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Tonart | Beitrag vom 22.05.2019

Morrissey wird 60Dandy und Wutbürger

Von Jens-Peter Marquardt

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Morrissey, Ex-Sänger der Band "The Smiths", bei einem Solo-Konzert am 30.11.2018 in Rio de Janeiro. (imago / Fotoarena / Lucas Tavares)
Morrissey bei einem Konzert Ende 2018 in Rio de Janeiro: "Ein ganz gewöhnlicher Mensch." (imago / Fotoarena / Lucas Tavares)

Als Sänger der Band "The Smiths" wurde er zur Musiklegende. Doch mit seltsamen Aussagen über Flüchtlinge irritierte er seine Fans. Heute wird Morrissey 60 Jahre alt.

Von wegen "Wenn Du fünf Minuten übrig hast, erzähle ich Dir mein Leben", wie Morissey in "Half a Person" von 1987 singt – mit fünf Sekunden kommt man nicht aus, um Morrissey zu beschreiben. 

Der Mann sagt manchmal Gescheites, häufig Dummes, fast immer Kontroverses. Für seinen Roman "List of the Lost" bekam er den "Bad Sex Award", den Preis für Schlechten Sex in der Literatur. Für seinen musikalischen Angriff auf Margaret Thatcher wurde er von der Polizei verfolgt.

Morrissey, der heute in Kalifornien lebt, ist in Manchester geboren. Er war der Frontmann der legendären Indie-Band "The Smiths", die von 1982 bis 1987 existierte. Danach verklagte er Schlagzeuger Mike Joyce, weil der ein Viertel der Einnahmen beanspruchte. Den Richter bezeichnete Morrissey als "Grasaffen".

Poesie und das Leben

Morrissey kann wunderbare Musik machen, hat eine wunderbar melancholische Stimme, schreibt manchmal zynische, manchmal poetische Texte. Er sei sehr an Poesie interessiert, sagt er, doch im modernen Leben gebe es kaum noch Poesie.

Wenn er nicht singt, sondern spricht, fühlt sich Morrissey meist missverstanden. "Ich bin ein ganz gewöhnlicher Mensch, der die Sprache ganz gewöhnlicher Menschen spricht."

Morrissey verklagte das Musik-Magazin "NME", weil es Sätze von ihm gedruckt hatte, die ihn als Rassisten da stehen ließen. 2017 behauptete er, "Der Spiegel" habe ihn falsch zitiert. Das Nachrichtenmagazin veröffentlichte daraufhin den Tonband-Mitschnitt. 

Morissey hatte tatsächlich gesagt, dass die offenen Grenzen Deutschland zur Vergewaltigungshauptstadt gemacht hätten. Multikulti finde er blöd; Deutschland solle deutsch bleiben; alle europäischen Länder würden ihre Identität wegwerfen, das sei traurig. Ein Missverständnis?

"For Britain" wegen Tierschutz

In der US-Fernsehshow von Jimmy Fallon trat Morrissey jetzt auf, um sein neues Album "California Son" vorzustellen. Er trug dabei einen Anstecker der anti-islamischen Partei "For Britain". Wieder ein Missverständnis, erklärte der Veganer Morrissey: Er trete nur deshalb für diese rechtsextreme Partei ein, weil sie als einzige in Großbritannien für den Tierschutz kämpfe.

Einmal allerdings hat der Rechthaber Morrissey einen Fehler eingeräumt. In seiner Autobiografie. Er habe "There Is A Light That Never Goes Out" ursprünglich nicht gut genug gefunden, um es zu veröffentlichen. Gitarrist Johnny Marr habe sich aber durchgesetzt – das Stück wurde einer der wichtigsten Songs der "Smiths".

Manchmal, so Morrissey, sei es doch eine Erleichterung, falsch gelegen zu haben.  

(mfu)

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