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Fazit / Archiv | Beitrag vom 15.11.2017

Museum der Moderne für BerlinUngeliebte Scheune aus gutem Hause

Von Nikolaus Bernau

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Der Siegerentwurf für das Museum der Moderne in Berlin der Schweizer Architekten von Herzog & de Meuron, präsentiert bei der Eröffnung einer Ausstellung im Kulturforum in Berlin. (picture alliance / Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa)
Der Siegerentwurf für das Museum der Moderne in Berlin der Schweizer Architekten von Herzog & de Meuron steht weiter in der Kritik. (picture alliance / Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa)

Die Elbphilharmonie-Schöpfer haben für das Berliner Kulturforum ein Museum der Moderne entworfen. Bei der Vorstellung der Entwürfe vor einem Jahr hatte es bereits Kritik gehagelt an den Plänen der Architekten um Jacques Herzog. Die nun vorgestellten Änderungen konnten die Gemüter nicht beruhigen.

Die Mitte des Berliner Kulturforums ist bis heute eine Wüstenei - das aber würde im provisorienverliebten Berlin eigentlich niemanden kümmern, wenn es nicht den großen Traum vom Kulturforum gäbe, der nun mit dem Neubau eines weiteren Museums, des M20 für die Sammlungen der Nationalgalerie zur Kunst des 20. Jahrhunderts seine Erfüllung finden soll. Den Wettbewerb gewann im vergangenen Jahr das Schweizer Architekturbüro Herzog und de Meuron, das am Mittwochabend erstmals einem breiteren Publikum den Entwurf vorstellte. Der ist nämlich bereits scharf kritisiert worden: Zu groß sei die "Scheune" aus Ziegelsteinen, sie rücke den Ikonen der Moderne zu nahe, zu ländlich sehe sie aus in der Millionenstadt Berlin, sie sei auch zu selbstbezogen, ziehe alle Energie aus dem Kulturforum heraus und gebe keine ab. Und dann ist es auch der falsche Standort.

Momente des Fremdschämens in der Diskussion

Im Wesentlichen waren das auch die Kritikpunkte, die am Mittwoch auch wieder geäußert wurden, wobei die Debatte darunter litt, dass die Moderatoren Winfried Wang und Matthias Sauerbruch lieber ihre eigenen Ideen präsentieren wollten, statt genau dann nachzuhacken, wenn sich die Architekten in eher vagen Beschreibungen ergingen.

Das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron präsentiert 2016 seinen Entwurf (picture alliance / dpa / Sophia Kembowski)Das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron präsentiert 2016 seinen Entwurf (picture alliance / dpa / Sophia Kembowski)

Wie sieht denn nun die zur Nationalgalerie ausgerichtete Fassade aus? – Ist es wirklich eine gigantische Ziegelwand, wie man aus den Zeichnungen rekonstruieren kann? Ist der Bau von Mies van der Rohe nicht eigentlich ein antiker Tempel, von dem aus man in die Landschaft sehen können muss? Und wird dieser Tempel denn nun eingebaut durch ein überaus landwirtschaftlich aussehendes Gebäude, das fast alle Aussichten hin zur Philharmonie verstellen wird?

Architekten hatten erst vor drei Monaten Planungsauftrag bekommen

Wieso ist die Stadt Berlin nicht in der Lage, die grauenhafte Potsdamer Straße zu verlagern, wenn sie doch schon verschmälert werden kann, wie Stadtentwicklungssenatorin Karin Lompscher mitteilte? Ist die Idee eines Generalmanagers für kulturelle Aktivitäten auf dem Kulturforum schon mal mit den Anliegern, den Museen Bibliotheken und der Philharmonie abgesprochen worden? Klar wird ein solcher Posten Geld kosten – wer also bezahlt?

Überhaupt: Wie steht's eigentlich mit dem Gelde? Der Architekt Jaques Herzog verlangte bei der Vorstellung etwa alle Viertelstunde, dass man doch ihrem Gestaltungswillen vertrauen solle. Aber werden die 200 Millionen Euro, die der Bund zur Verfügung stellt, wirklich reichen bei einem auch konstruktiv derart ambitionierten Gebäude?

Kurz: Wir werden noch oft vom Kulturforum hören müssen. Schließlich zahlt auch hier nicht Berlin, sondern die ganze Bundesrepublik.

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