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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 08.03.2010

Mit Spankorb und Rosenschere

Gabriella Pape: "Meine Philosophie lebendiger Gärten", Irisiana Verlag, München 2010, 256 Seiten

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Laube in einer Kleingartenanlage in Hertfordshire, Großbritannien (Stock.XCHNG / Janie Pickles)
Laube in einer Kleingartenanlage in Hertfordshire, Großbritannien (Stock.XCHNG / Janie Pickles)

Papes Werk ist kein Handbuch für Hobbygärtner, sondern hält, was der Titel verspricht: ein Stück Kulturphilosophie. Schade, dass die Bilder fehlen in einem Buch, das uns so viel erstaunliches und nützliches Wissen über Gartenkunst beschert.

"Seine königliche Hoheit stützte sich auf einen adretten Spazierstock und stocherte zwischen den Steinen. Meinen missmutigen Blick hatte er wohl nicht bemerkt, sodass ich ihn bat, er möge nicht so viele Löcher in meinen Weg pieksen. Er lachte und meinte, es seien doch 'Royal holes', königliche Löcher, die müssten doch erlaubt sein und könnten den Garten schmücken."

Gabriella Pape trifft Prinz Charles anno 2007 auf der Chelsea Flower Show in London. Dort hatte sie im Auftrag des "Daily Telegraph" einen Garten gestaltet und wurde am Ende mit einer Silbermedaille geehrt - was dafür spricht, dass die Löcher, vom königlichen Spazierstock verursacht, Papes Kunstwerk nicht wesentlich beschädigt haben.

England ist Gabriella Pape über 20 Jahre Wahlheimat gewesen. Wen wundert's, dass dieses Buch ein paar Kapitel darauf verwendet, uns von der britischen Lust am Gärtnern zu erzählen.

"Englische Männer fachsimpeln gern über Dünger und Rosensorten und natürlich über Maulwürfe. Selbst unter Bankern und Wirtschaftstycoonen sind Blumensorten ein Thema."

Auch die Queen lässt sich gern mit Spankorb und Rosenschere fotografieren. Einen Garten zu pflegen, das bedeutet den Engländern - Lebensart.

Ganz anders in Deutschland. Das Wort "gardening"- zu deutsch "gärtnern" ist hierzulande ziemlich ungewohnt, die Deutschen reden mehrheitlich von Gartenarbeit. Dementsprechend, so Pape, sieht auch die Mehrzahl der Gärten aus, sowohl der privaten als auch der öffentlichen. Die Pflanzen werden gern in Reih und Glied gesetzt, das (vermeintliche) Unkraut dazwischen sauber weggezupft, und so mancher Einfamilienhaus-Besitzer hat den lästigen Garten schon wegrationalisiert:

"Es sind Flächen, die vor allem zum Autoparken und Wagenwaschen benutzt werden. Oder als Grillplatz und Müllereimerdepot. Flächen, die auf schönere Tage warten."

Dabei hat die Kultur des Gärtnerns in Deutschland eine stolze Tradition! Gabriella Pape hat ihr mehrere Kapitel dieses Buches gewidmet. In Berlin-Dahlem zum Beispiel gab es vor dem Ersten Weltkrieg eine Königlich-preußische Gärtnerlehranstalt mit einem üppigen Ausbildungsprogramm:

"Hier ein Ausschnitt aus dem Studienangebot des Jahres 1913:
Anatomie der Pflanze, Bakterienkunde, Bienenzucht, Mathematik und Landschaftszeichnen, Blumenbinderei und gärtnerische Schmuckkunst, Wetterkunde."

Anfang des 20. Jahrhunderts kommen die berühmtesten Landschaftsgärtner Europas aus Deutschland. – Zwei Weltkriege später sind die hiesigen Schulen der Gartenkunst vom Winde verweht; verständlich, dass halbverhungerte Menschen in einem zerstörten Land sich nicht mit Rosen, sondern eher mit Kartoffelzucht beschäftigen.

Gabriella Pape hat ihr Studium der Gartenkunst denn auch in England absolviert und 20 Jahre für gut betuchte Briten schöne Gärten angelegt. Jetzt ist sie nach Deutschland zurückgekehrt, hat die Königliche Gartenakademie in Berlin-Dahlem neu gegründet, diesmal als Privatfirma, und bemüht sich in der "Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur" um die Rückkehr einer vergessenen Tradition.

Papes Werk ist kein Handbuch für Hobbygärtner, sondern hält, was der Titel verspricht: ein Stück Kulturphilosophie. Die Autorin macht Ihrem Leser plausibel, was er bedenken sollte, bevor er mit dem Gärtnern überhaupt beginnt: Was für einen Garten möchte er haben? Einen, der den Blick ins Innere lenkt? Oder eher nach außen, auf die umgebende Landschaft ? Oder: Welches Farbenspiel schwebt ihm denn vor zu welcher Jahreszeit? Dann erst gibt Pape ein paar Tipps, wie das eine oder andere Projekt vielleicht gelingen könnte. – Übrigens: Die Autorin versichert, Gärten können auch in der kalten Jahreszeit eine Augenfreude sein, falls man sie mit den richtigen Gräsern bepflanzt:

"Gräser mit ihren Halmen und Blüten kommen im späten Herbst und beim ersten Frost ganz groß raus. Seit ich in Berlin in meiner Gartenakademie umfangreiche Schaubeete angelegt habe, ist mir erst so richtig klar geworden, wie wichtig dieses 'Haar der Mutter Erde' ist."

Ein paar Fotos von diesen Schaubeeten vermisst man leider in diesem Buch. Oder von den preisgekrönten Gärten, die Pape in England gestaltet hat. Den Verlag muss man fragen: Warum bekommt der Leser bei einem so sinnlichen Thema, vom Umschlag einmal abgesehen, nichts als den nackten Text geliefert? Schade, dass die Bilder fehlen in einem Buch, das uns so viel erstaunliches und nützliches Wissen über Gartenkunst beschert.

Zur Autorin: Die gebürtige Hamburgerin Gabriella Pape studierte in Großbritannien Biologisch Dynamische Landwirtschaft, Landschaftsarchitektur und Gartenkultur (Horticulture), letzteres am weltweit größten Botanischen Garten, Kew Gardens in London. 1992 gründete sie zusammen mit der Gartenhistorikerin Dr. Isabelle van Groeningen das bekannte Gartendesignstudio "Land Art” in England. Neben vielen anderen Auszeichnungen gewannen die beiden 2000 eine Goldmedaille und den Titel "Best in Show" der Royal Horticultural Society. Im Frühjahr 2007 erhielten sie auf der Chelsea Flower Show, einer der bedeutendsten Gartenschauen weltweit, die "Silver-Gilt-Medaille". 2008 gründete Pape die Königliche Gartenakademie in Berlin-Dahlem neu.

Besprochen von Susanne Mack

Gabriella Pape: Meine Philosophie lebendiger Gärten
Unter Mitarbeit von Dr. Harro Schweitzer
Irisiana Verlag, München 2010
256 Seiten, 16,95 Euro

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