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Studio 9 | Beitrag vom 26.12.2018

MoscheesteuerDen Einfluss aus dem Ausland begrenzen

Von Frank Capellan

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Eine europäische, eine deutsche und eine türkische Fahne (l-r) wehen am Freitag (10.09.2010) vor der Merkez-Moschee in Duisburg vor dem Beginn des Freitagsgebets. Die Debatte um die geplante Koran-Verbrennung in Florida hat die Feiertagsruhe der Muslime zum Ende des Ramadans gestört. (dpa / picture alliance / Oliver Berg)
Könnte eine Moscheesteuer den Einfluss der Türkei auf den Islam in Deutschland einschränken? (dpa / picture alliance / Oliver Berg)

Konservative Islamverbände in Deutschland bekommen viel Geld aus dem Ausland. Liberalen fehlen die Sponsoren. Eine Moscheesteuer könnte die Auslandsfinanzierung einschränken und letztlich zu einer fairen Finanzierung des Islam in Deutschland führen.

Es ist wohl kein Zufall, dass Seyran Ates pünktlich zum christlichen Weihnachtsfest diesen Anstoß gibt. Als muslimische Rechtsanwältin und Feministin hat sie sich oft Gedanken über die Zukunft des Islam insbesondere in Deutschland gemacht. In Berlin gründete die 55-Jährige im vergangenen Jahr eine liberale Moscheegemeinde, in der Frauen und Männer gemeinsam beten. "Säkularer Islam" hat sie ihre Initiative überschrieben, die sich auch gegen die Übermacht des Dachverbandes DITIB richtet.

Geld von der türkischen Regierung

Der Einfluss des türkischen Präsidenten Erdogan auf diesen Verband ist unbestritten, das Geld fließt direkt aus der Türkei. Seyran Ates forderte erst kürzlich in einem Deutschlandfunk-Interview, dass die finanzielle Abhängigkeit von Ankara ein Ende haben müsse – denn anders als die konservative DITIB würden liberale Islam-Verbände eben kein Geld bekommen.

"Das ist die größte Sorge aller liberalen Bewegungen und Oppositionellen gewesen, dass wir nicht Milliarden und Millionen von Sponsoren haben. Nichtsdestotrotz muss eben diese Finanzspritze aus dem Ausland aufhören. Österreich hat es gemacht. Sie haben ein Islam-Gesetz und verbieten Auslandsfinanzierung. Deutschland muss das auch tun."

Seyran Ates, Gründerin der Ibn Rushd-Goethe Moschee in Berlin  (dpa-Bildfunk / Bernd von Jutrczenka)Seyran Ates, Gründerin der Ibn Rushd-Goethe Moschee in Berlin (dpa-Bildfunk / Bernd von Jutrczenka)

Eine sogenannte Moscheesteuer könnte ihrer Ansicht nach zu einer fairen Finanzierung des Islams in Deutschland führen. Im Gespräch mit der Zeitung "Die Welt" beklagt sie, dass deutsche Moscheen wegen fehlenden Geldes auf Imame aus der Türkei zurückgreifen. Die Finanzierung der Gemeinden müsste aber verstärkt selbst organisiert werden.

"Alles, was sie brauchen, kann in Zukunft von den Mitgliedern selbst aufgebracht werden", meint Ates. Zustimmung kommt aus der Politik. "Unser Ziel muss sein, dass sich der Islam in Deutschland von der Einflussnahme ausländischer Staaten emanzipiert," meint Unions-Fraktionsvize Thorsten Frei.

Abgabe begrenzt den Einfluss von außen

Auch SPD-Innenexperte Burkhard Lischka glaubt, dass eine Abgabe ähnlich der Kirchensteuer die Gefahr des Einflusses von außen begrenzen und einer Radikalisierung der Muslime vorbeugen könnte. Innenminister Horst Seehofer hatte Ende November bei der letzten Islamkonferenz Ähnliches gefordert und von einem deutschen Islam gesprochen, den es zu fördern gelte.

Seehofer: "Einen Islam – wie wir es formuliert haben im Innenministerium – in, aus und für Deutschland, einen Islam der deutschen Muslime."

Diese Ansage des CSU-Vorsitzenden dürfte durch die Idee einer Moscheesteuer weiter beflügelt werden.

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