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Konzert / Archiv | Beitrag vom 02.07.2019

Morgenland Festival OsnabrückNeue Kammermusik aus Syrien

Moderation: Volker Michael

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Der Cellist Narek Hakhnazaryan, die Pianistin Elisaveta Blumina, der Fagottist Mathias Baier und der Klarinettist Tibor Reman bei einer Probe beim Morgenland Festival in der Aula der Universität Osnabrück am 19.9.19 (Andy Spyra/Morgenland Festival Osnabrück)
Narek Hakhnazaryan, Elisaveta Blumina, Mathias Baier und Tibor Reman beim Morgenland Festival in der Aula der Universität Osnabrück (Andy Spyra/Morgenland Festival Osnabrück)

Die Begegnung mit syrischen Kammermusik-Klängen war bei diesem Konzert des Morgenland Festivals besonders intensiv und emotional. Die Pianistin Elisaveta Blumina, der Cellist Narek Hakhnazaryan und drei Bläser der Staatskapelle Berlin spielten sie.

Auch das gehört zum Programm des Morgenland Festivals Osnabrück - die avancierte Kammermusik auf klassischen Instrumenten. Komponisten aus dem nahöstlichen Raum haben zu einem neuen Repertoire auf diesem Gebiet viel beizutragen. Im aktuellen Jahrgang konnten Festivalleiter Michael Dreyer und sein Team sogar zwei Kompositionsaufträge vergeben.

Hochkarätige Interpreten

Die beiden syrischen Komponisten Zaid Jabri und Issam Rafea haben jeweils ein Stück geschrieben für die Pianistin Elisaveta Blumina und ihr Bläsertrio der Berliner Staatskapelle. Dazu gesellt sich in einigen Werken des Abends der armenische Star-Cellist Narek Hakhnazaryan, Gewinner des Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerbs und des Chatschaturjan-Wettbewerbs seiner Heimatstadt Jerewan.

Gregor Witt, Zaid Jabri, Elisaveta Blumina, Mathias Baier und Tibor Reman bei einer Probe in der Aula der Universität Osnabrück beim Morgenland Festival (Volker Michael)Gregor Witt, Zaid Jabri, Elisaveta Blumina, Mathias Baier und Tibor Reman bei einer Probe in der Aula der Universität Osnabrück beim Morgenland Festival (Volker Michael)

Seinem kürzlich verstorbenen Vater, dem Filmregisseur Ghassan Jabri, hat Zaid Jabri seine drei Szenen für Kammerensemble gewidmet. Jabri gehört zu den wichtigsten Stimmen der syrischen Avantgarde. Mit einem seiner Werke begann vor 15 Jahren das Morgenland Festival.

Nun also diese drei filigranen und gefühlvollen Momentaufnahmen - die dritte hat der Komponist "Bagatelle" genannt, ein humorvolles Werk. Sein Vater habe seine Söhne bis zum Schluss aufheitern wollen, erinnert sich Zaid Jabri an die letzten Stunden in einem Krankenhaus in Damaskus im vergangenen Februar.

Erinnerungen und Heimweh

Nicht weniger mit Erinnerungen und eher düsteren Emotionen beschäftigt sich Issam Rafea in seinem Ensemblestück "Photo Emulsion" - acht kurze Skizzen aus dem Fotoalbum eines Künstlers sind entstanden. Der Komponist, der als Ud-Spieler auch Mitglied des Trios Hewar ist (mit Dima Orsho und Kinan Azmeh) fühlt sich von seinen Wurzeln bisweilen abgeschnitten.

Mit Heimweh nach Damaskus versucht auch Maias Alyamani klar zu kommen. Für das Kammerensemble dieses Konzertabends hat er sein Werk "Sea Waves" umgeschrieben, das ursprünglich als kleines Konzert für Violine und Orchester entstanden ist. Bereits 2009 war das, vor dem Beginn des Krieges in Syrien, als er zum Studium nach Wien ging und nicht ahnen konnte, dass sein Heimweh bald darauf eine endgültige Gefühlsqualität bekommen würde.

Zaun, Dach und entferntes Meer

Der syrische Klarinettist und Komponist Kinan Azmeh hat zwei Werke zu diesem Programm beigesteuert - das Oboen-Solo-Prelude, das Gregor Witt ursprünglich im Berliner Pierre-Boulez-Saal aus der Taufe gehoben hat. Und das überaus schöne und fantasievolle Duett für Klarinette und Violoncello mit dem komplizierten Titel "The Fence, the Rooftop and the distant sea" (Der Zaun, das Dach und das entfernte Meer).

Kinan Azmeh hat es vor gut zwei Jahren in Beirut komponiert - für Yo Yo Ma und sich selbst. Von Beirut nach Damaskus ist es eigentlich ein Katzensprung, für viele Menschen ist dieser Weg dennoch unpassierbar, weil daheim die Ungewissheit lauert, wie das neu erstarkte Assad-Regime mit den Exilkünstlern umgeht.

Die schönste Sonate

Aus Beirut im Libanon stammt Bechara El-Khoury. Seit Ende der 1970er Jahre lebt der Komponist in Paris. Elisaveta Blumina hält die Klaviersonate des Libanesen für ein Meisterwerk und für eines der schönsten Stücke, das sie je gespielt hat. Ihr Publikum stimmt ihr jedes Mal voll und ganz zu, auch jetzt wieder beim Morgenland Festival Osnabrück.

Morgenland Festival Osnabrück
Schloss Osnabrück, Aula der Universität
Aufzeichnung vom 19. Juni 2019

Kinan Azmeh
"Prelude for solo oboe"

Zaid Jabri
"Three Scenes" für Oboe, Klarinette, Fagott und Klavier (mit Kick-Drum) (Uraufführung)

Bechara El-Khoury
Sonate für Klavier solo

Maias Alyamani
"Sea waves" für Oboe, Klarinette, Fagott, Violoncello und Klavier

Kinan Azmeh
"The Fence, the Rooftop and the Distant Sea" für Klarinette und Violoncello

Issam Rafea
"Photo Emulsion" für Oboe, Klarinette, Fagott, Violoncello, Klavier und Gesang (Uraufführung)

Dima Orsho, Gesang
Gregor Witt, Oboe
Tibor Reman, Klarinette
Mathias Baier, Fagott
Narek Hakhnazaryan, Violoncello
Elisaveta Blumina, Klavier

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