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Interview / Archiv | Beitrag vom 25.08.2020

Mund- und Nasenschutz in der PandemieTipps zum richtigen Maskengebrauch

Martin Mair im Gespräch mit Stephan Karkowsky

Eine Hand reicht einer anderen einen Mund- und Nasenschutz weiter. (Unsplash / Dev Asangbam)
Getragene Masken an den Bändern anfassen und nicht in die Hosentasche, sondern in eine Plastiktüte stecken, rät Martin Mair. (Unsplash / Dev Asangbam)

Die Maske schützt: Diese Ansicht hat sich im Verlauf der Pandemie bei den allermeisten Menschen durchgesetzt. Welcher Mund- und Nasenschutz sinnvoll ist und wie man ihn benutzen soll, erklärt unser Wissenschaftsredakteur Martin Mair.

Stephan Karkowsky: Der Mund-Nasen-Schutz nervt uns alle, aber die allermeisten sehen ein: Die Maske schützt. Allerdings wird diese Behauptung ständig infrage gestellt, und das ist ja prinzipiell auch gut so. Wir wollen nicht an die Maske glauben, wir brauchen Beweise. Deshalb hole ich mir jetzt Hilfe beim Deutschlandfunk Kultur-Wissenschaftsredakteur Martin Mair. Maskengegner verweisen gern auf den Beginn der Pandemie, da hätten ja selbst namhafte Virologen noch gesagt, so eine einfache Maske kann uns gar nicht schützen. Wussten die es damals nicht besser?

Auch einfache Masken schützen

Martin Mair: Zum Teil wussten sie es nicht besser, Wissenschaftler verlassen sich ja auf Studien, und es gab zu Beginn dieser Pandemie logischerweise keine, die sich mit dem SARS-CoV-2-Virus beschäftigt haben. Das war ein Grund.

Es gab aber Studien, die zeigen, dass das Tragen von simplen Masken, über die wir jetzt reden - also diese Alltagsmasken, die entweder aus Stoff sind, selbstgenäht oder aus einem einfach Vlies - die Menschen in einer falschen Sicherheit wiegt. Dass sie glauben, sie schützen sich vor einer Ansteckung - und deswegen die anderen Regeln vernachlässigen, wie zum Beispiel Abstandhalten.

Man muss beim Schutz immer noch dazu sagen, dass sich das Wissen nicht geändert hat, das ist von Anfang an klargewesen: Diese einfachen Masken helfen gegen das Ausbreiten, das heißt, sie schützen andere, sie schützen aber nicht mich selbst vor einer Ansteckung.

Inzwischen ist in der Wissenschaft sehr viel passiert. Es gibt viele Studien, die sehr eindeutig sind und zeigen, dass auch diese einfachen Masken einen gewissen Schutz haben und dazu beitragen können, dass sich diese Pandemie nicht ausbreitet.

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Karkowsky: Sie schützen zum Beispiel vor diesen berüchtigten Aerosolen?

Mair: Sie schützen zum Teil vor diesen Aerosolen. Das sind diese kleinsten Partikel in der Luft, die die Viren enthalten. Das ist eine Übertragungsmöglichkeit, weil diese Aerosole sich länger in der Luft halten, weil sie so klein sind und nicht so schnell auf den Boden fallen.

Da ist es nun so, dass die einfachen Masken kaum oder gar nicht gegen Aerosole helfen. Das liegt einfach daran, dass sie nicht filtern. Was diese einfachen Masken aber machen: Sie halten Tröpfchen zurück, und das Coronavirus ist ja in Tröpfchen drin, die beim Niesen, beim Husten durch Mund und Nase ausdringen.

Wenn man da eine Maske hat und die auch gut sitzt, das heißt, dass sie dicht anliegt und nicht alles vorbeigepustet wird oder, was man ja auch immer wieder sieht, dass die Menschen sie nur über den Mund ziehen und nicht über die Nase – das macht wenig Sinn –, dann kann das tatsächlich schützen.

