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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 23.05.2019

Mit 95 JahrenAutorin und Zeichnerin Judith Kerr gestorben

Ein schwarz-weiß-Porträt von Judith Kerr, Kinderbuchautorin, in Berlin geboren, lebte aber in London.  (imago / Tagesspiegel / Mike Wolff)
Ihre größte Angst sei, nicht mehr arbeiten zu können, sagte Judith Kerr kürzlich noch dem "Guardian" (imago / Tagesspiegel / Mike Wolff)

Ihr Kinderbuch "Ein Tiger kommt zum Tee" und ihre Fluchtgeschichte "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" machten sie berühmt - jetzt ist Judith Kerr im Alter von 95 Jahren gestorben.

Die Schriftstellerin und Zeichnerin Judith Kerr ist tot. Wie mehrere Agenturen unter Berufung auf ihren Verlag HarperCollins mitteilen, starb die Autorin im Alter von 95 Jahren nach kurzer Krankheit in London.

Bekannt wurde Judith Kerr für ihre Kinderbücher über den Kater Mog und die teil-autobiografische Buchtrilogie, in der sie die Flucht ihrer Familie vor den Nazis verarbeitete, begonnen 1971 mit "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl".

"Ich hätte nie solche Bücher geschrieben, wenn wir nicht Flüchtlinge gewesen wären", sagte sie einmal. "Ich wollte das für meine Kinder schreiben, wie das damals war. Und auch an meine Eltern erinnern."

Ende einer unbeschwerten Kindheit

Kerr wurde 1923 als Tochter des Theaterkritikers Alfred Kerr und der Komponistin Julia Kerr in eine jüdische Familie in Berlin geboren.

Ihre unbeschwerte Kindheit in einer Villa im Grunewald endete abrupt, als die Familie 1933 vor den Nazis floh, zuerst in die Schweiz und Frankreich - später nach England, dessen Staatsbürgerschaft Judith Kerr schließlich annahm.

Die erste Zeit in Großbritannien war geprägt von Armut. Kerr arbeitete als Textilgestalterin, Kunstlehrerin und Autorin für die BBC, gab ihre Berufstätigkeit allerdings für die Kindererziehung auf.

Als Mutter eines Kleinkinds kam sie auf jene Geschichte, die sie einige Jahre später zum Buch machen sollte und die heute noch viele britische Schulkinder kennen: Eine Mutter und ihre Tochter sitzen beim Tee, da kommt plötzlich ein Tiger, isst ihnen alles weg und verschwindet dann wieder.

"Ein Tiger kommt zum Tee" wurde 1968 Kerrs Durchbruch als Autorin, auch bei der Kritik.

"Ihre größte Angst? Nicht arbeiten zu können."

Bis zuletzt arbeitete Kerr. In ihrem letzten Interview sagte sie am Wochenende dem britischen "Guardian", sie habe große Angst, irgendwann nicht mehr arbeiten zu können. Sie sagte darin auch, sie würde nichts an ihrer Vergangenheit ändern wollen - alles sei so interessant gewesen.

Noch vergangene Woche bekam sie den British Book Award als Illustratorin des Jahres, konnte aber nicht an der Preisverleihung teilnehmen.

Am 14. Juni wäre Kerr 96 Jahre alt geworden.

(fmay)

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