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Interview | Beitrag vom 01.11.2019

Mobil-Flatrate in AugsburgDie Richtung stimmt

Andreas Knie im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Das Haltestellendreieck am Königsplatz in Augsburg bei Nacht. (picture alliance/imageBROKER/Martin Siepmann)
Alles unter einem Dach, alles zu einem Preis: Die neue Mobil-Flat in Augsburg vereinfacht den ÖPNV. (picture alliance/imageBROKER/Martin Siepmann)

Bahn, Bus, Rad und Car-Sharing in einem Paket: Das verspricht die neue Mobil-Flatrate, die heute in Augsburg an den Start geht. Soziologe Andreas Knie lobt die Initiative – und mahnt zugleich: Für eine echte Verkehrswende reicht es noch nicht.

Mit der neuen Mobil-Flatrate zeige Augsburg eindeutig die Richtung auf, in die gedacht werden müsse, sagt der Mobilitätsforscher Andreas Knie. Solange die verschiedenen Möglichkeiten des öffentlichen Nahverkehrs unterschiedlich abgerechnet werden, würde es schnell zu kompliziert.

"Dann fahren die Leute lieber mit dem eigenen Auto. Die Augsburger Lösung zeigt eine erste Perspektive auf: Alles unter einem Dach, alles zu einem Preis."

ÖPNV wird zu wenig gefördert

Natürlich sei es nicht sicher, ob das Projekt in Augsburg tatsächlich funktionieren werde. Andreas Knie findet es trotzdem wichtig, dass die Stadt mit gutem Beispiel vorangehe und erste Erfahrungen sammle. Wenn es etwas zu bemängeln gebe, dann sei dies vielmehr die Symbolpolitik der Bundesregierung.

"Jetzt, wo die Verkehrswende langsam in die Diskussion kommt, zeigt sich das ganze Desaster. Wir geben jedes Jahr acht Milliarden Euro aus, um die Dieselpreise zu subventionieren. Für die Beschaffung von neuem Material für den ÖPNV, also neue U-Bahnen und S-Bahnen, geben wir aber nur eine Milliarde aus." Dass die Bundesregierung im neuen Klimapaket die eine Milliarde nun auf zwei Milliarden Euro angehoben habe, sei vor diesem Hintergrund ein Witz, so Andreas Knie.

"Was privat besessen wird, muss teurer werden"

Auch in der Parkraumbewirtschaftung sieht der Mobilitätsforscher noch viel Potential für Verbesserungen – und kritisiert unter anderem, dass Parkplätze in Städten den privaten Pkw vielfach kostenlos zur Verfügung ständen. Ein Privileg, das für Carsharing-Autos nicht gelte.

Knie fordert deshalb: "Was privat besessen wird, muss teurer sein. Und was öffentlich ist, muss preislich entlastet werden. Wir fangen gerade erst an zu überlegen, wie die Verkehrswende aussehen könnte. Da sind wir noch weit hinterher."

(rod)

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