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Kompressor | Beitrag vom 17.01.2020

Mode von Influencer Julien BamMit Aldi-Klamotten gegen Markendruck

Moderation: Gesa Ufer

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Julien Bam, gekleidet in schwarze Kleidung und mit roten Badelatschen, kniet vor einem Aufsteller. (Imago / Gartner)
Ideen muss man haben: Julien Bam gibt an, er wollen mit seiner Modemarke Jugendliche vom Markendruck erlösen. (Imago / Gartner)

Der Youtuber Julien Bam und Aldi Süd wollen eine Modekollektion auf den Markt bringen - um Jugendliche vom Markendruck zu befreien. Für Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier ist das ein durchsichtiges Manöver. Er sagt uns, warum.

Julien Bam ist einer der erfolgreichsten deutschen Youtuber. Nun hat er – ganz markenkritisch – angekündigt, eine Modekollektion zu veröffentlichen. Doch nicht bei einem coolen Modelabel, sondern beim Diskounter Aldi Süd. Damit will der Influencer angeblich dem Markendruck entgegenwirken, dem Jugendliche heute ausgesetzt seien.

Markentreue lässt nach

Der österreichische Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier ist davon nicht überzeugt, schließlich "sind Marken die wichtigsten Symbole der Konsumgesellschaft". Von Markendruck will er indes nicht reden. Vielmehr pluralisiere sich das Angebot, ein dominierendes Label gebe es nicht und man könne wählen. Außerdem sei zu beobachten, wie die Markentreue bei jungen Menschen immer geringer werde. Das Problem sei vielmehr "der generelle Konsumdruck".

Über den Konsum würde sich der Einzelne seine Identität bilden, so Heinzlmaier. Die Menschen hätten das Gefühl, man könne nur durch Konsum Sinn gewinnen und glücklich sein. Verantwortlich dafür seien auch Influencer wie Bam, "die in erster Linie dafür da sind, um an die Jugendlichen alle möglichen Produkte heranzutragen, und damit sehr viel Geld verdienen."

Inszenierter Klassenkampf

Daher ist für Heinzlmaier, der hauptberuflich ein Marktforschungsunternehmen leitet, das Manöver von Bam und Aldi Süd durchsichtig: eine Antimarke werde geschaffen, um mit dieser "dieselbe Strategie zu fahren wie die Markenartikel". "Wenn man heute sagt, ich möchte die jungen Menschen durch eine Billigmarke von den teuren Marken erlösen, das ist ein eigenartige Art von Klassenkampf, die sich hier inszeniert", so der Forscher.

(rzr)

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