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Lesart / Archiv | Beitrag vom 31.07.2017

"Mops des Monats"Die kuriosesten Buchtitel im Juli

Hans von Trotha im Gespräch mit Andrea Gerk

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Ratgeber-Literatur, die Darm-Fragen auf die generelle Bewältigung des Alltags überträgt (picture alliance / dpa / Udo Bernhart / Goldmann Verlag)
Ratgeber-Literatur, die Darm-Fragen auf die generelle Bewältigung des Alltags überträgt (picture alliance / dpa / Udo Bernhart / Goldmann Verlag)

In unserer Sendung "Lesart" sammeln wir die komischsten, schrägsten, absurdesten, aber auch die besonders originellen neuen Buchtitel - und küren den "Mops des Monats". Die Auszeichnung im Juli geht an einen Titel, der Verdauung mit Lebenshilfe kreuzt.

Eines der Grundprobleme der Philosophie ist das sogenannte Leib-Seele-Problem – die Frage, wie der Leib auf die Seele wirkt und wie die Seele auf den Leib. Glaubt man den Buchhandlungstischen, haben die Verlage unter der Rubrik "Populäres Sachbuch" dieses von der Philosophie tendenziell für unlösbar gehaltene Problem längst im Griff.

Das beweisen Titel wie ...

Der Körper sagt dir, wer du werden kannst (Herder)

Der Seele einen Garten schenken (Goldmann)

(Warum nicht erstmal dem Garten eine Seele? Egal ...)

Aufgetankt statt ausgebrannt (Herder)

Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Scorpio)

oder, dasselbe etwas schlichter formuliert:

Quatsch. Weniger grübeln, mehr leben (Goldmann)


Ist doch prima. Wenn das Leib-Seele Problem gelöst ist, müssen wir eigentlich nur noch schauen, dass wir nicht zu viel arbeiten. Die Vorstufe wäre ...

Ich bin alles außer busy (Herder)

... und die Vollendung:

Wie das Leben zum Urlaub wird (Springer)


Bei alledem deutet sich Orientierungslosigkeit an, was ein Titel wie

Deutschland à la Francaise (Rowohlt)

ebenso beweist wie

Bella Germania (S. Fischer)

Kein Wunder, wenn die alten Bindungen und Gewissheiten verloren gegangen sind, siehe:

Volk ohne Wagen (S. Fischer)

Vollends aus mit der Orientierung ist es dann bei ...

Das Universum ist eine Scheißgegend (dtv)

... und erst recht bei:

Auch im Osten der wilde Westen (Karl May Verlag)


Dann gibt es noch einen Titel, der meint, nicht nur das Leib-Seele-Problem und die Urlaubsfrage geklärt zu haben, sondern:

Das Wichtigste von allem (S. Fischer)

Ein Titel ruft uns über sich selbst zu:

Das ist ja irr! (Penguin)

Während ein anderer diese Diagnose gleich in den Herbst verlängert:

Wenn wir irre wählen (Hoffmann und Campe)

Oder ist da etwa gemeint: Wenn wir Irre wählen?


Immer noch keine Entwarnung, sorry, gibt es an der Darm-Titel-Front.

Mein Freund, der Darm (Servus Verlag)

Gut verdaut?! Rezepte, Tipps und Tricks (Ullmann Media)

Wobei jetzt immer öfter auch der Bauch mit auftaucht. Das gibt es in freundlich ...

Was meinem Darm gut tut. 60 Rezepte für ein besseres Bauchgefühl (Kneipp Verlag)

... oder auch in autoritär:

Eat smarter! Ruhe im Bauch (Riva Verlag)

Und wenn man es sich auch noch so vornimmt, keinen Darm-Kack-Scheiß-Titel mehr zum Mops des Monats zu küren – was soll man machen, wenn da einer ist, der sich sozusagen alles traut und dem es scheißegal ist, was Biologie ist, was Metapher, der es einfach hintereinanderklotzt und keine Rücksicht nimmt auf gar nichts?

Der Mops des Monats Juli geht an:

Geh kacken, wenn du musst und scheiß auf den Rest. So einfach kann das Leben sein (Goldmann)

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