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Interview / Archiv | Beitrag vom 08.03.2019

Menschenrechtsaktivistin Düzen TekkalWie eine Journalistin ehemaligen IS-Gefangenen hilft

Düzen Tekkal im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Die Journalistin Düzen Tekkal (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)
Die Journalistin Düzen Tekkal (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)

Von der Journalistin zur Menschenrechtsaktivistin: Mit ihrem Verein Hawar.help setzt sich Düzen Tekkal auch für Frauen und Mädchen ein, die in IS-Gefangenschaft waren. Und die jetzt im kurdischen Flüchtlingslager Qadiya ausharren müssen.

Seit einem halben Jahr gibt es im nordirakischen Flüchtlingslager Qadiya ein Frauen-Empowerment-Center, das Frauen und Mädchen, die in IS-Gefangenschaft waren, helfen soll, ins Leben zurückzufinden.

"Das ist ein Projekt, was sich an Musliminnen, Christinnen und Jesidinnen richtet", erklärt die Journalistin Düzen Tekkal, Gründerin und Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation "Hawar.help", die das Center betreibt. "Wir kümmern uns um Frauen, die teilweise über dreieinhalb Jahre in IS-Gefangenschaft waren, ihre kurdische Muttersprache vergessen haben, sprich: kein Wort mehr können und neu alphabetisiert werden müssen. Wir reden auch von traumatisierten Frauen, schwer traumatisierten Frauen – und Kindern, deren Familienangehörige noch in Gefangenschaft sind, verstorben sind, teilweise Väter, die enthauptet worden sind."

"Die Power kommt aus ihnen selbst heraus"

Neben Kursangeboten wie Alphabetisierung oder schlicht Nähen geht es auch darum, einen Ort der Begegnung zu schaffen. Denn auch wenn angesichts des Völkermordes das Thema "Friedensaussöhnung" derzeit weit weg sei, wolle man doch versuchen, "die Frauen verschiedener Religionen zusammenzubringen, damit sie in den Austausch gehen", sagt Tekkal. Das gehe zwar nicht immer konfliktlos über die Bühne, aber durch die Identifizierung mit der Arbeit entstehe viel Selbstwertgefühl. Und dazu haben diese Frauen offenbar auch sonst allen Grund:

"Wir denken ja immer in Europa – teilweilse -, wir müssten den Frauen weltweit die Welt erklären", sagt die Journalistin. "Und ich muss ganz ehrlich sagen: ich habe es umgekehrt erlebt. Unsere Erfahrung ist ganz konkret, dass diese Frauen, auf die wir treffen, viel mehr Hürden zu bewältigen haben, teilweise stärker sind als wir selber und wir eigentlich die Aufgabe haben, ihnen die Steine aus dem Weg zu räumen. Denn die Power sozusagen, die kommt aus ihnen selbst heraus."

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