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Mittwoch, 14.04.2021
 
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Kulturnachrichten

Sonntag, 14. März 2021

Mehr Schutz für Frauen durch neue App in Tel Aviv

Die israelische Metropole Tel Aviv hat eine neue App eingeführt, die Frauen und Mädchen mehr Sicherheit geben soll. "Safeup" basiert auf einem Netzwerk von Frauen, zu dem auch speziell geschulte "Wächterinnen" gehören. Einwohnerinnen können die App einsetzen, wenn sie sich bedroht oder unsicher fühlen. "Die App wird Reaktionszeiten verkürzen und Frauen auch in Fällen helfen, in denen man nicht die Polizei rufen muss", teilte am Sonntag die Tel Aviver Stadtverwaltung mit. Die Anwendung kann auf mehrere Arten genutzt werden: In Situationen, in denen sich Frauen unwohl oder mulmig fühlen, etwa auf dem Heimweg im Dunkeln, können sie mit einem anderen Mitglied telefonieren. In realen Gefahrsituationen verbindet die App die betroffene Frau per Videogespräch mit drei anderen Frauen in einer Entfernung von bis zu 500 Metern. Diese entscheiden, ob sie die Polizei rufen oder selbst einschreiten. Ähnliche Apps gibt es bereits in anderen Ländern, etwa "WayGuard" auch in Deutschland oder das von einer indischen Initiative gelaunchte Modell "Safecity".

Verleihung der Grammys in Los Angeles

In Los Angeles werden in der Nacht zum Montag die Grammys verliehen. Zu den Favoriten für den begehrten US-Musikpreis gehört R&B-Diva Beyoncé mit neun Nominierungen, gefolgt von Taylor Swift, Dua Lipa und Roddy Ricch mit je sechs Nominierungen. Mit dem während der US-weiten Proteste gegen Rassismus veröffentlichten "Black Parade" kann Beyoncé sich Hoffnungen auf die Auszeichnungen für den besten Song und die beste Platte machen. Auch deutsche Musiker können sich Hoffnungen auf das Goldene Grammophon machen. In diesem Jahr ist der Pianist Igor Levit in der Kategorie "Bestes Klassisches Instrumentalsolo" für seine Beethoven-Sonaten nominiert. Preis-Chancen haben außerdem der Violinist Augustin Hadelich, das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks, die Frankfurter Big Band sowie das Orchester und der Chor der Deutschen Oper Berlin. Insgesamt werden Preise in 84 Kategorien verliehen.
Wegen der Corona-Pandemie findet die Grammy-Gala in einer Mischung aus Videoschaltung und Live-Auftritten statt.

Cello-Virtuose Yo-Yo Ma spielt in Corona-Impfzentrum

Der weltberühmte Cellist Yo-Yo Ma hat ein improvisiertes Konzert in einem Corona-Impfzentrum im US-Bundesstaat Massachusetts gegeben. Nachdem der Künstler dort am Samstag seine zweite Impfdosis erhalten hatte, überraschte er das Personal und die anderen Patienten mit einer etwa fünfzehnminütigen musikalischen Einlage. Das "Berkshire Community College", in dem sich das Impfzentrum befindet, veröffentlichte Ausschnitte des Konzerts auf seiner Facebook-Seite. Yo-Yo Ma, US-Amerikaner mit chinesischen Wurzeln, habe als Dank für die Impfung etwas zurückgeben wollen, sagte der Verantwortliche des Zentrums einer Lokalzeitung. Der Cello-Virtuose posted seit einem Jahr regelmäßig seine Interpretationen von Werken Bachs, Beethovens und anderer Komponisten in den sozialen Netzwerken, unter den Hashtags #songsofcomfort oder #songsofhope.

Verloren geglaubter "Schatz von Sárvár" wird versteigert

Bislang verloren geglaubte Kunstgegenstände aus dem Besitz der bayerischen Königsfamilie werden ab Montag in München versteigert. Nach Angaben des Auktionshauses Neumeister stammen sie aus Schloss Nádasdy in der westungarischen Stadt Sárvár, in der König Ludwig III. vor bald 100 Jahren, am 18. Oktober 1921, starb. Die Familie habe auf der Flucht vor der Roten Armee zahlreiche Kunstgegenstände im Schloss zurücklassen müssen, sagte die Geschäftsführerin des Auktionshauses, Katrin Stoll. Vieles sei eingemauert worden und erst 1952 wieder zum Vorschein gekommen. Nach dem EU-Beitritt Ungarns 2004 hätten die rechtmäßigen Erben Restitutionsverhandlungen mit dem ungarischen Staat aufgenommen. "Nun ist der Schatz von Sárvár frei", so Stoll.
Es sei "ein seltener Glücksfall", dass "Kunstgegenstände von dermaßen großer historischer Bedeutung, dazu noch in gesicherter Provenienz, in eine Auktion gelangen". Unter den Hammer kommen Silber, Porzellan und Gemälde aus dem Besitz der Wittelsbacher Königsfamilie. Besondere Highlights sind die teils unbekannten Porträts, gemalt von Joseph Stieler, dem Hofmaler von König Ludwig I.

Thea Dorn: Gesellschaft will Tod nicht mehr wahrhaben

Die Gesellschaft hat ein Problem mit dem Tod - dieser Meinung ist die Schriftstellerin und Moderatorin Thea Dorn. Vor einigen Generationen habe der Tod noch unweigerlich zum Leben gehört, sagte Dorn der "Augsburger Allgemeinen". Heute werde der Tod als eine Art peinlicher Unfall tabuisiert. "Der medizinisch-technologische Fortschritt hat dafür gesorgt, dass wir den Tod erstaunlich erfolgreich zurückdrängen können - aber eben auch dafür, dass wir ihn letztlich gar nicht mehr wahrhaben wollen", so die 50-jährige Publizistin. Die Menschen stünden "ratlos und panisch da, wenn uns der Tod wieder stärker ins Bewusstsein rückt, so wie nun in dieser Pandemie." Ein Trostspender ist nach Ansicht Dorns die Kunst. Sie finde es schockierend, dass Politiker "so tun, als sei ein lebendiges Kulturleben ein verzichtbarer Luxus. Die Künste sind keine Petersilie, mit der wir den Lebensbraten garnieren, sie gehören zum Menschsein existenziell dazu! Nicht zuletzt, weil sie ein Ventil auch für dunkle Emotionen wie Verzweiflung, Wut und Zorn sind, die wir im politischen Raum nicht haben wollen, die aber dennoch Ausdrucksformen brauchen."

Altphilologen: Latein und Griechisch lebendig halten

Die klassischen Sprachen Latein und Griechisch sollen auch in einer immer digitaleren Welt lebendig bleiben. Diesen Wunsch hat der neue Bundesvorsitzende des Altphilologen-Verbands, Stefan Freund, geäußert: "Unser Ziel ist es, den bleibenden Bildungswert des Lateinischen und Griechischen lebendig und nutzbringend zu erhalten in einer digitalen Welt und für eine Gesellschaft, die sich mit großen sozialen und ökologischen Herausforderungen konfrontiert sieht." Freund, der Inhaber des Lehrstuhls für Latein an der Universität Wuppertal ist, wurde am Wochenende von rund 6.000 Latein- und Griechisch-Lehrer*innen und Dozent*innen gewählt.

Frankreichs Kulturwelt protestiert gegen Lockdown

Frankreichs Kulturwelt verleiht ihrer Forderung nach Wiedereröffnung der Kultureinrichtungen mit immer mehr aufsehenerregenden Aktionen Nachdruck. In den vergangenen Tagen wurden landesweit mehr als 30 Schauspielhäuser besetzt, darunter bedeutende Theater in Paris und Straßburg. Auch die Kinos wehren sich: An diesem Wochenende öffneten aus Protest gegen den coronabedingten Kultur-Lockdown 20 Lichtspielhäuser ihre Säle und boten kostenlos Vorführungen an. Ihrem Unmut über die Schließung der Kinos machten auch zahlreiche Schauspielerinnen und Schauspieler bei der Vergabe der französischen Filmpreise "Césars" Luft. Es reiche nun, sagte Leinwandstar Isabelle Huppert bei der Gala am Freitagabend. Und die Darstellerin Corinne Masiero zog sich nackt aus - in Anspielung auf eine Kulturszene, die von der Regierung im Stich gelassen wird. In Frankreich sind Museen, Theater und Kinos seit Ende Oktober geschlossen. Die Kulturschaffenden werfen der Regierung vor, ihnen keine Wiedereröffnungs-Perspektive zu bieten.

