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Deutschlandrundfahrt | Beitrag vom 14.07.2019

Mit Schauspieler Hannes Jaenicke durch BerlinPassionierter Raucher und Umweltschützer

Moderation: Olaf Kosert

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Hannes Jaenicke erzählt gestenreich. Hinter ihm eine Baustelle und ein vorbei fahrendes Auto.
Hannes Jaenicke (r.) über Berlin: Eine Stadt für Autos sei das, nicht für Menschen.

Wenn es um den Schutz der Natur geht, erhebt der Schauspieler Hannes Jaenicke seine Stimme. Für ihn ist das eine Selbstverständlichkeit. Kritik an seinem Engagement ist für ihn unverständlich, wie er beim Spaziergang durch Berlin-Charlottenburg erzählt.

Die Zigarrenbar im legendären Hotel Savoy ist für den passionierten Raucher Hannes Jaenicke einer der schönsten Orte Berlins. Der altmodische Charme versprühe den Geist des Berlins der 20er-Jahre, findet Jaenicke und fügt hinzu, dass dies die größte Zeit gewesen sei, die Berlin je erlebt habe.

Hannes Jaenicke und der Reporter sitzen zusammen im legendären Hotel Savoy.Die Zigarrenbar im legendären Hotel Savoy ist für den passionierten Raucher Hannes Jaenicke (r.) einer der schönsten Orte Berlins.

Hier fühlt er sich wohl, umgeben von signierten Bildern großer Stars vergangener Epochen: Karel Gott, Liselotte Pulver, Charles Brauer, Freddy Quinn. Hier trifft sich Hannes Jaenicke mit Freunden und verabredet sich zu geschäftlichen Terminen, wie mit Olaf Kosert. Von hier aus ziehen die beiden durch Berlin-Charlottenburg.

Aufgewachsen in Frankfurt und Pittsburgh

Unweit des Savoy Hotels liegt das Theater des Westens. Der Bau im Stil des Wilhelminischen Historismus ist für Hannes Jaenicke einerseits eine "Plüschkiste" andererseits "das schönste Theater der Welt". Sein guter Freund Helmut Baumann war hier einst Intendant und krempelte die Bühne zu einem Musicaltheater um.

Baumann ist eine Berliner Theaterlegende. Er inszenierte am Theater des Westens das Musical "La Cage aux Folles". Zehn Tage vor der Premiere erkrankte der Hauptdarsteller und Baumann spielte die Rolle der Zaza kurzerhand selbst. Hannes Jaenicke arbeitete mit Baumann in Wien und anderen Orten zusammen.

Hannes Jaenicke erzählt von seiner Familie, seinem Aufwachsen in Frankfurt und im amerikanischen Pittsburgh. Nachdem er bereits viele Jahre als Schauspieler gearbeitet hatte, bat das Fernsehen ihn, eine Reisesendung zu drehen.

Berlin leidet an verfehlter Stadtplanung

In Alaska stieß er auf einen verendeten Wal und erfuhr, dass das Tier so mit Schadstoffen belastet war, dass es auf einer Sondermülldeponie entsorgt werden musste. In Madagaskar bohrten Minengesellschaften Schächte, in die lediglich Kinder passten. All das strich das Fernsehen aus seinen Sendungen mit dem Hinweis, es sei eine Reisesendung. Daraufhin entwickelte Hannes Jaenicke eine eigene Sendereihe, in der es um Umwelt- und Naturschutz geht. "Hannes Jaenicke im Einsatz für …", so der Titel.

Am vielbefahrenen Ku’damm schimpft er über die vielen Autos und die verfehlte Stadtplanung. Eine Stadt für Autos sei das, nicht für Menschen. Dies sei aber kein spezifisches Problem Berlins, sondern gelte für viele Städte Deutschlands.

Verbrennermotoren sollten abgeschafft werden und die Energiewende vorangetrieben werden, fordert er. Er selbst lebt in einem kleinen Dorf am Ammersee und fährt dort ein Elektroauto.

Den eigenen Namen für eine gute Sache nutzen

Sich politisch weit aus dem Fenster zu lehnen und für seine Meinung einzutreten, ist für Hannes Jaenicke nicht neu. Er kann sich schwer zurückhalten wenn es um umweltpolitische Aspekte geht. Dafür wurde er immer wieder kritisiert. Er selbst wurde "Indianer Jones der Mülltrennung" genannt oder "Vielflieger gegen den Klimawandel". Das ist ihm aber egal. Er bewundert amerikanische Kollegen, wie Leonardo di Caprio oder George Clooney, die sich ebenfalls für die Umwelt einsetzen.

In Amerika gehört es zum guten Ton, seinen großen Namen in den Dienst einer guten Sache zu stellen. In Deutschland geht man anders damit um, sagt Jaenicke. Till Schweiger sei "geschlachtet" worden für sein Flüchtlingsprojekt und Jan Josef Liefers wurde belächelt, als er schon früh auf die Flüchtlingsproblematik in Syrien hinwies. Er betrachtet es als Bürgerpflicht auf Missstände hinzuweisen und versteht es nicht, wenn Menschen dafür kritisiert werden.

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