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Kulturnachrichten

Freitag, 18. Juni 2021

Mona-Lisa-Kopie für fast drei Millionen Euro versteigert

Eine Kopie der Mona Lisa ist in Paris für fast drei Millionen Euro versteigert worden. Das Bild erzielte am Freitag bei Christie's in Paris 2,9 Millionen Euro inklusive Gebühren und damit rund das Zehnfache des Schätzpreises, wie das Auktionshaus mitteilte. Die Kopie des Meisterwerks von Leonardo da Vinci stammt vom Beginn des 17. Jahrhunderts, der Maler ist nicht bekannt. Das Gemälde ging laut Christie's an einen ausländischen Bieter. Das Bild stammt aus dem Nachlass des 1977 verstorbenen Antiquars und Kunstliebhabers Raymond Hekking. Er war zeitlebens überzeugt, bei der Mona Lisa im Pariser Louvre handele es sich in Wahrheit nur um eine Kopie und er sei im Besitz des Originals.

Deutscher Dokumentarfilmpreis für "Ich bin Greta"

Der schwedische Filmregisseur Nathan Grossman hat für "Ich bin Greta" den diesjährigen Deutschen Dokumentarfilmpreis erhalten. Wie der Südwestrundfunk am Freitag mitteilte, erhielt Grossman den mit 20 000 Euro dotierten Hauptpreis, der vom SWR und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg gestiftet wurde. Der Regisseur hatte von Beginn an die Umweltaktivistin Greta Thunberg aus unmittelbarer Nähe begleitet, ohne zu wissen, wie bekannt sie einmal werden würde. Der Film, der mit dem Schulstreik der damals 15-Jährigen vor dem schwedischen Parlament beginnt, ist laut Jury ein Film, der "auf vielerlei Weise zutiefst berührt". Obwohl Grossman sich stark auf die Person Greta Thunberg fokussiere, zeige er auf, dass es um etwas sehr Großes gehe: "Nämlich um nicht weniger als um die Zukunft der Menschheit." Die Preisverleihung war wegen Corona online. Insgesamt gab es Gewinner in fünf Kategorien.

Drei Führungskräfte von Apple Daily wieder frei

In Hongkong sind drei festgenommene Führungskräfte der oppositionsnahen Zeitung „Apple Daily“ wieder auf freiem Fuß. Wie die Zeitung mitteilte, wurden sie gegen Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Die genauen Bedingungen sind nicht bekannt. Der Verlagschef und der Chefredakteur bleiben in Haft. Ihnen wird eine geheime Zusammenarbeit mit dem Ausland vorgeworfen. Nach den Worten des jetzt freigelassenen stellvertretenden Chefredakteurs soll Anklage erhoben werden. Grundlage der Ermittlungen ist das sogenannte Sicherheitsgesetz, das als Reaktion auf die China-kritischen Massenproteste erlassen worden war. Gestern hatten hunderte Polizisten den Hauptsitz von Apple Daily durchsucht.

Der Synchronsprecher Michael Deffert ist tot

Der Schauspieler und Synchronsprecher Michael Deffert ist tot. Er war in Deutschland vor allem als Synchronstimme der US-Stars Johnny Depp und Brad Pitt bekannt. Außerdem spielte er mehrfach Episoden-Hauptrollen in Serien wie "Helicops" oder "SK Babies". Der gebürtige Hamburger starb nach Angaben von Kollegen am 13. Juni in einer Berliner Klinik, zur Todesursache wurden keine Angaben gemacht. Deffert wurde 53 Jahre alt.

