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Lesart / Archiv | Beitrag vom 07.04.2016

Mircea Cartarescu: "Die schönen Fremden""Ein Langstreckenschriftsteller braucht auch Humor"

Mircea Cartarescu im Gespräch mit Andrea Gerk

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Der rumänische Schriftsteller Mircea Cărtărescu (Deutschlandradio / M. Hucht)
Der rumänische Schriftsteller Mircea Cărtărescu (Deutschlandradio / M. Hucht)

Anarchie, Witz und Selbstironie: Davon findet sich viel in den neuen Erzählungen des rumänischen Schriftstellers Mircea Cartarescu. Seine humorvolle Seite sei bisher kaum beachtet worden, meint der Autor. Deswegen hat er jetzt ein ganz anderes Buch geschrieben.

Mircea Cartarescu ist der bekannteste zeitgenössische Schriftsteller Rumäniens Für seine 2000 Seiten umfassende "Orbitor"-Trilogie wurde er als "Proust des Plattenbaus" gerühmt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter war 2015 der Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung.

In den Erzählungen des jetzt auf Deutsch erschienenen Buches "Die schönen Fremden" nimmt er den rumänisch-europäischen Literaturbetrieb und sich selbst aufs Korn. Die Hauptfigur ist ein Schriftsteller, manches könnte autobiographisch grundiert sein. Im Deutschlandradio Kultur sprach Cartarescu über die Zielrichtung und die Rezeption seines Schreibens.

"Es stimmt schon, dass die Literaturkritik und auch viele Leser mich für einen schwer zugänglichen Schriftsteller halten, der sich vor allem mit den philosophischen, mystischen Dingen beschäftigt. Und das ist vielleicht auch so, jedenfalls was die Hauptrichtung meines Schreibens betrifft. Aber ich habe dabei gleichzeitig auch immer wieder versucht, Literatur in der Weise von Thomas Mann zu machen. Er hat zeit seines Lebens neben den großen, schwergewichtigen Büchern immer wieder alternierend leichtere, zugänglichere, leichter lesbare Bücher dazwischen geschoben."

Auch darin sei Thomas Mann für ihn ein Vorbild, meinte Cartarescu. Denn solche Erholungsphasen seien für einen "Langstreckenschriftsteller" sehr gesund:

"Wer über sein Leben hinweg ein Werk erschaffen will, muss sich zwischendurch auch einmal erholen. Er muss zum Humor finden. Er muss spielerische Phasen einschieben, um sich dann wieder anderen, schwergewichtigeren Projekten zu widmen."

Der in seinem Werk schon vorhandene Humor sei bisher allerdings von der Literaturkritik nur wenig zur Kenntnis genommen worden, so Cartarescus Eindruck. Das sei für ihn schon frustrierend gewesen:

"Und dann habe ich mir vorgenommen, wenigstens einmal in einem Buch meinen Humor so ausführlich einmünden zu lassen, dass es nicht mehr zu übersehen ist. Und das ist das Buch "Die schönen Fremden", von dem wir jetzt reden. Hier wollte ich den reinen Humor schaffen und den Lesern anbieten, sich beim Lesen dieses Buches auch von ihren täglichen Bedrängnissen freimachen zu können."

Mircea Cartarescu: Die schönen Fremden
Aus dem Rumänischen von Ernest Wichner
Zsolnay Verlag, Wien 2016
300 Seiten, 21,90 Euro

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