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Ortszeit / Archiv | Beitrag vom 06.12.2013

Militäreinsätze und WirtschaftsinteressenFrankreich will seine Afrikapolitik ändern

Zweitägige Afrika-Konferenz in Paris

Von Ursula Welter

Für Frankreichs Wirtschaft ist Afrika vor allem ein Markt. Und der ist vielversprechend. Doch die Afrika-Politik ist schwierig. Frankreich arbeitet schwer daran, dass sein Auftreten nicht länger als "neokolonial" wahrgenommen wird.

Afrika kam im Lebenslauf des Francois Hollande kaum vor. Ein Praktikum in der französischen Botschaft in Algier, ein privater Urlaub in Sierra Leone. Das war's.

Aber wie für alle Staatspräsidenten Frankreichs geriet auch für Francois Hollande Afrika schneller auf seine Agenda als gedacht.

In Mali ließ er sich im Frühjahr für den Kampf gegen die Islamisten im Norden des Landes feiern und rief

"Wir haben diesen Krieg gewonnen."

Der stufenweise Truppen-Rückzug aus Mali läuft, da geht es an den nächsten Schauplatz. Diesmal in die Zentralafrikanische Republik. 450 französische Soldaten sind schon dort - mit einem Mandat der Vereinten Nationen kommen nun weitere tausend dazu. Sie sollen die afrikanischen und internationalen Kontingente unterstützen, die religiös motivierten Auseinandersetzungen stoppen, sagt Außenminister Laurent Fabius:

"Wir müssen die humanitäre Katastrophe in Zentralafrika beenden, die Sicherheit wieder herstellen, aber es sind vor allem die Afrikaner, die das tun."

Modernisierung Afrikas nach französischer Manier

Dieser Hinweis auf die "Eigenverantwortung Afrikas" gehört zu den zentralen Aussagen der französischen Regierung, das war in Mali so, und das ist jetzt in Zentralafrika so. Die heute beginnende Pariser Konferenz für " Frieden und Entwicklung in Afrika" steht unter dieser Überschrift: Eigenverantwortung und partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Wie nahezu alle seine Vorgänger hat auch Francois Hollande versprochen, mit der "Francafrique" zu brechen, der Modernisierung Afrikas nach französischer Manier, die stets neokolonialistisch wirkte. Aber so einfach ist es nicht, mit dieser Tradition zu brechen, die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Bande sind bis heute eng geknüpft, und am tradierten Bild Afrikas in Frankreichs politischer Klasse lässt sich so ohne weiteres auch nicht rütteln. Dennoch: Francois Hollande hat nach eigenem Bekunden manche Türen im Apparat verschließen lassen, um dem Klüngel der französisch-afrikanischen Eliten Einhalt zu gebieten:

"'Francafrique' ist vorbei"

"Die Zeit der Politik, die man 'Francafrique' nannte, ist vorbei. Es gibt Frankreich, es gibt Afrika, und es gibt die Partnerschaft, die Zusammenarbeit auf Basis von Offenheit und Solidarität."

Dieses 58. seiner 60 Wahlversprechen will Francois Hollande halten, die Militäreinsätze sollen nicht nach neokolonialem Interesse aussehen.

Viel mehr Spielraum als seine Vorgänger hat der Sozialist allerdings nicht. Eine wirklich "linke" Afrikapolitik gebe es nicht, schreibt der langjährige Staatsrat und Afrikaexperte ,Yves Gounin , in einer sicherheitspolitischen Analyse. Hollande pflege allenfalls einen anderen Stil, weniger von oben herab.

Dafür soll auch die Konferenz stehen, zu der für heute und morgen 40 Staatschefs nach Paris eingeladen sind, die Spitze der Europäischen Union ist auch vertreten und Ban Ki-Moon kommt für die Vereinten Nationen.

Bereits am Mittwoch hatte Frankreichs Finanzminister 500 afrikanischer Unternehmer zu Gast, denn auch darum geht es: Um wirtschaftliche Zusammenarbeit. Denn die einstige Kolonialmacht ist nicht mehr der privilegierte Partner in Afrika. Selbst in den frankophonen Regionen ,außerhalb des Maghreb, sank Frankreichs Marktanteil binnen zehn Jahren auf unter fünf Prozent. In Nigeria, Kenia oder Südafrika liegen diese Marktanteile noch deutlich darunter.

"Alles dreht sich um die Frage, was können wir tun, um diese Tendenz umzukehren. Wie kann Frankreich präsenter sein dort, wo es kaum vertreten ist und wie kann es verlorenes Terrain zurück gewinnen?"

Sagte der frühere Außenminister Hubert Vedrine bei der afrikanischen Wirtschaftskonferenz Mitte dieser Woche in Paris.

Durch gezielte diplomatische Unterstützung hoffen Firmen wie der Transportkonzern Alstom, die Energiekonzerne Total und Bolloré, Firmen wie L'Oreal, Danone und Orange und auch die französischen Banken auf einen neuen Schwung in den französisch-afrikanischen Wirtschaftsbeziehungen.

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