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Kompressor | Beitrag vom 20.11.2017

Mörder und Sektenführer Charles Manson gestorben"Ich bin alles, was schlecht ist"

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Charles Manson steht vor einer weißen Wand, auf der Stirn trägt er ein Hakenkreuz-Tattoo (dpa-picture-alliance/California Department of Corrections)
Charles Manson auf einem Gefängnisfoto (dpa-picture-alliance/California Department of Corrections)

Charles Manson hat andere Menschen manipuliert, durch Drogen gefügig gemacht - und sieben Menschen ermorden lassen. Und doch ist der kürzlich verstorbene Mörder und Sektenführer zu einem Art popkulturellen Phänomen geworden. Wie ist das möglich?

Charles Manson gilt als einer der berüchtigtsten Mörder der US-Geschichte. Er war der Drahtzieher einer Mordserie, bei der unter anderem Sharon Tate, die damals hochschwangere Ehefrau des Regisseurs Roman Polanski, ums Leben kam. Manson hatte im August 1969 in Los Angeles eine Gruppe von Anhängern, die ihn als ihren Anführer betrachteten, zu den Taten angestiftet. Neben Sharon Tate wurden vier weitere Menschen in einer Villa brutal ermordet.

Die von der "Manson Family" ermordete Sharon Tate (l.) und Filmregisseur Roman Polanski. (UPI)Die von der "Manson Family" ermordete Sharon Tate (l.) und Filmregisseur Roman Polanski. (UPI)

Prototyp eines Psychopathen

Manson war selbst nicht am Tatort, das Gericht verurteilte den Drahtzieher des Verbrechens aber trotzdem als Mörder. Er und seine engsten Anhänger sollten die Todesstrafe erhalten, doch der Staat Kalifornien setzte später die Todesstrafe aus und wandelte das Strafmaß in eine lebenslange Haft um. 

Charles Manson galt vielen als das personifizierte Böse und als Prototyp eines Psychopathen und Mörders. "Ich bin alles, was schlecht ist", sagte er selbst in einem Interview mit der spanischen Ausgabe der "Vanity Fair". Polizeifotos zeigten ihn mit starrem Blick und wirren, dunklen Locken. Später ließ er sich ein Hakenkreuz auf die Stirn tätowieren. Die Sektenmitglieder seiner "Manson Family" sagten später, dass sie ihn als "Jesus Christus" verehrten. Den Aufruf zum mehrfachen Mord begründete Charles Manson unter anderem mit seiner Helter-Skelter-Theorie, die er aus einem Song der Beatles ableitete. Demnach stehe den USA ein apokalyptischer Rassenkrieg bevor.

Rezeption in der Popkultur

In der Popkultur waren Manson und seine Taten immer wieder ein Thema: "Allein durch die Beatles-Referenz schreibt sich Manson gewissermaßen als Pop-Figur in eine Tradition ein", sagte Literaturwissenschaftler Niels Penke im Deutschlandfunk Kultur - und das habe Manson "ziemlich erfolgreich" getan.

Es sei ihm gelungen, sich als "eine Art Anti-These zum Anti-Establishment" zu generieren, erklärt Penke den popkulturellen Erfolg des Mörders. In der Zeit der Hippie-Bewegung, die für Frieden und positiv konnotierte Werte stand, sei es Manson gelungen, sich als eine "Anti-These", eine "nihilistische Alternative" zu stilisieren; als eine Figur die sich ebenfalls gegen das Establishment und die Staatspolitik richtete. "Diese Form der terroristischen, mörderischen Rebellion, das ist etwas, das subkulturell auf Anklang gestoßen ist."

Beispiele für popkulturelle Verweise auf den Sektenführer und Mörder gibt es viele: beispielsweise die Band Guns N'Roses, die auf ihrem Album "The Spaghetti Incident?" Mansons Folksong "Look at Your Game, Girl" gecovert hat. Der Schockrocker Marilyn Manson kombinierte in seinem Künstlernamen den Namen des Mörders mit dem von Marylin Monroe. Der Musiker und Horrorfilm-Regisseur Rob Zombie erfand in seinem Film "The Devil's Rejects" die deutlich an Manson angelehnte Figur eines Sektenanführers. Zahlreiche andere Filme, zum Beispiel "The Manson Family" von Jim Van Bebber, setzten sich ebenfalls mit dem Leben und den Taten des Mörders auseinander.

Marilyn Manson beim Rock on the Range Festival in Columbus, Ohio, 2015. (EPA, Steve C.Mitchell)Marilyn Manson leitete seine Namen auch von dem Mehrfachmörder Charles Manson ab. (EPA, Steve C.Mitchell)

Insbesondere im Comedy-Bereich und in Comic-Serien, wie etwa "The Simpsons" und "South Park", tauchte Charles Manson immer wieder als Figur auf. Auch er selbst meldete sich in den Medien zu Wort. Noch 2013 gab er dem "Rolling Stone" ein Interview.

Im Krankenhaus gestorben

Manson saß zuletzt im Staatsgefängnis von Kalifornien in Corcoran ein, die nächste Bewährungsanhörung war für das Jahr 2027 angesetzt. Vor einigen Tagen war er ins Krankenhaus eingeliefert worden, nachdem sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hatte. Am Sonntag ist Manson im Alter von 83 Jahren gestorben.

(mau/lk)

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