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Studio 9 | Beitrag vom 03.07.2014

MindestlohnUnterwegs mit einem Zeitungszusteller

Peter Bürth reicht ein Job nicht zum Leben

Von Anja Nehls

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(dpa / picture alliance / Fredrik Von Erichsen)
Der Arbeitstag eines Zeitungszustellers beginnt mitten in der Nacht. (dpa / picture alliance / Fredrik Von Erichsen)

Heute wird das Mindestlohn-Paket im Bundestag verabschiedet. Im Kern sieht es vor, dass der flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro ab 2015 gilt. Für Zeitungsausträger sind allerdings Sonderregelungen vorgesehen.

Mitten in der Nacht klappert die Haustür. Peter Bürth ist leise, die Wände sind dünn hier, er will die Nachbarn nicht wecken. Mit warmer Fleecejacke und Basecap macht er sich auf den Weg zur Arbeit. Um zwei Uhr steht er auf, an sieben Tagen in der Woche.

"Mit eiserner Disziplin und zwei Weckern, ein Handywecker und ein normaler, falls man mal wieder einschläft.

Um halb drei sitzt er im Auto auf dem Weg zu Job Nummer eins. In einer großen Fabrikhalle am Stadtrand lädt ein Gabelstapler Zeitungen aus einem Lkw. Peter Bürth stellt seine Tour zusammen: 285 Zeitungen für 240 Haushalte. Das macht er seit 15 Jahren.

"Weil es die einfachste Art ist, Geld zu verdienen. Man muss nur früh aufstehen, sich selbst motivieren, aber das Preis-Leistungsverhältnis, das am Ende rauskommt, ist in Ordnung."

Kein Job für seine Qualifikation

Monatsverdienst 600 bis 700 Euro netto, je nach Anzahl der gelieferten Zeitungen. Ursprünglich hat er Speditionskaufmann gelernt, dann Betriebswirtschat studiert. Erst wurde sein Job bei Kelloggs wegrationalisiert, dann ein nächster bei einem Käsehersteller. Seit 15 Jahren findet er für seine Qualifikation nichts Entsprechendes.

Knapp vier Stunden wir die Tour dauern. Die Straßen sind um diese Zeit leer. Am Nachtschalter einer Tankstelle ein kleiner Zwischenstopp auf der Strecke zu seinem Revier. Halb vier. Der Mann hinter der Scheibe reicht einen Becher Kaffee und eine Tüte.

"Das ist für einen Hund unterwegs, der wartet und kriegt dann sein Leckerli. Der Kaffee ist für mich, den brauche ich auch, um die ganze Zeit zu überstehen."

Unter der Woche gibt es für den 57-Jährigen nichts anderes als Arbeit. Unzufrieden wirkt Peter Bürth aber nicht. Eher gelassen und auf ruhige Weise heiter. Sein Einsatzgebiet als Zeitungsbote ist in Berlin-Wannsee, eine der besten Gegenden in Berlin. Große Grundstücke, viele Villen, nur wenige Mehrfamilienhäuser. Weite Wege für den Zeitungsboten. Peter Bürth arbeitet zügig und routiniert.

Er spart für eine Eigentumswohnung

Ungefähr sechs Euro gibt es in der Stunde. Egal. Für ihn zählt jeder Cent. Erst musste er Schulden seiner Familie abbezahlen, nun will er sich den Traum von einer Eigentumswohnung verwirklichen, ausgerechnet hier in Wannsee. Eine teure Gegend, aber hier möchte er im Alter leben. Ein paar Jahre noch muss er sparen, so rechnet er, dann noch ein kleiner Kredit…. Peter Bürth lächelt, das Ziel erscheint ihm nah:

"Es ist ne Alterssicherung, auf jeden Fall. Man muss sich keine Sorgen machen, je nachdem wie die Rente ausfällt, kriegt man die Miete zusammen oder nicht. Aber so hat man sein Eigentum und kann dadurch ein bisschen ruhiger schlafen."

Schlafen - allerdings nicht jetzt. Stattdessen Beeilung, der Zeitungsbote wird schon erwartet: Zwei braun-weiß gefleckte Wuschelhunde warten mit Frauchen am Gartentor.

"Das ist der Moment, auf den ich mich jeden Morgen freue, denn die zeigen ihre wahren Gefühle, weil sie wissen, dass sie was zu essen bekommen."

Brötchenservice für einen Kunden

Inzwischen ist es kurz nach Fünf. Schnell nochmal in eine Tankstelle- Peter Bürth kauft eine Tüte mit zwei Brötchen - und legt sie zusammen mit einer Zeitung im nächsten Hausflur auf einen Stuhl.

"Ja, ich habe einen langjährigen Kunden, der sich daran gewöhnt hat, dass ich ihm regelmäßig Brötchen mitbringe, weil er nicht mehr so gut zu Fuß ist und mich gebeten hat, ob ich nicht eine kleine Dienstleistung für ihn mache und das habe ich hiermit getan und mit Freude. Und einmal im Monat bekomme ich das Geld von ihm wieder...."

Um halb acht sind alle Zeitungen verteilt. In 20 Minuten muss Peter Bürth seinen nächsten Job antreten. Zum Glück kennt er die Berliner Schleichwege, sonst könnte er seinen Zeitplan nicht einhalten.

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