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Fazit | Beitrag vom 20.10.2020

Monika Maron über Trennung vom S. Fischer Verlag"Meine Haltung ist demokratisch, liberal und freiheitlich"

Monika Maron im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Portrait der Schriftstellerin Monika Maron vor pinker Wand, sie schaut nach rechts aus dem Bild (imago images / Gerhard Leber)
Wer ihr das Etikett rechts anklebe, müsse ihr das beweisen, sagt Monika Maron. Ihre Texte überschritten nie das Maß einer normalen Argumentation. (imago images / Gerhard Leber)

Die Schriftstellerin Monika Maron bedauert, dass der S. Fischer Verlag künftig nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten will. Dem Vorwurf, sie bewege sich durch ihre Zusammenarbeit mit dem Buchhaus Loschwitz im rechten Spektrum, widerspricht sie energisch.

Weil die Schriftstellerin Monika Maron einen Essayband in der Edition Buchhaus Loschwitz der Buchhändlerin Susanne Dagen veröffentlicht hat, will S. Fischer die Zusammenarbeit mit ihr ab dem Frühjahr 2021 beenden. Denn Dagen gilt in Dresden als Aktivistin im rechten Spektrum.

"Es ist für mich akzeptabel, dass der Verlag sich daran stört. Für mich ist die Konsequenz nicht akzeptabel, weil ich das ganz unangemessen finde", sagt Monika Maron.

Seit mehr als 20 Jahren sei sie mit Susanne Dagen befreundet: "Sie hat meine Bücher vorgestellt oder ich habe meine Bücher dort vorgestellt. Und als mich Susanne Dagen gefragt hat, ob ich bei ihr ein Bändchen mache – das war kurz nachdem der Fischer-Verlag abgelehnt hatte, einen Essayband mit mir zu machen zu meinem 80. Geburtstag –, habe ich keinen Grund gesehen, das abzulehnen."

Keine öffentliche Distanzierung von Dagen

Dagen sei für sie auch nicht "neu-rechts", sondern eine Person mit entschiedenen und "manchmal auch übers Ziel hinausschießenden Aktionen", so Maron. Sicherlich könne sie einen politischen Streit mit Dagen führen, aber sie wolle sich nicht öffentlich von ihr distanzieren: "Ich glaube, das war die Erwartung von S. Fischer."

Dass ihr Essayband nun auch von Götz Kubitschek über den Antaios Verlag vertrieben wird, habe sie nicht gewusst. "Um den Vertrieb habe ich mich einfach nicht gekümmert. Das habe ich erst hinterher gesehen. Wobei ich sagen muss: Antaios vertreibt auch alle meine Fischer-Verlag-Bücher." Das passe dem Fischer Verlag zwar nicht und er beliefere Antaios auch nicht. Antaios würde die Bücher aber einfach beim Grossisten bestellen.

Ende der Zusammenarbeit kam nicht überraschend

Das Ende der Zusammenarbeit habe sich angekündigt, denn das Engagement von Fischer bei der Veröffentlichung ihrer letzten Bücher sei "kraftlos" gewesen, kritisiert die Autorin. Trotzdem sei sie dem Verlag treu geblieben: "Man wechselt ja nicht einfach einen Verlag, bei dem man seit Jahrzehnten ist. Und ich hänge auch an dem Verlag. Und außerdem: Ich werde 80 Jahre alt, die haben meine ganze Backlist. Da geht man doch nicht einfach weg. Man bleibt doch auch bei seinen Büchern."

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Ihre Haltung sei "demokratisch, liberal und freiheitlich", betont Maron. Sie sehe sich in keiner Weise dem rechten Spektrum zugehörig. "Außer man hält inzwischen alles für rechts, was nicht links ist – und jede kritische Nachfrage zu irgendwas gilt dann plötzlich als rechts." Wer ihr das Etikett rechts anklebe, müsse ihr das beweisen: "Da möchte ich Textstellen sehen, die unmöglich sind, die das Maß, was eine normale Argumentation und Diskussion betrifft, überschreiten."

Wie ein Verleger auf den "Fall Maron" blickt, hören Sie in unserer Sendung "Lesart" im Interview mit Michael Krüger, der viele Jahre den C. Hanser Verlag leitete:

Der Kritik, dass sie islamfeindlich sei, widerspricht sie ebenfalls entschieden: "Ich bin islamkritisch überall da, wo der Islam politisch und weltlich wird, wo er weltliche Ansprüche stellt, wo er Frauen unterdrückt. Das ist doch nicht rechts. Das wäre links. Das sind Verfassungsbedingungen."

Ihre jetzige Situation sei ähnlich wie vor 40 Jahren, als ihr Buch "Flugasche" über die Umweltverschmutzung in der DDR dort nicht gedruckt wurde, meint Maron. "Wobei der Unterschied ist, dass damals mein Verlag zu mir gehalten hat. Das Buch ist gescheitert an der Zensurbehörde im Kulturministerium und nicht im Verlag. Insofern kann ich gar nicht anders denken als: Das habe ich vor 40 Jahren schon mal erlebt."

(mle)

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