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Lesart / Archiv | Beitrag vom 06.03.2020

Moritz von Uslar über sein zweites "Deutschboden"-Buch"Der Umgang ist härter geworden"

Moritz von Uslar im Gespräch mit Joachim Scholl

Porträt von Moritz von Uslar. (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)
Der Journalist Moritz von Uslar schreibt nicht nur Bücher: Er hat auch für das "SZ-Magazin", den "Spiegel" und die "Zeit" gearbeitet. (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)

Vor zehn Jahren hat der Autor Moritz von Uslar eine Kleinstadt in Brandenburg besucht und darüber das Buch "Deutschboden" geschrieben. Jetzt ist er noch einmal hingefahren und hat festgestellt: Der Ton ist politischer geworden.

Als Moritz von Uslar im Jahr 2010 sein Buch "Deutschboden: Eine teilnehmende Beobachtung" herausbrachte, machte es die Kleinstadt Zehdenick im Landkreis Oberhavel in der brandenburgischen Provinz berühmt. Vier Jahre später erschien sogar ein Dokumentarfilm darüber. Nun ist von Uslar erneut hingefahren und hat beobachtet, wie sich die Stadt verändert hat: In "Nochmal Deutschboden" hat er seine Erlebnisse zusammengefasst.

"Zehdenick hat sich auf der Oberfläche sehr gut entwickelt", sagt der Autor. "Es gibt weniger Arbeitslose. Die Stadt sieht nach wie vor sehr hübsch aus. Aber natürlich ist es ein komplett anderes Deutschland als vor zehn Jahren." Durch die AfD habe sich das politische Klima verschärft.

"Die reden anders miteinander, die haben einen anderen Umgangston. Der Umgang ist härter und auch politischer geworden." Trotzdem betont von Uslar, dass Ost nicht gleich rechts sei. "Ja, es gibt einen rechten Sound, der kommt auch in dem Buch dauernd vor. Und gleichzeitig ist es so, dass dieser Oststolz, dieser neue Patriotismus gar nicht unbedingt rechts sein muss." Zwar gebe es antidemokratische Tendenzen, aber die neue Identität empfinde er als etwas Positives.

Das sinnloseste Interview mit der AfD

Moritz von Uslar sagt, er habe für "Nochmal Deutschboden" eine andere Sprache finden wollen, sanfter und klüger. Auf jeden Fall ist das Buch politischer geworden. Selbst Protagonisten des Buches hätten ihn dazu animiert. Dafür hat er auch mit Vertretern der AfD vor Ort gesprochen. Allerdings nennt er es "das sinnloseste Interview, das ein Reporter je geführt hat". Von Uslar selbst habe das Gespräch verweigert. Bedrückend habe er das empfunden, die Politiker hätten ihm fast schon leidgetan.

Der Autor hat während der Recherche auch Gewalt am eigenen Leib erlebt. Am "Herrentag" (Christi Himmelfahrt), erzählt er, sei einer auf ihn zugekommen, habe gefragt "Bist du schwul?" und ihm ins Gesicht geschlagen. Schlimm sei es zwar nicht gewesen, aber danach sei die Sicherheit weg gewesen.

(leg)

Moritz von Uslar: "Nochmal Deutschboden: Meine Rückkehr in die brandenburgische Provinz" 
Kiepenheuer & Witsch 2020
336 Seiten, 22 Euro

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