Vor den Aerosolen selbst schützen diese einfachen Masken nicht. Da braucht man andere, die höhere Schutzklassen haben, FFP2 ist da so ein Stichwort. Die würden tatsächlich auch davor schützen.

FFP2-Masken sind eigentlich Einwegartikel

Karkowsky: Die kann man ja auch kaufen, diese FFP2-Masken, auch als Privatperson in Apotheken. Die sind natürlich nicht ganz billig. So eine FFP2-Maske kostet zwischen fünfeinhalb und fast acht Euro. Die will ich ja nicht nur einmal tragen. Was muss ich machen, um sie öfter tragen zu können?

Mair: Im Gegensatz zu den Stoffmasken, die kann man ja einfach waschen bei 60 Grad oder in kochendes Wasser legen, um sie zu desinfizieren, kann man das bei diesen Masken nicht machen. Die kann man nicht waschen, das ist ein sehr spezielles Vliesmaterial. Man kann etwa versuchen, sie in den Backofen zu legen.

Diese FFP2-Masken sind eigentlich für den medizinischen Gebrauch gemacht. Weil die Hersteller da garantieren müssen, dass sie schützen und eine bestimmte Zahl von Viruspartikeln oder von Schadstoffen grundsätzlich zurückhalten, sind das deshalb im medizinischen Bereich Einwegartikel.

Wer sie jetzt privat nutzt und, wie Sie sagen, nicht nur einmal tragen will, dem würde ich raten, zu kontrollieren, sitzt die Maske noch dicht? Wenn sie Risse hat, würde ich sie auf jeden Fall wegwerfen. Ansonsten würde ich sie einfach wirklich mal in den Backofen legen.

Aber auch bei einer FFP2-Maske ist zu bedenken: Die Maske allein ist nicht der hundertprozentige Schutz, sondern immer ein Baustein von mehreren Maßnahmen, um uns vor dem Coronavirus zu schützen - uns selbst und andere.

Darauf achten, dass die Maske trocken ist

Karkowsky: Was gibt es denn eigentlich für neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft über die Lagerung und das Anfassen von diesen einfachen Masken? Meine zum Beispiel falte ich immer zusammen und stecke sie hinten in die Hosentasche.

Mair: Das ist nicht unbedingt die hygienischste Variante. Das ist tatsächlich auch ein Problem, weil sich die Menschen ja häufig ins Gesicht fassen. Wir können da gar nichts machen, das machen alle Menschen in allen Kulturen so. Wenn man nun diese Maske direkt ständig betatscht, dann bringt man alles, was man an den Händen an Keimen hat, Richtung Atemwege und damit womöglich in den Körper.

Das war immer ein Argument gegen die Masken, dass diese Falschanwendung auch eine gewisse Gefahr birgt. Nun ist es so, dass man versuchen sollte, sich nicht so viel ins Gesicht zu fassen. Das ist leichter gesagt als getan.

Was man aber tatsächlich, glaube ich, schaffen kann, ist, dass man nicht ständig an der Maske zuppelt, dass man diese Maske, wenn man sie auf- und absetzt, an den Bändern anfasst und nicht vorne an ihr zieht.

Mein Rat für die Aufbewahrung: Ich würde sie nicht in die Hosentasche, sondern vielleicht in eine Plastiktüte stecken.

Wichtig ist auch, immer drauf zu achten, dass die Masken trocken sind. Wenn sie nass sind – das sind Einwegartikel –, muss man sie austauschen. Bei den Stoffmasken muss man das genauso machen, weil sie dann ihre Schutzwirkung verlieren.

Das heißt, mit einer Maske kommt man nicht durch den Rest dieser Pandemie. Man sollte sich mehrere zulegen, die dann im Wechsel nutzen und bei den Stoffmasken vor allem darauf achten, diese regelmäßig zu waschen: Dass man sozusagen auf der sicheren, auf der hygienischen Seite ist.

Eigentlich ist es wie bei Socken, die hat man auch nicht eine Woche an, sondern achtet auch darauf, dass man die wechselt.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandfunk Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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