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Profil / Archiv | Beitrag vom 12.09.2005

Mit Witz und Tempo

Der Musiker, Cartoonist und Schauspieler Udo Schöbel

Von Peter Krause

Er ist zwar selten zu sehen, dennoch stößt man immer wieder auf Udo Schöbel. Er hat eine Videoclip für das Duo Badesalz gemacht, er steht hinter dem Berliner Komiker Kurt Krömer und leitet dessen kleine Fernsehshow-Band, die Sendung mit der Maus beliefert er mit Songs und Cartoons und beim preisgekrönten Kurzfilm "Racing Beats" sitzt er sogar als Schauspieler im Cockpit eines Düsenjets.

Karl Anton ist ein kleines Zeichentrickmännchen, das über die neuesten Trends informiert und den aktuellsten Tratsch und Klatsch aus dem Leben berühmter Popstars ausplaudert. Pop News ist ein Web-Cartoon und erfunden hat ihn Udo Schöbel. Äußerlich weisen Erfinder und animierter Pop-Chronist eine gewisse Ähnlichkeit auf, denn beide haben genau dieselbe himmelwärts weisende Haartolle. Außerdem hieß die erste Band, in der Udo Schöbel spielte "Karl-Anton and the Heartbtreakers".

Schöbel: "Karl Anton kann ja als Cartoon alles, there are some things only a Cartoon can do, konnte da mitten reinspringen und mit Madonna tanzen, mit Marilyn Manson rocken und mit Robbie Williams kämpfen um den nächsten James Bond Song – das war alles irgendwie möglich."

Es sind gut gemachte kurze Cartoons, die sich auf dem Bildschirm aufbauen, kaum dass man sie anklickt. Udo Schöbel ist ein Multitalent, er hat sie gezeichnet, die Musik dazu gespielt und Karl-Anton seine Stimme geliehen.

Schöbel: "Ich habe schon immer gemalt und schon immer Musik gemacht und daraus haben sich verschiedenen Berufe ergeben die ich ausübe und zwar als Schauspieler, als Musiker, als Komponist, als Texter, als Entertainer, als Illustrator und natürlich auch bewegte Bilder als Trickfilmer, für mich ist das alles mit der Zeit gewachsen. Manche andere Leute sagen, na ja, wer so viel macht kann nicht alles gut machen."

Mit 18 zog das "schwarze Schaf" Zuhause aus. Kunst oder Musik spielte in seiner Familie keine Rolle, der Vater war als Finanzbeamter tätig, die Mutter musste immerhin fünf Söhne groß ziehen. Udo Schöbel machte gerade noch so seinen Schulabschluss, dann war Musik angesagt, obwohl er genauso leidenschaftlich zeichnete und malte. Unter dem herrlichen Namen "Warhol für Arme" fertigte er im Stil von Andy Warhol eine Porträtserie seiner Freunde an. Geld verdienen konnte er aber nur mit der Gitarre. Sein größter Erfolg in den 80er Jahren war ein Festival-Auftritt in Spanien, als Vorprogramm von Rod Stewart. Bei den "Shy Guys", einer international erfolgreichen Comedy Gruppe lernte er danach, wie man mit Musik einen Gag aufwertet.

Schöbel: "Ich mag einfach wenig und kräftige Farben, ich suche auch eine Klarheit in der Musik wie beim Malen, irgendwas wenn es geht mit noch weniger Strichen hinzukriegen und wenn es geht mit noch weniger Instrumenten hinzukriegen."

Udo Schöbel kommt aus Stuttgart, lebt seit langem in Berlin, den Schwaben hat er nicht abgelegt Irgendwann in den 90ern schreibt er die Musik für einen Trickfilm, wird vom WDR entdeckt und landet bei der "Sendung mit der Maus". Seitdem produziert er regelmäßig Cartoons und Soundtracks, wie für den Bohnentwist-Trickfilm, in dem verschiedene Gemüse einen wilden Tanz aufs Parkett legen.

Das aktuelle Projekt ist der Mini Beat Club, die Begleitcombo der Kurt Krömer- Show. Zusammen mit Marcus Vetter und Lea Büser legt Schöbel Kostüme an, in denen sie aussehen wie eine Mischung aus Sanitäter und Stewardess. Die Miniatur-Ohrwürmer waren während der Kurt Krömer Show nie ganz zu hören, denn da waren sie einfach nur Pausenfüller zwischen den Gags.

Schöbel: "Warum nicht eine kleine schlagkräftige Band aus Berlin nehmen und trotzdem auch den Sound machen können von einer Big Band, wir haben eine Sängerin und einen Sänger, einen Gitarristen, einen Bassisten und einen Schlagzeuger und sind nur drei Leute."

Passend zu seinem musikalischen Humor läuft Schöbel meist mit Hut und kariertem Mantel durch die Stadt und sieht darin aus wie der Cartoon-Detektiv Knick Knatterton. Für eine spaßige Einlage ist der ansonsten eher unscheinbare Schöbel immer zu haben.

In "Racing Beats" einem schrägen Kurzfilm, der zwei Preise beim diesjährigen Lions-Werbefilmfestival in Cannes gewonnen hat, wurde das sympathische Allround-Talent sogar zum Schauspieler und sitzt als Pilot in der Kanzel. Der Zwei-Minuten dauernde Trickfilm ist die Abschlussarbeit zweier Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg, die sich dafür ein "Chicken Race", ein verrücktes Wettrennen ausgedacht haben, bei dem statt zwei Autos zwei Passagierflugzeuge gegeneinander antreten.

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