Corona-Hilfen für Kulturschaffende in Bayern

Kulturschaffende in Bayern können ab Montag wieder Anträge auf Corona-Hilfen stellen. Das Soloselbstständigen-Programm des bayerischen Kunst-Ministeriums gehe in die zweite Runde, gab Minister Bernd Sibler (CSU) am Sonntag in München bekannt. Künstlerinnen und Angehörige kulturnaher Berufe könnten die Finanzhilfen in Höhe von bis zu 1.180 Euro monatlich als Ersatz für entfallende Erwerbseinnahmen für bis zu sechs Monate im Zeitraum von Januar bis Juni 2021 beantragen. Zudem seien noch bis zum 31. März rückwirkend die Hilfen für Oktober bis Dezember 2020 beantragbar.

"Supernova"-Regisseur beklagt russische Filmzensur

Weil ein russischer Verleiher den Sex eines schwulen Paares aus seinem Film "Supernova" herausgeschnitten hat, hat der britische Regisseur Harry Macqueen Selbstzensur in Russland beklagt. Sein Filmdrama solle überall auf der Welt im Original gezeigt werden, forderte Macqueen in einem Interview mit dem Magazin "Advocate". "Supernova" mit Colin Firth und Stanley Tucci handelt von der gemeinsamen Reise eines Paares, nachdem einer der beiden Männer die Diagnose Demenz erhalten hat. In der Version, die seit vergangener Woche in russischen Kinos gezeigt wird, fehlt eine Szene, in der die Partner erfolglos versuchen, miteinander zu schlafen. Dies sei ein gravierender Eingriff, kritisierte der russische Filmkritiker Anton Dolin: Unaufmerksame Zuschauer könnten denken, der Film zeige einfach eine tiefe Männerfreundschaft. Homosexualität ist in Russland vielerorts noch immer ein Tabuthema. Immer wieder beklagen Künstler das Herausschneiden von gleichgeschlechtlichem Sex aus Filmen. "Auch wenn wir anerkennen, dass die russischen Filmverleiher unter Druck gesetzt werden, werden wir eine solche Zensur nicht tolerieren", so Harry Macqueen gegenüber "Advocate".

Afghanistan nimmt Singverbot für Mädchen zurück

Nach heftiger Kritik hat Afghanistans Regierung das Singverbot für Schulmädchen wieder rückgängig gemacht. Es stehe nicht im Einklang mit der offiziellen Position und den Verfahrensweisen des Ministeriums für Erziehung, erklärte das Bildungsministerium laut einem Bericht des TV-Senders "Tolo News". Am Mittwoch hatte das Ministerium eine Verordnung erlassen, die es Mädchen ab zwölf Jahren untersagte, die Nationalhymne oder andere Lieder in der Öffentlichkeit zu singen, sofern sie sich nicht ausschließlich in weiblicher Gesellschaft befanden. Das Verbot sollte für Staats- und Privatschulen gleichermaßen gelten. Der Schritt war in Afghanistan auf heftige Ablehnung gestoßen. Die Menschenrechtskommission des Landes nannte das Verbot verfassungswidrig.

