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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.02.2015

Minsk-Abkommen"Wie in einem alten Hitchcock-Film"

Poltikwissenschaftler Christian Hacke im Gespräch mit Nana Brink

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Lukaschenko, Putin, Merkel, Hollande und Poroschenko beim Krisentreffen zur Ukraine in Minsk (Druzhinin Alexei / dpa Picture Alliance)
Lukaschenko, Putin, Merkel, Hollande und Poroschenko (von links) beim Krisentreffen zur Ukraine in Minsk. (Druzhinin Alexei / dpa Picture Alliance)

In Filmen nennt man eine solche Situation "Cliffhanger". Und genau dort - am Rande des Abgrunds - sieht der Politikwissenschaftler Christian Hacke die Verhandlungspartner im Ukraine-Konflikt. Sein Lösungsvorschlag: eine strikt neutrale Ukraine. Doch für realistisch hält Hacke das nicht.

Die Verhandlungspartner im Ukraine-Konflikt befinden sich gerade am Rande eines Abgrunds - davon ist der Politikwissenschaftler Christian Hacke überzeugt. Anders als der ehemalige UN-Diplomat Hans von Sponeck - ebenfalls im Interview mit Deutschlandradio Kultur - hält der emeritierte Professor der Universität Bonn das Abkommen von Minsk für gescheitert.

Hacke sagte,  in den USA gebe es für solche Situationen den Begriff Cliffhanger.

"Wie in einen alten Hitchcock-Film: Das Auto hat praktisch nur noch einen Reifen am Felsenrand – und wir müssen abwarten, wie sich dann der Fahrer entscheidet: Ob er noch Glück hat oder ob er runterfällt."

Der Druck auf Barack Obama ist hoch

Auf den US-Präsidenten Barack Obama, der im Ukraine-Konflikt bislang eine Politik der Zurückhaltung gefahren habe, werde derzeit großer Druck ausgeübt, Waffen an die Ukraine zu liefern – und zwar nicht nur von den Republikanern, sondern auch von Politikern aus der eigenen Regierung. In den USA gebe es "eine unheilige Allianz zwischen humanitären, interventionistischen Linken bei den Demokraten, zum Beispiel die frühere Außenministerin Hillary Clinton, und antirussischen Gruppierungen bei den Republikanern, die ganz rechts außen agieren".

Hacke sagte weiter, in dieser Situation könne Obama nur auf das Verhandlungsgeschick der Europäer hoffen.

"Nur eine Lösung hilft: Eine Ukraine, offen nach West und Ost, die nicht streng und möglichst umfassend an den Westen angebunden wird, an die EU oder auch mit Nato-Deckung."

Eine Realisierung sehe er jedoch kritisch:

"Aber alles im Westen läuft darauf hin, immer mehr Kiew an den Westen anzubinden. Und wenn das so weiter geht, dann wird natürlich Putin aus seiner Sicht heraus mit seinen Separatisten gegenhalten."

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