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Fazit / Archiv | Beitrag vom 24.01.2011

"Mögen die Stifter in Deutschland hellhörig werden"

Kafkas Briefe an seine Schwester Ottla sollen versteigert werden

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Der Schriftsteller Franz Kafka (AP Archiv)
Der Schriftsteller Franz Kafka (AP Archiv)

Im April sollen die Briefe Franz Kafkas an seine Schwester Ottilie versteigert werden. Das Literaturarchiv in Marbach würde das Konvolut aus aus 45 Briefen, 32 Postkarten und 34 Bildpostkarten zwar gerne erwerben - nur fehlt das Geld.

Ottilie, genannt Ottla, war Franz Kafkas Lieblingsschwester. Die Briefe des Autors an seine Schwester zeigten "einen Kafka, wie wir ihn sonst kaum erleben: verspielt, und manchmal auch ausgesprochen witzig, ein Kafka, der detailgenau beobachtet, und der in wunderbaren Skizzen, in kleinen Szenen uns Alltagssituationen vor Augen führt", sagt Peter André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin und ausgewiesener Kafka-Kenner.

Der Leiter des Marbacher Literaturarchivs, Ulrich Rauff, hatte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gegenüber erklärt, das Konvolut sei dem Literaturarchiv zu einem durchaus vernünftigen Preis angeboten worden, dennoch müsse man "schweren Herzens" auf einen Ankauf verzichten.

Peter André Alt betont die zahlreichen Anstrengungen und Ausgaben, die das Literaturarchiv in letzter Zeit unternommen habe, von Sammlungserweiterungen bis zu Museumsneubauten. Deshalb sei es jetzt bei größeren Anschaffungen "nicht so ohne weiteres möglich, in die Schatullen zu greifen, die sind nämlich nach diesen Anstrengungen leer".

Alt setzt jetzt auf private Stifter, um einen Ankauf des Kafka-Konvoluts doch noch zu ermöglichen. "Wir haben es hier mit wirklich einzigartigen Zeugnissen zu tun: Es sind Briefe, die den Kafka in einer privaten Welt in einer Weise zeigen wie sonst nirgends". Sollten die Briefe an einen privaten Sammler gehen, seien diese eventuell nicht mehr für die Wissenschaft zugänglich.

Laut Alt habe das zum Verkauf angebotene Konvolut einen Schätzpreis von 500.000 Euro.

"Das ist für Kafka-Autografen nicht sehr viel. Das ist ein sehr angemessener Preis. (...) Aber sie müssen bedenken, dass sie es hier mit einem Kulturgut zu tun haben, des herausragenden deutschsprachigen Autors des 20. Jahrhunderts, und das kann man nicht einfach ziehen lassen in irgendeine Weltregion, wo es dann nicht mehr zugänglich ist."

Sie können das vollständige Gespräch mit Peter André Alt mindestens bis zum 01.05.2010 in unserem Audio-on-Demand-Angebot hören. MP3-Audio

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