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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 04.03.2013

Mit Schwarzerde die Welt retten

Ute Scheub, Haiko Pieplow, Hans-Peter Schmidt: "Terra Preta", oekom, München 2013, 206 Seiten

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Gilt als nährstoffarm: Der Urwald. Mit künstlicher Schwarzerde kann man das ändern. (Stock.XCHNG / Andres Ojeda)
Gilt als nährstoffarm: Der Urwald. Mit künstlicher Schwarzerde kann man das ändern. (Stock.XCHNG / Andres Ojeda)

Schwarzerde ist eine extrem nährstoffreiche Erde, die helfen kann, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Davon sind die Autoren überzeugt, und nicht weniger als eine Revolution der Landwirtschaft wollen sie anzetteln. Ein Mutmacherbuch, das perfekt in diese Zeit passt.

Urwälder gelten als nährstoffarm. Nur eine dünne Humusschicht bedeckt den Boden. Umso erstaunter waren Forscher, als sie mitten im Amazonasbecken die vorkolonialen Überreste ganzer Gartenstädte entdeckten.

Entstanden durch die sogenannte "Terra Preta", einer extrem nährstoffreichen, menschgemachter Erde aus zerstoßener Pflanzenkohle, Speiseabfällen, menschlichen und tierischen Ausscheidungen.

Dieser Erde traut man so viel zu, dass Ute Scheub, Haiko Pieplow und Hans-Peter Schmidt ihr jetzt ein ganzes Buch gewidmet haben. Es ist eine Art Mutmacher-Buch, das perfekt in die gerade boomende "Urban Gardening"-Bewegung passt. Zumal die Entdeckung der Terra Petra weltweit eine Bewegung ausgelöst hat, die mit Schwarzerde den Klimawandel stoppen, Agrochemie und Gentechnik ersetzen und Agrokonzerne überflüssig machen will. Angestrebt wird eine friedliche Revolution der Landwirtschaft und des Gartenanbaus, an der sich jeder beteiligen kann.

In den ersten beiden Kapiteln geht es um die Grundlagen der Agroindustrie: Weltweit schrumpft die 5 bis 50 Zentimeter dünne, fruchtbare Humusschicht. Kunstdünger und Pestizide, Pflüge und schweres Ackergerät reduzieren stetig das vielfältige Bodenleben.

In einem Quadratmeter gesunder Erde leben Milliarden Kleinstorganismen, die den Pflanzen Nährstoffe erschließen. Ohne Humus gäbe es keine Nahrung. Die industrielle Landwirtschaft aber zerstört ihn und fördert so die Erosion. Gentechnik und Monokulturen wiederum führen zur Artenverarmung bei den Nahrungspflanzen und in der Natur.

Im zweiten Teil des Buches geht es dann um konkrete Beispiele, wie man Schwarzerde selbst herstellen kann. Grundvoraussetzung ist stets Pflanzenkohle, die man durch Verschwelung von Pflanzen- und Holzabfällen gewinnt. Jedes erzeugte Kilogramm Pflanzenkohle entzieht, so vermelden Ute Scheub und ihre Mitautoren, der Atmosphäre rund 3,6 Kilogramm Kohlendioxid.

Es dauert Ewigkeiten, bis der in die Erde eingebrachte Kohlenstoff wieder freigesetzt wird. Wird die Pflanzenkohle zusammen mit anderen organischen Abfallstoffen und Mikroorganismen unter Luftabschluss kompostiert, entsteht Terra Preta. In den zahlreichen Poren der Kohle siedeln sich Mikroorganismen an, sammelt sich Wasser und werden Nährstoffe gespeichert. Das sorgt für feuchte, fruchtbare Böden. Die Humusschicht wächst.

Die Autoren zitieren eine Studie, nach der die Erträge auf solchen Böden so deutlich steigen, dass die Lebensmittelversorgung einer wachsenden Weltbevölkerung dadurch gesichert werden könnte. Vollmundig nennen sie als Ziel: "Mit Klimagärtnern die Welt retten und gesunde Lebensmittel produzieren."

Das Buch schließt mit zahlreichen praktischen Beispielen, wie man durch Schwarzerde prächtige Blumen, Kräuter oder Gemüse in seinem Garten, in Hochbeeten aus Stadtbrachen, selbst auf dem Fensterbrett ziehen kann. Ein umfangreiches Internet-Adressenverzeichnis ergänzt die Erläuterungen und Tipps, die so anschaulich sind, dass man sie am liebsten gleich ausprobieren möchte.

Besprochen von Johannes Kaiser

Ute Scheub, Haiko Pieplow, Hans-Peter Schmidt: Terra Preta – Die schwarze Revolution aus dem Regenwald
oekom, München 2013
206 Seiten, 19,95 Euro

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