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Interview / Archiv | Beitrag vom 16.07.2014

MigrationEinwanderungsmuseum wäre "ein politischer Willensakt"

Christoph Stölzl: Thema muss nicht museal aufbereitet werden

Moderation: Nana Brink

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Schülerin mit Migrationshintergrund meldet sich im Unterricht (dpa / Waltraud Grubitzsch)
Schüler mit Migrationshintergrund im Unterricht (dpa / Waltraud Grubitzsch)

Deutschland ist laut OECD Einwanderungsland Nummer Zwei nach den USA. Dort wird die Geschichte der Einwanderer stolz in Museen gezeigt. Ein solches Einwanderermuseum wäre in Deutschland vielleicht nicht die beste Darstellungsform, findet Christoph Stölzl, Gründungsdirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin.

Rund ein Fünftel der Deutschen hat einen Migrationshintergrund. Die Forderung nach einem Einwanderungsmuseum, das die Migrationsgeschichte würdigt, wird daher immer wieder erhoben. Es sei "höchste Zeit für ein Einwanderungsmuseum!", hatte der "Tagesspiegel"-Redakteur Malte Lehming gefordert.

Christoph Stölzl hingegen bezweifelt, ob ein Museum heute noch "die einzig richtige Form ist und die richtige Methode, um dieses Thema noch bekannter zu machen". Möglicherweise könne das Thema über eine Online-Plattform besser vermittelt werden.

Wer ein klassisches Museum plane, müsse sich zudem darüber im Klaren sein, wo eine solche Einrichtung überhaupt entstehen solle. Auch seien "viel Platz und Geld" nötig - und eine Persönlichkeit, die das Vorhaben in der Öffentlichkeit promote und vorantreibe. Ein Museum von dieser Größenordnung sei ein politischer Willensakt, die Idee des Deutschen Historischen Museums habe damals Helmut Kohl machtvoll in die Hand genommen und die Finanzierung gesichert.

Der Präsident der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Christoph Stölzl, steht am 06.02.2014 in Weimar (Thüringen) vor dem Fürstenhaus, in dem sich die Musikhochschule befindet. Stölzl feiert am 17. Februar seinen 70. Geburtstag. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)Höchste Zeit für ein Einwanderungsmuseum, Herr Stölzl? (picture alliance / dpa / Martin Schutt)

Außerdem müssten zunächst einmal die verschiedenen Einwanderungsgruppen - die Italiener, Spanier, Griechen oder Türken - gefragt werden, "ob die überhaupt miteinander unter einem Dach sein wollen". Und: "Wollen die Migranten-Familien wirklich dahin gehen?"

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