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Thema / Archiv | Beitrag vom 27.07.2006

Menschen verändern sich nicht

"LOGIK"-Studie zeigt: Persönlichkeit bereits in Kindheit ausgeprägt

Von Susanne Billig

"LOGIK" zeigt: Die soziale Kompetenz wird in Kindheit geprägt (Stock.XCHNG / tim & annette)
"LOGIK" zeigt: Die soziale Kompetenz wird in Kindheit geprägt (Stock.XCHNG / tim & annette)

Zwanzig Jahre lang beobachteten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut bei der "LOGIK"-Studie 200 Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren. Das wichtigste Ergebnis: Fast alle Grundmerkmale der Persönlichkeit zeigen sich schon bei Drei- bis Vierjährigen und ändern sich im Laufe des Lebens kaum noch.

Sie hören nicht zu, schlafen bis in die Puppen, quittieren jeden zweiten Satz ihrer Eltern mit einem gelangweilten Gähnen oder aufbrausender Gegenwehr – Jugendliche in der Pubertät. Doch eine psychologische Langzeitstudie hat nun herausgefunden: Die Pubertät ist in vieler Hinsicht der Höhepunkt in der Entwicklung eines Menschen.

Zwanzig Jahre lang beobachteten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für psychologische Forschung in München die Entwicklung von 200 Kindern im Alter von vier bis zwölf Jahren. Die Mammut-Untersuchung – sie lautet auf den anspruchsvollen Namen "Longitudinalstudie zur Genese individueller Kompetenzen", kurz "LOGIK" - wurde später unter der Leitung des Psychologen Wolfgang Schneider von der Universität Würzburg fortgeführt. Im Jahr 2005 schlossen die Wissenschaftler ihre Untersuchungen ab und präsentieren sie nun der Öffentlichkeit.

Das wichtigste Ergebnis der "LOGIK"-Studie: Fast alle Grundmerkmale der Persönlichkeit zeigen sich schon bei Kindern von drei oder vier Jahren und ändern sich im Laufe des Lebens kaum noch. Kindheit und Jugend sind von alterstypischen Reifungsprozessen begleitet – doch nach der Pubertät lassen sich nur noch minimale Veränderungen im Denk- oder Gedächtnisvermögen oder auch bei den Moralvorstellungen verzeichnen.

Die Forscher untersuchten während der Studie die Kinder bis zu dreimal im Jahr über mehrere Stunden hinweg. Dabei scannten sie die gesamte Psychologie ihrer jungen Probanden: die kognitive Entwicklung - also Gedächtnis, Intelligenz, mathematische Fähigkeiten und Lesefähigkeit und die so genannte "motivationale Entwicklung", also Leistungs- und Lernbereitschaft und das Selbstbild der Kinder.

Auch die soziale Entwicklung nahmen die Wissenschaftler unter die Lupe: Kontaktverhalten, Schüchternheit oder Aggressivität der Kinder. Und schließlich nahmen die Wissenschaftler die moralische Entwicklung der jungen Menschen ins Visier – alles das im Laufe von 20 Jahren.

Am Ende waren die Psychologen selbst von den Kontinuitäten überrascht: Kinder, die mit sieben Jahren beim Diktat mehr Fehler machten als andere, taten dies auch noch mit 23 - ganz gleich, wie unterschiedlich die Schulen waren, die sie besuchten, oder die Lehrer, die ihnen das Schreiben beibrachten.

Wer bereits früh als aggressiv auffiel, zeigte auch als Erwachsener soziale Auffälligkeiten, wurde häufiger straffällig und nahm vermehrt Drogen - unabhängig von der sozialen Herkunft.

Ähnlich sah es bei der moralischen Entwicklung aus: Wer schon in jungen Jahren schnell dabei war, anderen Kindern Spielsachen oder Schokolade zu stehlen – im vollen Wissen um die Regelwidrigkeit dieses Verhaltens – geriet auch als Erwachsener häufiger mit dem Gesetz in Konflikt. Mädchen und junge Frauen hielten sich übrigens eher an die Regeln – auch solche Geschlechtsunterschiede traten bei der Langzeitstudie zu Tage.

Eltern von pubertierenden Jugendlichen können sich nun also trösten: Sie erleben den grandiosen Höhepunkt in der Entwicklung ihres Kindes hautnah mit – danach, sagt jedenfalls die "LOGIK"-Studie, passiert nicht mehr viel.

Das Gespräch zum Thema mit dem Leiter der Studie Wolfgang Schneider, Professor für Psychologie an der Universität Würzburg, können Sie für begrenzte Zeit in unserem Audio-on-Demand-Player hören.

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