Interview / Archiv 23.09.2014

MisshandlungFolterwerkzeuge als ExportschlagerDer Markt wächst weltweitAmnesty-Vertreter Mathias John im Gespräch mit Dieter Kassel

Gefangene im Südsudan (dpa / picture alliance)Afrika ist ein lukrativer Handelspartner für chinesische Firmen, die Folterwerkzeuge herstellen. (dpa / picture alliance)

Daumenfesseln mit kleinen Haken, Schlagstöcke mit Metallspitzen: Die Hersteller von Folterwerkzeugen sind erfindungsreich. Und sie verdienen gut damit, besonders in China, sagt Mathias John von Amnesty International.

"Das Problem ist, dass es da einen relativ großen Markt gibt für solche Geräte, für Polizei und Sicherheitskräfte", sagt Mathias John von Amnesty International. Es handele sich um Elektroschock-Schlagstöcke, aber auch um Schlagstöcke mit Metallspitzen  oder Fesselungswerkzeuge wie Fußketten oder Handschellen. Letztere könnten auch um den Hals gelegt werden, um die Folteropfer besonders zu quälen.

"Das, was früher unter Daumenschrauben gerne benutzt wurde, das sind kleine Daumenfesseln, wo dann mit besonderen Zähnen und Häkchen auch noch besondere Schmerzen zugefügt werden können", sagt John. Solche Instrumente hinterließen manchmal weniger äußerliche Spuren der Folter.

Wachsende Nachfrage in Afrika und Asien

In China ist die Zahl der Firmen, die Folterinstrumente herstellen, in den letzten Jahren von 28 Unternehmen auf 130 gewachsen. China sei auf diesem Markt so aktiv, weil es eine große Nachfrage gebe. Die in China hergestellten Folterinstrumente fänden sich bei Sicherheitskräften in Ghana, Senegal, Ägypten, Madagaskar, Nepal oder Thailand wieder. Die Hersteller gäben natürlich nicht zu, zu welchem Zweck diese Instrumente verwendet werden könnten. "Sie sagen, es ist für die Polizeiarbeit in den Ländern, wo es hergestellt wird", sagt er. "Wir wissen ja, dass auch in China gefoltert wird und das dort auch die Polizei solche Geräte verwendet."

Strenge Regeln in der EU

"Die Europäische Union hat erfreulicherweise mittlerweile sehr strenge Regeln erlassen", sagt John. International gebe es solche Regeln bisher nicht. Die Vereinten Nationen fordere dies zwar schon lange, aber es seien bisher "zahnlose Appelle" geblieben.  

Die Menschenrechtsorganisationen könnten den Umsatz bei diesem Geschäft bislang nicht beziffern. "Wir sehen bei einzelnen Firmen, das sie einen hohen Umsatz haben", sagte John. Eine chinesische Firma rühme sich damit, dass sie im Handel mit Afrika einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen US-Dollar erziele.

Mehr zum Thema: