Seit 00:05 Uhr Neue Musik

Donnerstag, 21.03.2019
 
Seit 00:05 Uhr Neue Musik

Aktuell / Archiv | Beitrag vom 07.05.2014

Moderne KunstAbschied der Körpermalerin

Zum Tod der österreichischen Künstlerin Maria Lassnig

Die Künstlerin Maria Lassnig, fotografiert am 13.03.2009 im Museum Ludwig in Köln vor ihren Bildern (picture-alliance / dpa / Oliver Berg)
Die Künstlerin Maria Lassnig (1919-2014) vor ihren Bildern im Museum Ludwig in Köln (picture-alliance / dpa / Oliver Berg)

Bis ins hohe Alter überraschte Maria Lassnig mit ihren ausdrucksvollen Darstellungen des menschlichen Körpers, oft als Selbstporträts. Am Dienstag starb die wohl wichtigste Malerin Österreichs mit 94 Jahren in einem Wiener Krankenhaus.

Sie selbst erzählte am treffendsten von ihrem Leben, in ihrer Kunst, fasst  das Werk der Malerin zusammen. Im Zeichentrickfilm "Kantate" von 1992 berichtet Maria Lassnig als Moritatensängerin selbst von den Demütigungen und Kämpfen ihres Werdeganges als Künstlerin.

Expressiv und gefühlsbetont

Geboren wurde Lassnig 1919 in einfachen Verhältnissen in Kärnten. Die Mutter arbeitete, das uneheliche Kind wuchs bei ihrer Großmutter auf. Während des Zweiten Weltkrieges startete sie in Wien ein Studium der Malerei, ihre expressiven Selbstporträts wurden nach dem NS-Kunstverständnis als "entartet" gebrandmarkt, von ihrem eigenen Professor. Sie musste ihre ursprüngliche Meisterklasse verlassen und malte trotzdem weiter.

Nach dem Krieg experimentierte die Künstlerin mit den Spielarten der abstrakten Malerei. Es entstanden "Körperbewusstseinsbilder", die ihre Empfindungen beim Malen darstellten. Später lebte sie in Paris und New York, wo sie auf gleichgesinnte Künstlerinnen traf und auflebte. Dort entdeckte sie den Zeichentrickfilm für sich und entwickelte ihre bis heute charakteristische Malweise: mit ihrem eigenen nackten Körper im Mittelpunkt, an dem sie private und gesellschaftliche Hoffnungen, Ängste und Sehnsüchte spiegelte.

Radikale künstlerische Position

Der Intendant der Hamburger Deichtorhallen, Dirk Luckow, hat Maria Lassnig als "eine der radikalsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts" gewürdigt. Die österreichische Malerin habe großen Einfluss im akademischen, kunsthistorischen und künstlerischen Sinne gehabt, : "Der Einfluss auf die Body-Art, die Performance-Kunst, Körper-Kunst – das ist ja erst alles nach ihr gekommen." Ihre Werke seien nie von "gefälliger Ästhetik" gewesen, betonte Luckow. Die Künstlerin habe sich nicht in eine bestimmte Schublade stecken lassen.

Den Durchbruch schaffte sie, nachdem sie 1980 mit über 60 Jahren nach Wien zurückkehrte, um eine Professur an der Hochschule für Angewandte Kunst anzunehmen. Seitdem wurde sie unter anderem auf der documenta in Kassel ausgestellt, in der Londoner Serpentine Gallery und zurzeit im Museum of Modern Art in New York. Auf der Biennale in Venedig wurde sie für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Kreativ bis ins hohe Alter

Alter sei für Maria Lassnig relativ gewesen, charakterisiert  die Lebenseinstellung der Künstlerin. 2011 schuf sie mit 92 Jahren ein Bild mit einem anrührenden Motiv: "Vom Tod gezeichnet" - das zeigt, wie der Tod Maria Lassnig auf dem Sterbebett zeichnet. Am Dienstag ist die Malerin in einem Wiener Krankenhaus gestorben.

hum

Mehr zum Thema:

20.06.2013 | FAZIT
Schonungslose Selbstporträts
Hamburger Deichtorhallen zeigen 120 Werke der Malerin Maria Lassnig

13.02.2009 | FAZIT
Gemalte Dualität
Maria-Lassnig-Ausstellung in Wien

Studio 9

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur