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Kompressor | Beitrag vom 10.07.2019

"Missy"-Herausgeberin zur Siegerpose von Rapinoe "Offenheit, Selbstbewusstsein und Stärke"

Stefanie Lohaus im Gespräch mit Azadê Peşmen

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Megan Rapinoe in Siegerpose. Sie feiert den Titel der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2019.  (Getty Images / Robert Cianflone)
Megan Rapinoe in Siegerpose: "Sie signalisiert, wie sie mit sich selbst im Reinen und zufrieden ist", sagt Missy-Herausgeberin Stefanie Lohaus. (Getty Images / Robert Cianflone)

In der Berichterstattung über die Fußball-WM der Frauen sticht Megan Rapinoe hervor. Nun wird das Bild von ihr in Siegerpose als ikonisch bejubelt. Stefanie Lohaus führt das darauf zurück, dass Rapinoe mit ihrer ganzen Person ein vielfaches Vorbild sei.

Das US-Team hat die Frauen-WM im Fußball gewonnen – und eine Frau hat dabei herausgeragt: Megan Rapinoe, sportlich als erfolgreichste Torschützin, als beste Spielerin und als Turniersiegerin, aber auch in der Berichterstattung – und diese drehte sich gar nicht so sehr um ihre sportlichen Qualitäten. 

Im Turnierverlauf ging es in den Medien außergewöhnlich viel um Politik, nicht zuletzt, weil sich Rapinoe in den sozialen Netzwerken mit US-Präsident Trump raufte und schon lange vor dem Titelgewinn ausrichtete, sie werde nicht ins "verdammte Weiße Haus" kommen, wenn sie als Weltmeisterin eingeladen werde.

Eine "völlig normale Pose" - bei Männern

Inzwischen ist vor allem ihre Siegerpose ein Thema in den Medien – viele Sprechen von ikonischen Fotos. Stefanie Lohaus, Herausgeberin des feministischen "Missy"-Magazins sagt dazu: "Die Pose von Rapinoe zeigt vor allem Offenheit, Selbstbewusstsein und Stärke." Lohaus meint weiter: "Rapinoe möchte die ganze Welt umarmen, lädt das Publikum ein teilzuhaben, lässt sich aber auch feiern – das ist so ein bisschen majestätisch, die Armen nach oben gerichtet."

Allein dass diese Pose im Jahr 2019 in den Medien so sehr kommentiert werde, sei interessant, so Lohaus: "Wenn wir in den männlichen Sport schauen, bei Ronaldo oder diversen anderen Fußballspielern, da ist das eine völlig normale Pose." Eigentlich müsste die Pose auch bei einer Frau alltäglich sein, sei sie aber eben nicht. 

Eine Ikone der LGBTIQ-Bewegung

Darstellung und Selbstdarstellung der 34-jährigen Weltmeisterin sei also besonders: "Sie zeigt ihren Körper", sagt Lohaus. Auch das sei ja bei Frauen nicht sehr gewöhnlich, Frauen würden ja dazu erzogen, die Arme und die Beine zu kreuzen. "Rapinoe zeigt sich mit ihrer ganzen Körperlichkeit, mit ihrem ganzen Stolz, mit ihrer Offenheit, sie ist zufrieden, sie lächelt." Lohaus kommt zum Schluss: "Wie sie da steht, signalisiert, wie sie mit sich selbst im Reinen und zufrieden ist."

Lohaus glaubt allerdings, dass der Pose auch aus anderen Gründen ikonische Qualitäten zugeschrieben werden. Rapinoe sei in mehrfacher Hinsicht ein Vorbild: "Sie ist ohnehin schon eine Ikone der LGBTIQ-Bewegung in den USA; sie ist offen lesbisch, sie zeigt ihre Freundin; sie verweigert seit vielen Jahren das Singen der Nationalhymne, um gegen Polizeigewalt in den USA zu protestieren; sie hat den US-Fußballverband verklagt aufgrund von ungleicher Bezahlung", zählt Lohaus. 

Lohaus mein, diese Pose im Zusammenhang mit diesem Engagement zeige nochmal, wie selbstzufrieden Rapinoe damit ist: "Es geht eben nicht nur um den sportlichen Erfolg, das Tor, das gerade erzielt wurde, sondern eben auch um sie als ganze politische Person auf dem Spielfeld, die ein Vorbild ist."

 Sportlicher Erfolg und politisches Engagement

Die Pose sei nur im Kontext von Rapinoes politischem Engagement zu deuten. "Ich glaube, diese Kombination, die macht es ikonisch, weil sie mit ihrer ganzen Person – mit ihrem sportlichen Erfolg, mit ihrem politischen Engagement – für ein liberales und offenes Amerika einsteht und auch gegen die Politik von Trump, dem sie ja einen Besuch verweigert."

(mfu)

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