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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.02.2020

Mehr Frauen in NaturwissenschaftenSollten Mädchen und Jungs getrennt unterrichtet werden?

Bettina Hannover und Heinz-Peter Meidinger im Gespräch mit Julius Stucke

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Schüler melden sich während einer Unterrichtsstunde in einer Gesamtschule. (imago/photothek)
Würden sich Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern häufiger melden, wenn keine Jungen dabei sind? (imago/photothek)

Um mehr Frauen für Naturwissenschaften zu interessieren, sollen Mädchen und Jungs in Mathe und Physik getrennt unterrichtet werden, schlägt die SPD-Politikerin Stefanie Hubig vor. Was bringt das? Ein Streitgespräch.

"Seien wir offen dafür, Mädchen und Jungen in Fächern wie Mathe und Physik phasenweise getrennt zu unterrichten", sagte Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz und Präsidentin der Kultusministerkonferenz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Lassen wir uns auf dieses Experiment ein und schauen wir, welches Ergebnis wir bekommen. In jedem Fall ist es richtig, Unterricht zielgruppenorientiert anzugehen." So sollen mehr Frauen dazu gebracht werden, Mathematik, Informatik oder Naturwissenschaften (MINT-Fächer) zu studieren.

Auch wenn er das Ziel teilt, hält der Verbandspräsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, den Vorschlag nicht für den richtigen Weg. Man habe den gemeinsamen Unterricht ursprünglich eingeführt, um der Ausbildung von Geschlechterklischees entgegenzuwirken. Aber um das Berufswahlverhalten zu beeinflussen, reiche "eine Trennung in ein paar Fächern mit Sicherheit nicht aus".

Kein Wunsch nach getrenntem Unterricht

Bettina Hannover, Psychologin und Professorin für Schul- und Unterrichtsforschung an der Freien Universität Berlin, betont, dass es bei dem Vorschlag um gleiche Bildungsziele für Mädchen und Jungen gehe. "Es geht darum, ob es sinnvoll sein kann, in  Schulfächern, die sehr stark mit Geschlechtsstereotypen assoziiert sind, man bessere Lernerfolge erzielen kann, wenn man den Einfluss der Geschlechtsstereotype zurückdrängt." Dazu sollte nur für beschränkte Zeiträume in getrennten Gruppen unterichtet werden.

Es gebe Forschungsbefunde, die dafür sprechen, dass Mädchenschulen wahrscheinlicher junge Frauen hervorbringen, die später MINT-Fächer studieren. Allerdings könne man nicht sagen, ob wirklich der getrennte Unterricht dazu führe.

Meidinger gibt zu Bedenken, dass jede Schule bereits jetzt getrennten Unterricht in bestimmten Fächern organisieren könne. Allerdings sei das mit einem großen Organisationsaufwand verbunden. Es bestehe aber sowohl von Eltern als auch von Schülern kein Wunsch danach. "Ich glaube, der bessere Weg wäre, dass jede Lehrkraft einen geschlechtersensiblen Unterricht macht." Dabei sollten die Mädchen "aus der Reserve" gelockt und gefördert werden, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

(leg)

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