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Interview | Beitrag vom 15.02.2020

Miss-Germany-Wettbewerb mit Frauen-Jury"Eine große PR-Geschichte und eine Mogelpackung"

Florian Boitin im Gespräch mit Ute Welty

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Die Teilnehmerinnen der Miss-Germany-Wahl 2020 posieren aufgereiht für ein Gruppenfoto. (Picture Alliance / dpa / Patrick Seeger)
In diesem Jahr soll bei der Wahl der Miss Germany die Persönlichkeit der Kandidatinnen im Fokus stehen. Echter Wandel oder nur kluge PR? (Picture Alliance / dpa / Patrick Seeger)

Persönlichkeit oder lange Beine, welche Kriterien entscheiden die "Miss Germany"-Wahl? Florian Boitin vom Magazin "Playboy" glaubt, dass der Hype um die inneren Werte der Frauen sowie eine rein weibliche Jury vor allem "kluge PR" sind.

Den "Miss Germany"-Wettbewerb gibt es seit 1927. Um den Titel der "Miss Germany" bewerben sich aktuell 16 Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren. Am heutigen Samstag soll im Europa-Park in Rust in Baden-Württemberg die Entscheidung fallen. Erstmals gibt nun eine rein weibliche Jury ihr Urteil ab. 

Der Veranstalter spricht von einem neuen inhaltlichen Konzept. Die Wahl solle kein Schönheitswettbewerb mehr sein, sondern einer um Persönlichkeit. In den vergangenen Jahren gab es bereits kleinere Veränderungen: Inzwischen dürfen sich auch Mütter bewerben. Beim Finale im Europapark müssen die Bewerberinnen außerdem keinen Bikinilauf mehr absolvieren.

Entscheidung aus kaufmännischer Vernunft

Dass die aktuelle Konzeption des Wettbewerbs aber grundsätzlich in eine neue Richtung geht, will der Chefredakteur des "Playboy", Florian Boitin, nicht glauben. Veränderungen - wie eine rein weibliche Jury - seien wohl weniger feministische Entscheidungen als vielmehr eine Entscheidung aus kaufmännischer Vernunft, sagt er in unserem Programm. "Deswegen halte ich das schon eigentlich für eine große PR-Geschichte und wahrscheinlich sogar ein bisschen eine Mogelpackung."

"Personality" sei "eines der großen Trendwörter", betont Boitin. Am Schluss gewinne dann aber doch meistens die Frau mit den längsten Beinen.

Bezogen auf sein eigenes Magazin, den 1972 gegründeten "Playboy", stellt er fest, dass es immer bedeutsamer werde, welche Frau sich zeige. "Nacktsein an sich kann nicht die Nachricht sein", sagt Boitin. "Wir zeigen Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, die begehrenswert sind, die bekannt sind, die berühmt sind, die eine gewisse gesellschaftliche Relevanz haben, und die zeigen wir so, wie sie sonst niemand zeigt."

(huc)

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