Autoren fürchten um Zukunft des Hörspiels

In einem Offenen Brief an die ARD-Anstalten warnen zahlreiche prominente Autoren und Autorinnen vor weiteren Einsparungen bei der Hörspiel-Produktion. Die neuen, zwischen dem Verband der Bühnenverleger und ARD und Deutschlandfunk ausgehandelten Vergütungsregeln für Hörspielautoren seien weder zeitgemäß noch sozial gerecht. Die Sparbemühungen der Sender würden auf den Rücken der Künstler ausgetragen, so die Unterzeichner, darunter Elfriede Jelinek, Durs Grünbein und John von Düffel. Die Veränderung von Übernahme- sowie Wiederholungssätzen zu Gunsten der Sender und "wirklichkeitsfern niedrige Online-Zuschläge" würde die schöpferische Arbeit von Schreibenden ausbeuten. Dies sei nicht hinnehmbar, heißt es. Über Jahrzehnte hinweg sei das Hörspiel für viele Schriftsteller ein finanzielles Standbein gewesen. Die neuen Bedingungen machten das Schreiben für den Rundfunk eine zunehmend prekäre Tätigkeit.

Umfrage: Mehrheit ist gegen den Zölibat

Die meisten Menschen in Deutschland sind einer Umfrage zufolge gegen das Enthaltsamkeitsgebot für katholische Priester. 76 Prozent antworteten auf die Frage, ob der Zölibat abgeschafft werden sollte, mit "Ja, auf jeden Fall", wie der Bonner General-Anzeiger als Auftraggeber der Untersuchung mitteilte. Rund 8 Prozent stimmten mit "Eher ja" zu, 2 Prozent widersprachen mit "Eher nein" oder "Nein, auf gar keinen Fall" (3,8 Prozent). Der Rest war unentschieden. Die repräsentative Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Civey erstellt. Dafür befragte es vom 19. März bis 7. Juni 3.047 Teilnehmende. Civey fragte zudem in einer weiteren Untersuchung nach den Einstellungen zur Kirche. Demnach sehen 59,4 Prozent die Kirche negativ. Im Mai 2017 lag dieser Anteil bei 45,1 Prozent. Positiv eingestellt waren aktuell 24,7 Prozent; zuvor seien es noch 37,4 Prozent gewesen.

Kulturstiftung fördert Migrationsmuseum in Köln

Die Kulturstiftung des Bundes fördert den Aufbau des geplanten Migrationsmuseums in Köln mit 800 000 Euro. Das hat der Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes unter Vorsitz von Kulturstaatsministerin Monika Grütters beschlossen, wie die Stiftung in Halle/Saale mitteilte. Das "Haus der Einwanderungsgesellschaft" des Vereins DOMiD - "Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland" - soll 2025 in der Domstadt eröffnet werden. Um die Vielfalt der gesellschaftlichen Stimmen und der Lebensgeschichten von Migrantinnen und Migranten in das Museum aufzunehmen, sollen Bürgerinnen und Bürger bereits in die Konzeption miteinbezogen werden. Dies soll während einer experimentellen Entwicklungsphase erprobt werden.

In Berliner Clubs kann man wieder tanzen

Die Berliner Clubs kommen nach der langen Corona-Zwangspause wieder auf Touren, denn seit heute darf draußen getanzt werden. Erlaubt sind bis zu 250 Besucherinnen und Besucher. Alle müssen einen negativen Corona-Test vorweisen können. Die Stimmung sei optimistisch, sagte Lutz Leichsenring von der Clubcommission, der Dachorganisation der Szene. Mit Blick auf den Herbst seien auch Pilotveranstaltungen für den Innenbereich mit wissenschaftlicher Begleitung angedacht. Der Berliner Senat hatte am Dienstag deutlich höhere Obergrenzen für Veranstaltungen beschlossen.

Hunderte Ausgrabungsfunde beschlagnahmt

Ermittler haben Hunderte Kulturschätze einer heimlichen Ausgrabung von einem Kunstsammler in Belgien zurück nach Italien geholt. Es handele sich um rund 780 Gegenstände mit einen geschätzten Marktwert von elf Millionen Euro, wie die Carabinieri heute mitteilten. Die Aktion sei von der Staatsanwaltschaft im süditalienischen Foggia koordiniert und gemeinsam mit der EU-Behörde für justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen durchgeführt worden. Die Sammlung des Belgiers stammt den Angaben zufolge von einer illegalen Ausgrabung in der Adria-Region Apulien. Die Funde seien europaweit ausgestellt worden - etwa in Genf und Paris - und seien sehr selten. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben seit 2017 in dem Fall ermittelt und die Sammlung sei zurück nach Italien gebracht worden. Der belgische Kunstsammler wurde wegen Hehlerei und illegaler Ausfuhr angezeigt. Am Montag sollen weitere Informationen bekanntgeben werden.

Biopic über Soulsänger Marvin Gaye geplant

Nach jahrelanger Planung sollen im kommenden Jahr die Dreharbeiten zu einem Film über das Leben des Soulsängers Marvin Gaye beginnen. Das Studio Warner Bros. wird zusammen mit dem US-Rapper Dr. Dre ein Biopic über den legendären Soulsänger produzieren. Das berichteten die Filmportale "Variety" und "Deadline.com". Die Nachlassverwaltung des Sängers habe zugestimmt, dass seine Songs in dem Biopic verwendet werden dürfen. Zuvor waren unter anderem Filmemacher wie Cameron Crowe und Sänger Lenny Kravitz am Widerstand der Familie gescheitert. Der aus Washington stammende Sänger Gaye war als "Prince of Soul" bekannt, unter anderem mit den Hits "I Heard it Through the Grapevine" und "Ain't No Mountain High Enough". Mit dem Song "Sexual Healing" gewann er zwei Grammys. Gaye kämpfte lange mit Drogen- und Alkoholproblemen. 1984 wurde der Sänger im Alter von 44 Jahren von seinem Vater im Streit erschossen.

Augsburger Fuggerei mit neuem Museum

In Augsburg beginnen heute die 500-Jahr-Feierlichkeiten der Fuggerei, die als älteste Sozialsiedlung der Welt gilt. Anlässlich des Jubiläums bekommt die Fuggerei ein neues Museum. Es befasst sich mit der Geschichte des Wohnens.
Der Augsburger Kaufmann Jakob Fugger gründete im Jahr 1521 die Stiftung für die Siedlung. Bis heute leben etwa 150 Menschen in den Häusern der Fuggerei, die Jahreskaltmiete beträgt nur symbolische 88 Cent.

US-Münzen mit Porträts bekannter Frauen geplant

In den USA soll mehreren prominenten Frauen eine Quarter-Münze gewidmet werden. Für ein neues Programm der US-Münzanstalt wurden fünf Porträtierte ausgewählt: Die Schriftstellerin Maya Angelou, Wilma Mankiller, das erste weibliche Oberhaupt des Ureinwohnerstamms Cherokee Nation, eine Aktivistin für das Frauenwahlrecht in New Mexico, Adelina Otero-Warren. Außerdem Sally Ride, die als erste Amerikanerin ins Weltall flog und der chinesisch-amerikanische Hollywood-Star Anna May Wong. Das neue Programm feiere die Errungenschaften und Beiträge von Frauen zur Entwicklung und Geschichte der USA, teilte die Münzanstalt mit. Von 2022 bis 2025 sollen bis zu fünf neue Münzentwürfe herausgegeben werden. Ein Quarter ist in den USA 25 Cent wert.

Europäischer Erfinderpreis für deutschen Physiker

Der Dresdner Physik-Professor Karl Leo ist mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichnet worden. Dessen Pionierarbeit habe zur Entwicklung organischer Leuchtdioden (OLEDs) geführt, die heute weltweit in Bildschirmen zu finden seien, teilte das Europäische Patentamt in München mit. Leos OLEDs verbesserten Bildhelligkeit, Farbauflösung und Energieeffizienz. Die Preisträger in vier weiteren Kategorien kommen aus den Bereichen Medizin, Datenspeicherung und Solarzellen. Robert Grass und Wendelin Stark aus Österreich und der Schweiz wurden für ein Langzeit-Datenspeicherungsverfahren ausgezeichnet. Die indisch-amerikanische Forscherin Sumita Mitra entwickelte mit neuartige Füllungen für die Zahnmedizin. Der Norweger Per Gisle Djupesland erfand ein Gerät, um die Medikamentengabe über die Nase zu verbessern und Henrik Lindström und Giovanni Fili produzieren Solarzellen, die auch in Innenräumen Strom erzeugen.

