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Fazit / Archiv | Beitrag vom 04.12.2017

Metropolitan Opera suspendiert James Levine "Gewiss eine angemessene Entscheidung"

Gerald Mertens im Gespräch mit Gabi Wuttke

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James Levine dirigiert das Boston Symphony Orchestra beim Luzern-Festival (Archivfoto vom 26.08.2007).  (picture alliance / dpa / Sigi Tischler)
James Levine dirigiert das Boston Symphony Orchestra beim Luzern-Festival (Archivfoto vom 26.08.2007). (picture alliance / dpa / Sigi Tischler)

Der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, Gerald Mertens, begrüßt die Konsequenz der Metropolitan Opera. Angesichts der Missbrauchsvorwürfe gegen den Stardirigenten James Levine sei seine Suspendierung angemessen.

Über mehr als vier Jahrzehnte war James Levine der Stardirigent der New Yorker Metropolitan Opera (Met). Doch als Vorwürfe über sexuellen Missbrauch laut wurden, folgte der Sturz: Levine wurde von der Met suspendiert. "Die Metropolitan Opera hat angesichts der Meldungen gewiss eine angemessene Entscheidung getroffen: Wenn ein Chefdirigent mit so schweren Vorwürfen konfrontiert wird, ist das für ein Haus der internationalen Ausstrahlung ein ganz großer Gau, und da muss man dann sehr konsequent damit umgehen, denn das Publikum erwartet natürlich eine klare Haltung und auch Sponsoren erwarten eine klare Haltung", sagte Gerald Mertens, der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung. Insofern sei es konsequent, wie sich die Met verhalte. 

James Levine hatte sich um das Jahr 2000 in Deutschland aufgehalten und war bei den Münchner Philharmonikern engagiert. Hier sei kein Missbrauchfall bekannt geworden. Das heißt natürlich nicht, dass nichts passiert sein könnte. "In der Tat gibt es hier bestimmt eine Dunkelziffer", sagte Mertens. Jedoch könnten Missbrauchsopfer durch den aktuellen Fall, genau wie bei der Kampagne #metoo, ermutigt werden, in die Öffentlichkeit zu gehen.  

"Wir sind bereits sensibilisiert"

Die Deutsche Orchestervereinigung habe aus früheren Fällen gelernt. "Wir sind bereits sensibilisiert", sagte Mertens im Gespräch. "Die Frage der Rolle - denke ich mal - ist wichtig: Wenn jemand eine leitende Position hat und damit auch über Engagements entscheidet. Wenn so etwas passiert, dann in der Tat sind alle Grenzen überschritten." Um das zu verhindern, sei es angebracht, Richtlinien zu veröffentlichen. Ruhm spiele aber auch eine Rolle, sagte Mertens.

"Der Nimbus des Künstlers, also des unantastbaren Intendanten oder großen Dirigenten spielt da gewiss eine Rolle. Man kennt das von Popstars, wo dann nach der Show sehr viele Groupies an der Bühne stehen. Das gibt es im eingeschränkten Bereich im Klassikbereich natürlich auch", sagte er. In einigen Häusern gebe es auch Betriebsvereinbarungen hinsichtlich des Umgangs mit Kollegen und Mitarbeitern. In der Szene der klassischen Musik müsse ein größeres Bewusstsein herbeigeführt werden. Aber auch von den Geldgebern, sprich der Politik, müsse mehr getan werden, um Missbrauch Einhalt zu gebieten.

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