Hörspiel, vom 10.04.2009

Von Herbert Achternbusch

"Ich bin dankbar, dass ich meine Waschmaschine ausräumen und die Wäsche aufhängen kann, eine Bestätigung. Ein Joch hingegen ist das Schreiben, das Malen ist nackte Sklaverei: Man schuftet für nichts, kein Entgelt, kein Zuspruch. An einem heißen Wochenende - war es vor 14 Tagen? - schrieb ich 'Meine Grabinschrift'. Ein herbes Sprechstück stand vor mir, keine Bewegung, nur Sätze, allerdings Satz um Satz gesprochen wie geschrieben.

Der Schauspieler und Regisseur Herbert Achternbusch (AP)
Der Schauspieler und Regisseur Herbert Achternbusch (AP)

So gespannt wie diese zwei Tage schien mir mein Sprachbogen noch nie. Selbstverständlich mit der ständigen Angst, dass er bricht, der Bogen. 'Rindfleisch' steht da unverhofft auf einem weißen Holzschild in schwarzer Schrift am Straßenrand. Natürlich weiß ich, was gemeint ist, und trotzdem steht da nichts anderes zu lesen als 'Rindfleisch', warum nicht 'Rindviech'?". (Herbert Achternbusch)

Regie: Jörg Jannings
Komposition: Klaus Buhlert
Darsteller: Traugott Buhre, Jens Harzer
Produktion: Bayerischer Rundfunk 1997
Länge: 60'15

Herbert Achternbusch, geboren 1938 in München. Schriftsteller, Dramatiker, Filmemacher und Maler.

anschließend: "Die Stunde des Todes"
Autorenlesung Herbert Achternbusch (Ausschnitt/DLF 1974)