Erstmals Grimme Online Award für Tiktok-Videos

Beim Grimme Online Award wurde erstmals auch ein Format des Videoportals "Tiktok" ausgezeichnet worden. Moderator Niklas Kolorz, der in einminütigen Videos Wissensthemen verständlich aufbereitet, erhielt gleich zwei Preise: Einen Jury-Preis in der Kategorie "Wissen und Bildung" und den Publikumspreis. Tiktok gehört dem chinesischen Konzern Bytedance und ist vor allem bei jungen Nutzern populär. In der Kategorie "Kultur und Unterhaltung" wurde eine kreative Antwort auf den Corona-Lockdown ausgezeichnet: Der Hamburger Lehrer Björn Lengwenus ging während der Schulschließungen mit der Youtube-Show "Dulsberg Late Night" mit seinen Schülern auf Sendung. Einen Schwerpunkt unter den diesjährigen Grimme Online Gewinnern bilden Angebote, die sich mit rechter Gewalt beschäftigen. Der undotierte Grimme Online Award gilt als wichtigste deutsche Auszeichnung für herausragende Online-Publizistik.

Erster Lesetag beim Bachmann-Wettbewerb

Die ersten fünf der 14 Autoren und Autorinnen, die in diesem Jahr zum Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt eingeladen wurden, haben ihre Texte gelesen. Die Schweizerin Julia Weber hat eine märchenhafte Erzählung über eine engelsgleiche Frau geschrieben, die eine traurige zurück ins Leben reißt. Der Berliner Necati Öziri erzählte mit einem inneren Monolog von einem jungen Mann, der sich das Leben seines schon lange abwesenden Vaters vorstellt. Auch die Leipzigerin Heike Geißler beschäftigte sich in "Die Woche" mit den Mühen des Erwachsenwerdens. Die Österreicherinnen Magda Woitzuck und Katharina Ferner erzählten, wie eine Krankenschwester das Leben ihrer verstorbenen Nachbarin erkundet und wie verwirrend Träume sein können. Am Sonntag wird bekanntgegeben, wer den Bachmann-Wettbewerb in diesem Jahr gewonnen hat.

Sidi Larbi Cherkaoui wird Chef des Genfer Balletts

Der Direktor des Flanders Ballet verlässt seine Geburtsstadt Antwerpen und arbeitet ab kommendem Jahr als Leiter des Genfer Balletts. Der 45 Jahre Sidi Larbi Cherkaoui ist eine der führenden Figuren in der internationalen Tanzszene. Der Choreograf freut sich über die Möglichkeit, sein Leben und seine Karriere, die durch diese Pandemie auf Eis gelegt wurde, wieder in Gang zu bringen. Der Nachfolger von Philippe Cohen, der in den Ruhestand geht, hat in den letzten zwanzig Jahren etwa fünfzig Stücke geschaffen, in denen er gerne Kulturen aus verschiedenen Teilen der Welt auf die Bühne bringt, um Bilder und flirrende Musik zu verweben.

Enid Blytons Ansehen sinkt weiter

Die Denkmalschutz-Organisation English Heritage hat die Kinder- und Jugendbücher von Enid Blyton als "rassistisch" eingestuft. Die Organisation, die über 400 staatliche Denkmäler verwaltet, schreibt auf ihrer Homepage: "Blytons Werk wurde noch zu Lebzeiten und nach ihrem Tod für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und den Mangel an literarischem Verdienst kritisiert." Damit scheint in Großbritannien endgültig der Bruch mit der Autorin vollzogen, die mit "Fünf Freunde" und "Hanni und Nanni" weltweit mehr als 600 Millionen Bücher verkaufte. Der 1968 gestorbenen Blyton war wenige Jahre vor ihrem Tod zum ersten Mal Rassismus vorgeworfen worden. Eine Gedenkmünze zu ihrem fünfzigsten Todestag wurde aus denselben Gründen nicht realisiert.

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