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Fazit | Beitrag vom 20.06.2019

Morddrohungen an PolitikerDie Macht der Hasskampagnen erkennen

Andreas Zick im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Andreas Zick blickt konzentriert aber freundlich vor einem hellblauen Hintergrund sitzend in Richtung des Betrachters. (Reiner Zensen / imago-images)
Der Sozialpsychologe und Konfliktforscher Andreas Zick fordert, dass gewaltorientierte und radikalisierte Ideologien deutlicher als solche bezeichnet werden müssen. (Reiner Zensen / imago-images)

Nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke kamen aus derselben rechtsextremen Ecke nun Morddrohungen gegen weitere Politiker. Der Sozialpsychologe Andreas Zick meint, dass man Hasskampagnen kaum unterschätzen kann.

Die publik gewordenen Morddrohungen gegen die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Andreas Hollstein, den Bürgermeister von Altena, sollen den Freiheitsspielraum des demokratischen Politikbetriebs einengen, sagt der Sozialpsychologe und Konfliktforscher Andreas Zick. Vor allem aber sollen sie Unruhe schaffen. "Wir haben schon früher solche Kampagnen nach einer Mordtat gehabt. Im Netz gibt es hochradikalisierte und gewaltbereite Gruppen." 

Hasskampagnen können Täter rekrutieren

Man wisse aus der Forschung, dass Hasskampagnen, selbst wenn es nicht zur Gewalt komme, psychische Schäden anrichten könnten. "Das passiert, wenn die Betroffenen nicht über genug innere Ressourcen und Widerstandsfähigkeit verfügen." Man dürfe jetzt aber nicht darauf verfallen, von den Behörden und Institutionen mehr Repressionen zu verlangen und die Sicherheit hochzufahren. Denn das würde nicht ausreichen. "Wir müssen deutlich sagen, was Hasskampagnen und -botschaften anrichten. Mit ihnen kann man Menschen rekrutieren und mobilisieren. Einzelne, psychische anfällige, Menschen werden dann zur Tat motiviert."

Den Rechten nicht erlauben, Räume zu besetzen

Veranstaltungen wie die "Ausgehetzt"-Demo in München oder das "Wir sind mehr"-Konzert in Chemnitz, setzten die richtigen Zeichen, so Zick. "Den Rechtsextremen geht es nämlich darum, Räume zu besetzen. Wir müssen uns klar machen, was demokratische Räume sind. Wir müssen sie wieder definieren, indem wir zum Beispiel bei Veranstaltungen ankündigen, welche Spielregeln gelten. Und wir müssen im Netz Menschen ansprechen, die Hassbotschaften hineinsenden und ihnen klarmachen, wieviel Schaden Hass anrichten kann. Außerdem müssen wir gewaltorientierte und radikalisierte Ideologien deutlicher als solche bezeichnen. Da gibt es hochradikalisierte Menschen, die mit diesem System nichts mehr am Hut haben."

(rja)

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