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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 11.07.2018

Modeschöpferin Josefine Edle von Krepl Gewitzte Mode aus dem Prenzlauer Berg

Moderation: Ulrike Timm

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Josefine Edle von Krepl (picture-alliance / Berliner Zeitung)
Die Modeschöpferin Josefine Edle von Krepl (picture-alliance / Berliner Zeitung)

Josefine Edle von Krepl hat in der DDR für die Zeitschrift "Für Dich" gearbeitet und die erste Boutique in Ostberlin gegründet. Ihre Kleidersammlung konnte sie in Schloss Meyenburg in der Prignitz unterbringen - dort macht sie auch Führungen.

Knielange Ketten, Latzhosen aus Fahnenstoff oder sieben Petticoats übereinander: Schon früh hatte die Modedesignerin und Ausstellungsmacherin Josefine Edle von Krepl einen Hang zu ausgefallener Kleidung. Außerdem verfügte sie über die nötige Kreativität, um ihre Modevorstellungen in der Mangelwirtschaft der DDR umzusetzen: Schon als Teenagerin, als im Westen "Klapperlatschen" schwer en vogue waren, sägte sie kurzerhand aus zwei Frühstücksbrettchen Holzsohlen zurecht und nagelte Riemen darüber.

Immer im Visier der Stasi

Als sie später die erste private Boutique Ostberlins führte, gelang es ihr im Land der synthetischen Stoffe, Kleider aus Naturfasern anzubieten. "Wir haben alte Bettwäsche verarbeitet, also Bauernleinen, Handtücher zusammen gestückelt und es war ein Novum, dass es in meiner Boutique nur Kleidungsstücke aus Naturfasern gab."

Ihre Mode fand damals reißenden Absatz. In ihren Geschäftsräumen am Prenzlauer Berg, veranstaltete Josefine von Krepl auch Ausstellungen. Dabei war die unkonventionelle Adlige immer auch im Visier der Stasi. "Und wenn Vernissagen waren, ganz einfach mit Schmalzbrot und Rotwein und mit einem Musikalischen Beitrag oder einer Gedichtslesung, dann stand da auch immer ein schwarzer Lada mit vier Personen, denen ich dann frecherweise immer einen Tee oder ein Wasser angeboten habe."

Ihr ganzes Leben lang hat sie, deren Eltern während des Krieges aus Österreich nach Deutschland übersiedelten, gesammelt. Puppen, Teddybären – und vor allem Kleidung. Bei ihrem ersten Stück, damals war sie 14 Jahre alt, handelte es sich um ein Kleid ihrer Großmutter. "Das sollte weg geworfen werden und meine Großmutter hatte es noch aus ihrer Wiener Zeit, ein schwarzes Kleid in sich gemustert und ich habe es bis heute und das war der Beginn meiner Sammellust, das heißt sammeln konnte man das noch nicht nennen, ich hatte ein Rettersyndrom".

Modemuseum im Schloss Meyenburg

Josefine Edle von Krepl stieg auch schon mal in einen Container mit Bauschutt, aus dem sie den Fitzel eines Kleides herauslugen sah. Es handelte sich um ein kostbares Tanzkleid aus den 20er-Jahren. "Ich habe es irgendwann restauriert, mit einem neuen seidigen Unterkleid versehen, die Blume unter Dampf wieder erblühen lassen."

Über dreitausend Stücke zählt ihre Sammlung, die bis zur Jahrhundertwende zurückreicht. Als sie kurz vor der Wende in den Westen übersiedelte, musste sie zwar ihr Haus zurück lassen, aber ihre Sammlung kam mit. Lange suchte Josefine von Krepl einen würdigen Ort, um die Exponate der Öffentlichkeit zu zeigen. In Schloss Meyenburg in der Prignitz hat sie ihn gefunden und dort vor zwölf Jahren ein Modemuseum eröffnet.

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