Mein verschwundenes Land

Eine zerstörte Brücke in Serbien auf einem Archivbild von 1999. © AP
Von Sabine Voss · 28.07.2009
Viele Autoren aus dem ehemaligen Jugoslawien, die der Krieg Anfang der 90er-Jahre nach Deutschland verschlug, sind geblieben. Manche kamen als Jugendliche oder waren gerade erwachsen – jung genug, um sich im deutschen Exil neu zu verwurzeln.
Ihre Debüts erscheinen auf Deutsch, während ihre älteren Exil-Kollegen weiterhin in einer Muttersprache schreiben, die nun – weil es die gemeinsame Sprache des Vielvölkerstaats nicht mehr gibt – Serbisch, Kroatisch oder Bosnisch heißt.

Generationenübergreifend aber sind in ihren Texten Spuren eines alten Jugoslawiens zu finden, das sich der Spaltung in Nationalstaaten widersetzt. In den Stoffen und Themen mancher ex-jugoslawischer Exilautoren ist aufbewahrt, was den Zerfall Jugoslawiens überlebt hat: eine gemeinsame multi-ethnische Identität, eine gemeinsame Kultur. Das alte Jugoslawien scheint als Widergänger in den Texten auf.

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