Neuer Vorschlag zum Bundesinstitut für Fotografie

Im Ringen um den Standort für das geplante Bundesinstitut für Fotografie hat die Stadt Düsseldorf ein "Cluster" mit zwei Standorten ins Gespräch gebracht. Am Freitag war bekannt geworden, dass eine von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie die Stadt Essen favorisiert. Der Standort im Ruhrgebiet sei besser geeignet als Düsseldorf. In einer Mitteilung, in der Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) zitiert wird, heißt es, es könnten zwei Institutionen entstehen, die eng miteinander kooperierten. Sowohl das Rheinland als auch das Ruhrgebiet spielten in der Geschichte und Entwicklung der Fotografie eine bedeutende Rolle. Eine Kooperation der Landeshauptstadt Düsseldorf mit der Stadt Essen könne wertvolle Synergien schaffen und Positionen und Ansätze der Fotografie zusammenführen. Auf diese Weise könne sich ein breit aufgestelltes Fotografie-Cluster mit internationaler Strahlkraft entwickeln. Das neue Bundesinstitut für Fotografie soll unter anderem die Nachlässe wichtiger Fotografen in Deutschland sichern.

Amnesty verurteilt Repressionen in Myanmar

Amnesty International hat die zunehmenden Repressionen gegen Journalisten in Myanmar scharf verurteilt. Einheimische Reporter müssten sich teilweise vor Verfolgung verstecken und inzwischen würden zunehmend auch ausländische Medienvertreter an ihrer Arbeit gehindert und verfolgt, sagte Amnesty-Deutschlandchef Markus Beeko der Deutschen Presse-Agentur. Die Verhaftung des polnischen Journalisten Robert Bociaga passe in dieses Bild und sei aufs Schärfste zu verurteilen. Bociaga, der für die dpa und andere Medien in Myanmar tätig ist, war am Donnerstag Medienberichten zufolge von Einsatzkräften festgenommen worden. Der 30-Jährige soll dabei auch geschlagen worden sein. Die deutsche Botschaft in Myanmar bemüht sich um Zugang zu dem Reporter, dessen Aufenthaltsort unbekannt ist.

Intendant zweifelt an Schnelltest-Pilotprojekt

Der Intendant der Berliner Schaubühne hat die Idee, nach erfolgten Corona-Schnelltests, wieder in Theater, Operhäuser und Clubs gehen zu dürfen, ausdrücklich begrüßt. Es sei "alles richtig und wichtig, was versucht, die Kunst- und Kulturinstitutionen in die Situation zu bringen, mit einem sicheren Konzept wieder zu spielen, wieder vor Publikum zu gehen", sagte Thomas Ostermeier im Deutschlandfunk Kultur. Er zweifle allerdings an der Umsetzung: "Fünf Teststationen in der Stadt sind zu wenig", sagte er. Ostermeier befürchtet, das Tests-Pilotprojekt werde weder "vor Mitte April ausgewertet" noch lande man "mit den Inzidenzen unter 50, wo man ohne Schnelltests spielen" könnte.

Netflix testet hartes Vorgehen gegen Passwort-Weitergabe

Der Streaming-Dienst Netflix hat Medienberichten zufolge in den USA einen strengeren Umgang mit der Weitergabe von Passwörtern getestet. Das solle sicherstellen, dass Menschen, die Netflix-Konten nutzten, dazu berechtigt seien, hieß es von Seiten des Unternehmens. Die Umfrage einer Beratungsfirma hatte ergeben, dass rund ein Drittel der Abonnenten von Streaming-Diensten ihre Passwörter an Menschen weitergeben, die nicht in ihrem Haushalt wohnen.

Volksbühne-Intendant des Sexismus beschuldigt

Mehrere Mitarbeiterinnen der Berliner Volksbühne haben ihrem Intendanten Klaus Dörr sexualisierte Grenzüberschreitung vorgeworfen. Bereits im November 2020 reichten zehn Mitarbeiterinnen des Theaters ihre Beschwerde gegen Dörr bei Themis ein, der Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt, berichtet die Berliner Tageszeitung "taz". "Enge, intime, körperliche Nähe und Berührungen, unverhohlenes Anstarren auf die Brust, erotisierende Bemerkungen sowie unangemessene SMS, Upskirting, also heimliches Fotografieren unter dem Rock, drohende Gebärden und verbale Einschüchterungen", so die Liste der Vorwürfe, die aus den Dokumenten hervorgehen, die der "taz" vorliegen. Am 2. März 2021 hatte Dörr wegen der Beschwerde der zehn Frauen eine Anhörung bei der Senatsverwaltung für Kultur. Was bei der Anhörung herausgekommen ist, ist nicht bekannt.

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