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Wortwechsel | Beitrag vom 24.01.2020

Modernes Judentum in DeutschlandJüdisches Leben - immer noch nicht normal?

Moderation: Birgit Kolkmann

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Die Synagoge in der Oranienburger Strasse in Berlin, spiegelt sich in einem gegenueberliegenden Fenster. (laif/ Andreas Pein)
Jüdisches Leben gehört zu Deutschland. (laif/ Andreas Pein)

Jüdisches Leben in Deutschland ist vielfältig, was Religiosität, Lebensentwürfe und Einstellungen angeht. Aber: 75 Jahre nach dem Holocaust gehört Antisemitismus bei vielen zur Alltagserfahrung. Kein "jüdisches" Thema - sondern eines für uns alle.

Erst seit Mitte der 80er-Jahre ist das Zutrauen wieder gewachsen war, als Juden im Land der Täter wieder eine Zukunft zu haben. Heute zieht es gerade Junge und Kreative mit jüdischen Wurzeln nach Deutschland. Viele organisieren sich gezielt abseits der jüdischen Gemeinden in jüdischen kulturellen Einrichtungen.

Auf etwa 250.000 wird die Zahl der heute (wieder) in Deutschland lebenden jüdischen oder jüdisch-stämmigen Menschen geschätzt. Dazu gehören praktizierende und bekennende Juden – quer durch das ganze Spektrum von orthodox bis liberal und progressiv. Und dazu gehören natürlich auch Nicht-Gläubige. Modernes Judentum in Deutschland – das heißt nicht zuletzt: Vielfalt.

Antisemitismus geht alle an

Gleichzeitig wächst bei vielen inzwischen wieder die Skepsis, ob der Nationalsozialismus, mit all seiner Menschenfeindlichkeit und seinem antisemitischen Wahn, in Deutschland wirklich ein für alle Mal abgedankt hat. Mit der aus Erfahrungen der Vergangenheit gespeisten besonderer Sensibilität für Stimmungen, beobachten sie antisemitische Vorfälle. Die scheinen sich in den letzten Jahren tatsächlich wieder zu häufen. Es trifft vor allem Menschen, die augenscheinlich als Juden erkennbar sind - etwa durch das Tragen einer Kippa oder israelischer Symbole oder durch die hebräische Sprache.

Es ist Aufgabe der ganzen Gesellschaft, sich mit Antisemitismus auseinanderzusetzen.

Die letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts werden in wenigen Jahren gestorben sein. Die deutsche Gesellschaft wird immer stärker geprägt durch Menschen, die kaum persönliche Verbindung zum Horror der Nazi-Zeit haben. Das gilt nicht nur für die meisten Zugewanderten.

Was bedeutet modernes jüdisches Leben in Deutschland? Und: Wie normal kann es sein? Was ist Antisemitismus wirksam entgegenzusetzen? Wie muss sich die Erinnerungskultur 75 Jahre nach dem Ende der Verbrechen der Nationalsozialisten verändern?

Darüber diskutieren:

Dr. Elke Gryglewski, stellvertretende Direktorin der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Deborah Feldman, deutsch-amerikanische Autorin, aus einer orthodoxen Familie stammend
Chajm Guski, Blogger ("Anti & Semitisch"), Journalist und Autor
Marina Chernivsky, Leiterin Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland

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