelement mit eingelegten Klinkern und stellt dadurch einen Bezug zur St. Matthäus-Kirche her. (Herzog & de Meuron)

Auch den ständig steigenden Platzbedarf bemängelt der Rechnungshof: Dabei wurde nicht etwa die Nutzfläche für die Ausstellung unentwegt größer, sondern die Fläche für die Technik. "Und diese Technikflächen sind vor allem mal nötig für die Klimatisierung", erklärt Bernau.

"Das Gebäude hat immense Klimakosten"

"Ökologisch wird das Ganze ein absoluter Super-GAU", denn das Gebäude ist vollständig luftdurchlässig: "Das ist der Witz des Entwurfs, dass man dort einfach hindurchgehen kann. Das bewirkt aber, dass dort ganz große Luftströme entstehen. Die müssen gekühlt oder gewärmt werden, je nach Sommer oder Winter. Das heißt: Das Gebäude hat immense Klimakosten." Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Dabei können Museen durchaus nach ökologischen Gesichtspunkten gebaut werden, wie die Nationalgalerie in Oslo oder das Museum im chinesischen Tianjin zeigen. Man muss es nur wollen.

(ckr)

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