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Fazit | Beitrag vom 12.10.2019

Milhauds Oper "Christoph Colomb"Kolumbus auf der Anklagebank

Uwe Friedrich im Gespräch mit Eckkhard Roelke

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Zeitgenössische Darstellung des genuesischen Seefahrers in spanischen Diensten, Christoph Kolumbus ( dpa - Bildarchiv)
Zeitgenössische Darstellung von Christoph Kolumbus, der in der Oper "Christoph Colomb" auf der Anklagebank Platz nehmen muss. ( dpa - Bildarchiv)

Der Franzose Darius Milhaud komponierte in den 1920er-Jahren eine Oper über Christoph Kolumbus. Das Thema: Kolumbus auf der Anklagebank. Nun hat sich die Oper in Lübeck an den - nicht gerade leichten - Stoff herangewagt.

Uraufführung hatte "Christoph Colomb" 1930 und sorgte für Aufsehen, weil das Werk neben Musik auch Filmprojektionen enthielt. Für die Zuschauer war das damals etwas Besonderes.

"Großer Aufwand, großes Orchester, viele Solisten, großer Chor und doch bin ich nicht ganz davon überzeugt, dass Darius Milhaud ein genuiner Opernkomponist war", ist die Einschätzung von Kritiker Uwe Friedrich.

Musikalisch gut, Stück nicht überzeugend

Und das scheint das Drama des ganzen Stücks zu sein, das es bisher nicht schaffte, fest in den Opernspielplänen verankert zu werden: "Es ist ein vor allem musikhistorisch interessantes Werk", so der Kritiker: "Aber ich fragte mich: Was erzählen die mir eigentlich? Worauf konzentrieren die sich? Es ist eine große Materialschlacht. Aber wo ist der Kern des Stücks?"

Der Kern des Stücks ist in dem imposanten Werk von Milhaud nur schwer auszumachen. Und auch die Story findet unser Kritiker wenig überzeugend: Bevor Kolumbus auf der Anklagebank landet, sieht man, wie er Amerika entdeckt und erlebt Szenen auf dem Schiff. "Es endet in einer Art Heiligsprechung, der gekreuzigte Kolumbus fährt gen Himmel auf und wird angebetet", so Friedrich.

Den Sängern und Musikern wird dabei viel abverlangt. "Musikalisch ein sehr toller Abend, das Problem bleibt, glaub ich, wirklich das Stück", sagt Friedrich.

(nho)

Christophe Colomb
Oper von Darius Milhaud (1892–1974), Libretto von Paul Claudel (1868–1955).
Musikalische Leitung: Andreas Wolf 
Inszenierung: Milo Pablo Momm 
Christophe Colomb I: Johan Hyunbong Choi 
Isabelle: Evmorfia Metaxaki.

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