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Länderreport | Beitrag vom 13.09.2019

Mit Kräutern gegen Methan-Abgase von KühenRülpsen für das Klima

Von Thorsten Philipps

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Auf dem Rücken liegen und stehen Kühe auf der Weide. Zu Forschungszwecken haben sie Schläuche und Gurte um. (dpa/ Carsten Rehder)
Im Dienste der Wissenschaft und des Klimaschutzes: Futuristisch wirkende Messgeräte prüfen den Methangas-Ausstoß von Kühen. (dpa/ Carsten Rehder)

Kühe sind wegen ihrer Treibhausgas-Emissionen in Verruf gekommen. Bei der Verdauung wird das klimaschädliche Gas Methan freigesetzt. Kieler Forscher wollen die Emissionen nun reduzieren - und setzen dabei auf eine spezielle Kräutermischung.

In Lindhöft in Schleswig-Holstein fressen, rülpsen und furzen die Kühe nun für die Wissenschaft. Denn die Wiederkäuer produzieren dabei das klimaschädliche Treibhausgas Methan. Forscher der Universität Kiel so wie Projektleiter Dr. Carsten Malisch wollen deshalb schauen, wie man diese Gase reduzieren kann.

"Wir nennen das die entärische Fermentation, das bedeutet, dass die einfach aus dem Magen-Darmtrakt der Kuh entweichen und drei Prozent der gesamtdeutschen Emissionen kann man eben auf die Kuh zurückführen."

Jersey-Kühe belasten das Klima

Die braunen Kühe – sogenannte Jersey-Rinder – hinterlassen also einen ziemlich belasteten klimatischen Fingerabdruck bei der Fleisch und Milchproduktion. Die Versuchstiere sehen aus als kämen sie vom Mars: Mit blauen Schläuchen auf dem Kopf und auf dem Rücken.

"Die Kühe haben einen ganz normalen Voltegiergurt, den Sie von Ponys kennen, und da sind zwei Flaschen dran und von diesen Flaschen gehen zwei Gurte zum Maul. Und in den Flaschen ist ein Unterdruck, um den Atem und das Methan der Kuh in den Flaschen zu sammeln."

Methan kommt vor allem aus dem Maul

Denn den Löwenanteil des Methans atmet die Kuh durch den Mund aus.

"Die meisten Leute gehen davon aus, dass das Methan durch das Pupsen ausgestoßen wird, aber über das Maul werden in Wirklichkeit 96 Prozent ausgegast. Das ist, weil durch dieses Wiederkäuen das Futter immer wieder hochbewegt wird und dann das Methan aus dem Magen mit ausgegestoßen wird."

Deshalb dieser einzigartige Abgastest für Kühe.

"Genauso wie beim Auto haben wir die Parallele gezogen, wir haben Abgase die keinen Nutzen haben und klimaschädlich sind."

Aber wie kann die Kuh zu weniger Methanemissionen gebracht werden? Ganz einfach sagt Agrarwissenschaftler Dr. Ralf Loges von der Kieler Abteilung Grünland und Futterbau mit dem richtigen Kräutermix.

"Grundsätzlich ist es so, dass das der ökologische Landbau keinen mineralischen stickstoffhaltigen Dünger einsetzen kann, der ja sonst sehr energieaufwendig unter CO2-Emissionen erzeugt werden müsste. Das übernimmt im ökologischen Landbau die Familie der Kleeartigen zu den Weisklee, Rotklee und Hornschotenklee zählt. Diese liefern viel Protein, was wir sonst in Form von Sojaschrot aus Südamerika importieren müssten."

20 Prozent weniger Methan durch frisches junges Grün 

Aber warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah – ein Satz der eben auch für das Klima von Bedeutung ist. Die Forscher untersuchen deshalb auf dem Versuchsgut Lindhof, wie stark sie mit sieben verschiedenen Kräutern den Methanausstoß senken können, also mit Gelbem Hornschotenklee, Spitzwegerich, Rotklee, Wiesenkümmel, Wiesenknopf, Weißklee und Zichorie.

"Ganz wichtig ist: Je mehr Rohfaser das Futter enthält, desto mehr Methan wird freigesetzt, d.h. wir bieten ein sehr junges Futter an und wir versuchen durch eine erweiterte Saatmischung unserer Kleearten mit reinzunehmen, die auch Einfluss auf die Methanbildung nehmen können."

Man habe von Irland gelernt, immer frisches junges Gras zu verfüttern, dadurch konnte der Methanausstoß pro Liter Milch bereit um 20 Prozent gesenkt werden

"Wenn die Ziele des Klimaschutzes eingehalten werden sollen, dann muss an jeder Stellschraube gedreht werden und in der Landwirtschaft ist da bisher wenig passiert."

Nun müssen sich diese Kühe für ihren Methanausstoß nicht mehr schämen, denn das was rauskommt muss wohl auch raus, weniger geht halt nicht, glauben die Wissenschaftler, die noch bis Ende des kommenden Jahres mit diesen glücklichen Kühen arbeiten.

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