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Lesart | Beitrag vom 28.07.2020

Michael Wildenhain über "Die Erfindung der Null"Nicht nur für Mathematiker

Moderation: Joachim Scholl

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Ein Porträtfoto zeigt Michael Wildenhain, Autor und Schriftsteller angelehnt an eine Treppe im öffentlichen Raum. (laif / SZ Photo / Anna Weise)
Um höhere Mathematik und ein Genie geht es in Michael Wildenhains neuem Roman "Die Erfindung der Null". (laif / SZ Photo / Anna Weise)

Höhere Mathematik ohne die Null? Unmöglich. Autor Michael Wildenhain hat die Liebe zur Mathematik in seinem neuen Roman verarbeitet. Um ihn zu lesen, muss man kein Rechengenie sein, aber Spaß daran haben, die Handlungsfäden eines Krimis zu entwirren.

Für jemanden, der Informatik, Philosophie, Mathematik und Wirtschaftsingenieurwesen studiert hat, ist es vielleicht nur folgerichtig, irgendwann einmal einen Roman über höhere Mathematik zu schreiben. Michael Wildenhains neuer Roman heißt "Die Erfindung der Null", und über deren Bedeutung sagt er: "Die Null war ein Quantensprung in der Mathematik. Ohne sie gäbe es keine höhere Mathematik." Die alten Römer kannten keine Null – im Grund "konnten sie deshalb nur um die Ecke bauen, aber keine Kurven."

In Wildenhains Roman geht es nicht um Römer, sondern um einen Kriminalfall. Martin Gödeler, Doktor der Mathematik und Nachhilfelehrer aus Stuttgart, wird verdächtigt, für das Verschwinden seiner Urlaubsbegleitung Susanne Melforsch verantwortlich zu sein. Ein junger Staatsanwalt möchte den Mathematiker unbedingt des Mordes überführen.

Doch es kommt anders. Gödeler erzählt ihm sein Lebensgeschichte. Es ist die Geschichte eines Zahlengenies, dessen Leben stets von der Ekstase diktiert war, sei es in seinen Beziehungen zu Frauen, sei es im Aufgehen in der Mathematik. Als die Untersuchungshaft aufgehoben wird, verschwindet Martin Gödeler spurlos. Was bleibt, ist das Protokoll einer höchst eigentümlichen Existenz.

Inspiriert durch die Wissenschaft

"Er hat den Abzweig in die Wirklichkeit irgendwann verpasst", sagt Wildenhain über seinen Protagonisten. Der Autor selbst ist das Gegenteil seines Mathematikerhelden: Ausgesprochen vielseitig, diesseitig und in seinen letzten Romanen wie "Das Lächeln der Alligatoren" und "Das Singen der Sirenen" mehr und mehr von Kunst- und Technikwissenschaft inspiriert.

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Kenntnisse über höhere Mathematik braucht man für seinen neuen, komplex komponierten Roman aber nur bedingt: Man kann sich einfach hindurchtragen lassen – eben wie durch einen spannenden Krimi. Eine gewisse Kombinationsgabe kann aber nicht schaden, denn, so Wildenhain: "Der Roman legt, wie ein guter Kriminalroman, einiges an falschen Spuren."

(mkn)

Michael Wildenhain: "Die Erfindung der Null"
Klett-Cotta Verlag 2020, 303 Seiten, 22 Euro

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