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Kompressor | Beitrag vom 23.10.2017

Milli Bau: Seidenstraße 1956 - 1974Raus aus der Enge der fünziger Jahre

Julica Norouzi im Gespräch mit Timo Grampes

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(Milli Bau)
Milli Bau mit Tiger. (Milli Bau)

Eine Frau sprengt alle Konventionen der 1950er-Jahre: 1956 macht sich die damals 50-jährige Fotografin Milli Bau auf und bereist mit ihrem VW-Bus die Seidenstraße. Die Kunsthistorikerin Julica Norouzi hat jetzt ein Buch mit Milli Baus Fotos veröffentlicht.

Die Journalistin und Fotografin Milli Bau ist 50, als sie 1956 ihren VW-Bus startet und zum Zugvogel wird. Sie bereist die Länder der Seidenstraße, Nepal, Indien, China, Usbekistan - führt Tagebuch und schießt tausende Bilder.

Die junge Berliner Kunsthistorikerin Julica Norouzi hat jetzt aus dem Material ein Buch gemacht: "Milli Bau. Seidenstraße/Silk road 1956 - 1974".

"Waldemar, ich werde nie eine Hausfrau sein"

"Sie lebte in Hamburg-Aumühle, war die Ehefrau eines Siemens-Direktors und hat seit den 1940er-Jahren intensiven Kontakt zur Wissenschaftswelt gepflegt und ist schon 1948 auf eine große Expedition nach Bolivien gegangen", sagt Julica Norouzi über Milli Bau, die mit ihren Reisen alle Konventionen der 1950er-Jahre sprengte. 

(Foto: Milli Bau)Mit einem VW-Bus bricht die Journalistin Milli Bau 1956 Richtung Seidenstraße auf. (Foto: Milli Bau)

"Für sie war völlig klar, dass sie ihrem Mann sagte: 'Waldemar, hör zu, ich bin einige Monate im Jahr deine Ehefrau – ich werde nie eine Hausfrau sein, aber deine Ehefrau, ja – und in den anderen Monaten werde ich auf Reisen sein und unterwegs sein, daran musst du dich gewöhnen. Und dann ist sie los."

Julica Norouzi liest aus dem Tagebuch von Milli Bau:

Eindrucksvolle Unmittelbarkeit der Bilder

Sie selbst kannte Milli Bau von klein auf, da diese eng mit Norouzis Mutter befreundet war. Schon als Kind habe sie mit den Rolleiflex-Kästen Milli Baus gespielt, sagt die Kunsthistorikerin. "Sie hat fotografiert mit einer Rolleiflex, und die Rolleiflex ist eine Kamera, die man vor den Bauch hält." Mit einer Rolleiflex fotografiere man gewissermaßen aus der Hüfte heraus, was die Berührungsängst zwischen Fotograf und Objekt reduziere. "Und so schafft sie eine Unmittelbarkeit, die schon eindrucksvoll ist."

(Milli Bau)Jordanien: Beduine auf einem Kamel, fotografiert von Milli Bau (Milli Bau)

Später habe Milli Bau dann als Korrespondentin für die "Welt" im Iran gearbeitet. Auch nach ihrer Rückkehr 1974 habe sie sich weiter mit Bildern beschäftigt: "Es war für Milli sehr wichtig, das, was sie wusste und das, was sie kennengelernt hat, zu teilen", sagt Norouzi. "Bis an ihr Lebensende hat sie Bilder gesammelt, sortiert und verwaltet." (uko)

Milli Bau: Seidenstraße/Silk Road 1956 - 1974
Herausgegeben von Julica Norouzi, Kerber-Verlag 2017 
216 Seiten mit 215 Schwarz-Weiß-Abbildungen, 40 Euro.

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