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Kompressor | Beitrag vom 30.10.2015

Münchner KammerspieleSchauspieler-Casting vor Theaterpublikum

Moderation: Timo Grampes

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Dramaturgin Katja Mickan auf der gesperrten Hauptbühne des Mecklenburgischen Landestheaters Parchim. (dpa / picture alliance / Bernd Wüstneck)
Im Mittelpunkt: Das erste Vorsprechen ist für Schauspielschüler kein Spaß. (dpa / picture alliance / Bernd Wüstneck)

Der härteste Teil der Schauspielausbildung folgt nach dem Abschluss: das Vorsprechen vor Theaterintendanten. Der Regisseur Boris Nikitin inszeniert die nervenzehrende Prüfung als Kunstwerk - und bittet das Publikum der Münchner Kammerspiele dazu.

Wer ist der neue Hamlet? Wer die neue Elektra? Jeden Herbst reisen Intendanten und Dramaturgen zu den Schauspielschulen, um sich hinter verschlossenen Türen die jüngsten Abschlussjahrgänge anzuschauen. Das gesuchte Produkt heißt "Talent". Der Regisseur Boris Nikitin öffnet diese so künstliche wie aufgeladene Sprechsituation nun dem Publikum der Münchner Kammerspiele: In "Das Vorsprechen" haben Theaterbesucher die Möglichkeit, Schauspielschüler dabei zu beobachten, wie sie vorsprechen - in der Hoffnung, dass die anwesenden Intendanten sie für ein Engagement verpflichten mögen.

Wenn aus Schauspielschülern Konkurrenten werden

Die Schauspielschüler müssten sich vor Fachleuten und Publikum innerhalb weniger Minuten in eine Figur einarbeiten und "diese Fiktion, diese Szene behaupten", erklärt Nikitin im Deutschlandradio Kultur. Neben dem Vorsprechen selbst werde in seiner Inszenierung auch Videomaterial verwendet. "Es wird Einspielungen geben aus Diskussionen, in denen die Schauspielerinnen und Schauspieler reflektieren: Was ist jetzt eigentlich diese Situation des Vorsprechens?" Auch der Leistungsdruck werde darin thematisiert: "Also wie wird das sein, dass man plötzlich nach drei Jahren gemeinsamer Ausbildung auch als Konkurrenz auf der Bühne steht?", so Nikitin.

Er könne die Nervosität unter den Schauspielschülern in einer derartigen Situation gut nachvollziehen, sagt Nikitin: "Ich wäre total nervös." Nach mehreren Jahren der Ausbildung seien die Erwartungen an ein solches Vorsprechen hoch. "Es ist ein extremes Ausgestelltsein, da ist natürlich immer ein Druck da. Und hier ist es noch mal insofern extremer, weil das Produkt, was man da verkauft, ist der Schauspieler, ist die Schauspielerin selbst. Also man bietet sich sozusagen selbst an."

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