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Kompressor | Beitrag vom 10.05.2021

Memes als SammelobjekteDie Geburt des digitalen Kunstmarktes

Caren Miesenberger im Gespräch mit Massimo Maio

Szene aus »David after Dentist«. Das Bild zeigt einen Jungen mit einem weit aufgerissenen Mund auf der Rückbank eines Autos sitzend. (Screenshot / Youtube / booba1234)
Das Video "David after Dentist" wurde zum Internethit. Nun ist sein NFT versteigert worden. (Screenshot / Youtube / booba1234)

Internet-Memes wie das Video "David after Dentist" sind lustig, Geld verdienen ließ sich mit ihnen bisher aber kaum. NFTs haben das geändert: Sie können ein digitales Werk als Original auszeichnen und es so zum begehrten Sammelobjekt machen.

Stellen Sie sich vor: Jemand macht einen Schnappschuss von Ihnen. Dieser wird ins Internet gestellt und geht viral. Auf einmal sind Sie wegen des Memes weltberühmt. Das bringt Ihnen allerdings wenig. Denn Geld verdienen konnten Sie bisher damit nicht. Das hat sich nun geändert. Mit sogenannten NFTs können Menschen, deren Bilder viral gingen und zu Memes wurden, diese monetarisieren. Eine Sensation in der Meme-Welt.

Welche Memes werden gerade verkauft?

Aktuell hat ein mittlerweile 20-jähriger Mann ein Video für mehr als 10.000 Euro versteigert. Er wurde als Kleinkind mit dem Video "David after Dentist" berühmt, das ihn auf dem Rückweg vom Zahnarzt sediert im Auto sitzend zeigt.

Auch "Disaster Girl" hat ihr Meme als NFT versteigerte. Das Bild stammt aus dem Jahr 2005 und zeigt die US-Amerikanerin Zoe Roth als vierjähriges Mädchen. Sie steht vor einem brennenden Haus und lächelt wissend in die Kamera.

Hier geht es zur Denkfabrik 2021. Auf der Suche nach dem Wir. (Foto: Deutschlandradio)

Das Bild ist bis heute ikonisch, Roth wurde berühmt. Aber weder sie noch ihr Vater, der das Foto machte, haben nach eigenen Aussagen damit Geld verdient – bis NFTs kamen. Damit konnten sie dem Bild eine digitale Signatur verpassen und haben es versteigert. NFTs werden mit Kryptowährung verkauft. In ihrem Fall für 180 Ether, rund 340.000 Euro. Das Foto ist das bisher am teuersten verkaufte Meme.

Was genau sind überhaupt NFTs?

NFT steht für Non-Fungible Token: nicht-ersetzbares Zertifikat. Sie können genau zugeordnet werden und dienen so als virtuelles Echtheitszertifikat, zurückverfolgbar durch Registrierung auf der Blockchain. Durch NFTs können digitale Objekte also als einzigartig ausgezeichnet werden.

Zwar können von dem Bild noch etliche Kopien existieren, aber nur das NFT gilt als Original. Ähnlich wie bei Gemälden: Es kann viele Kunstdrucke von Paula Modersohn-Becker geben, aber das echte Gemälde kann nur eine Person besitzen.

Dadurch werden digitale Bilder, Videos oder GIFs einzigartig und zu einem potenziell wertvollen Sammelobjekt. Urheberrechtsinhaberinnen können dadurch Geld mit einem Bild verdienen. 

Wer kauft und wer verkauft NFTs?

NFTs sind bisher noch nicht reguliert und verkaufen sich auf Rekordniveau. Das macht sie zu einem interessanten, neuen Investment. Aus diesem Grund ist es für kapitalinteressierte Player aus der Kulturwelt interessant, dort die eigene Arbeit anzubieten, wie zum Beispiel große private Galerien oder die Band Scooter, die begleitend zu ihrem neuen Album NFT-Artwork versteigert hat.

(cam/lkn)

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