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Konzert / Archiv | Beitrag vom 24.06.2020

Morgenland Festival OsnabrückBalkan ohne Blech

Moderation: Volker Michael

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Merima Ključo und Jelena Milušić (Marko Ercegović/Morgenland Festival Osnabrück)
Geben der Vielfalt des Balkans Stimme und Gesicht: Die Sängerin Jelena Milušić und die Akkordeonistin Merima Ključo (Marko Ercegović/Morgenland Festival Osnabrück)

Den reichen musikalischen Kosmos des Balkans zeigt das Morgenland Festival Osnabrück. Die Konzerte finden nur im Internet statt. Dabei geben die Künstlerinnen und Künstler ihr Bestes für diesen Streifzug durch Unbekanntes und Rätselhaftes.

Das Morgenland Festival Osnabrück widmet sich in seiner Corona-bedingten Online-Ausgabe wie geplant dem Thema "Balkans Beyond Brass", also der Musik Südosteuropas, die weniger das Klischee der knallig-schrillen Blechbläser-Fröhlichkeit bedient, sondern die Vielfalt der musikalischen Stile und kulturellen Hintergründe der Länder des Balkans zeigt.

So vielfältig wie sonst nirgendwo

Der "Balkan" ist letztlich eine fiktive, fantasiegetriebene Region, doch gerade die Musikkulturen der Länder dort haben sich immer gegenseitig beeinflusst und bereichert - das zeichne sie vor allen anderen Regionen Europas aus, meint Ko-Kuratorin Maja Vasiljevic, eine serbisch-spanische Musikjournalistin.

Gyula Csik, Cimbalum (Sake Elzinga/Morgenland Festival Osnabrück)Gyula Csik, Cimbalum (Sake Elzinga/Morgenland Festival Osnabrück)

Starker Bezugspunkt ist bei vielen Künstlerinnen und Künstlern das Balkan-Projekt von Jordi Savall. Vor neun Jahren hatte sich der Alte-Musik-Spezialist aus Barcelona auf die Suche begeben nach den Spuren der authentischen Musikstile Südosteuropas.

Alte Gesangsformen und ethnische Musikinstrumente spielten dabei eine große Rolle - viele der jetzt beim Morgenland Festival beteiligten Vokalistinnen und Musiker haben damals Savalls Vorhaben wichtige Impulse verliehen.

So der ungarische Cimbalum-Spieler Gyula Csík und der bulgarische Kaval-Spieler Neydalko Neydalkov, beide sind hochangesehene Meister auf ihren Instrumenten und begeistern mit ihrer Virtuosität, die gelinde gesagt atemberaubend ist.

Amira Medunjanin (Jasmin Fazlagic/Morgenland Festival Osnabrück)Amira Medunjanin (Jasmin Fazlagic/Morgenland Festival Osnabrück)

Die Länder Südosteuropas sind ebenfalls berühmt für ihre Gesangstradition. Durch die große ethnische Vielfalt und die bedrückenden politischen und sozialen Verhältnisse gehört Gesang ganz natürlich zur kulturellen Bildung, und das jeweils in der Sprache der eigenen Kultur.

Weibliche Power

Gleich mehrere starke Frauen-Stimmen sind im Programm des Morgenland Festivals vertreten. Amira Medunjanin aus Sarajewo singt traditionelle Lieder in einem puren, ergreifenden Stil - Jelena Milušić dagegen - ebenfalls Bosnierin - vollführt mit ihrer Akkordeon-Partnerin Merima Ključo frappierende Streifzüge durch Theater- und Gefühlslandschaften, die einen ganz weiten Horizont aufzeigen und dennoch tief in den Landschaften des Balkans verwurzelt sind.

Pur und ergreifend

Ebenso stark ist der Ensemble- und Chorgesang auf dem Balkan, nicht zuletzt wegen der überwiegend orthodox geprägten christlichen Konfessionen, die von Serbien über Rumänien und Bulgarien bis Griechenland die Mehrheit bilden.

Anders als in der Westkirche ist in der orthodoxen Liturgie allein menschlicher Gesang erlaubt - Orgeln und andere Instrumente blieben vom Gottesdienst ausgeschlossen. Diese typische Art der Mehrstimmigkeit, die in westlichen Ohren "archaisch" wirken mag, prägt bis heute auch die Vokalmusik außerhalb der Kirche.

Bojana Nikolić & Serbian Voices (Dragan Nikić/Morgenland Festival Osnabrück)Bojana Nikolić & Serbian Voices (Dragan Nikić/Morgenland Festival Osnabrück)

Davon zeugen im Festivalprogramm zwei Formationen, die sowohl einen spirituellen wie auch einen sehr lebendig ethnischen Charakter haben und die sich jeweils um eine starke Frauen-Stimme gruppieren - was im Fall der Kirchenmusik außergewöhnlich ist: Divna Ljubojević & Melódi aus Belgrad und Bojana Nikolić & Serbian Voices ebenfalls aus Serbien.

Alle Kulturen in einer Stadt

Seit vielen Jahren im Geschäft ist die Sängerin und Schauspielerin Savina Yannatou aus Thessaloniki in Griechenland. Die uralte Hafenstadt barg einstmals alle Kulturen des Mittelmeers und des Balkans in ihren Mauern. Einen kleinen Ausschnitt aus ihrem bewährten Musikprogramm hat die Vokalistin mit ihrer Formation für das Morgenland Festival neu aufgenommen.

Festivalleiter Michael Dreyer und Co-Kuratorin Maja Vasiljevic geben im Gespräch mit Volker Michael Auskunft über die verschiedenen Musikformationen, die im Festivalprogramm auftauchen, über ihre Stile und Besonderheiten und über die kulturellen Hintergründe.

Morgenland Festival Osnabrück 2020
Ausschnitte aus der Online-Ausgabe mit Aufnahmen aus Belgrad, Budapest, Sarajewo, Thrakien und Thessaloniki

Jelena Milušić, Gesang
Merima Ključo, Akkordeon

Gyula Csík, Cimbalum

Amira Medunjanin, Gesang

Nedyalko Nedyalkov, Kaval
Tima Nedyalkova, Gesang

Divna Ljubojević & Melódi:
Divna Ljubojević, Sopran, Leitung
Tatjana Gostiljac, Alt
Zoran Tešić, Bass
Viktor Ljujić, Bariton
Nikola Aleksandrov, Bariton
Srdjan Babić, Bariton

Bojana Nikolić & Serbian Voices:
Bojana Nikolić, Jovana Zukanović, Katarina Gojković, Nemanja Guzijan, Gesang
Milan Vašalić, Gajda (Sackpfeife), Diple (Doppelflöte), Tambura, Kaval
Aleksandar Radulović, Perkussion

Savina Yannatou, Gesang
Kostas Vomvolos, Kanun, Akkordeon
Yannis Alexandris, Ud, Gitarre
Kyriakos Gouventas, Violine
Harris Lambrakis, Nay
Michalis Siganidis, Kontrabass
Kostas Theodorou, Perkussion

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